Mir zu liebe Handeln: alle Projekte laufen

Fünf Projekte hatte ich mir für 2017 vorgenommen, jetzt ist auch das letzte greifbar geworden.

Die Projekte drei und vier laufen seit Januar, respektive Februar. Es geht um Regularisierung einer Situation und Ansprüche gelten machen auf Beruflicher Ebene. Ich habe hier bisher nicht drüber geredet und werde auch jetzt nicht ins Detail gehen, es geht um Berufliches und mein Arbeitgeber möchte sich mit Sicherheit nicht hier lesen. Die beiden Projekte sind irgendwann zu einem verschmolzen, das letzte Dossier dazu habe ich am Freitag verschnürt und ich warte auf Resultate.

Projekt V sind meine Zähne. Ewig gebraucht mich zu überwinden einen Termin zu machen, dann ihn zu bekommen. Gestern war erster Besuch. Ok, der Stuhl ist mir noch immer nicht sympathisch, aber es war keine Spur meiner Agoraphobie (die mich viele Jahre abgehalten hat) mehr zu spüren. Das jetzt ausbleibende Geld aus Projekt II sollte eigentlich für einen Teil der Finanzierung gerade stehen (in B ist Zahnarzt richtig teuer), jetzt wird halt das dringendste gemacht und ich will darauf vertrauen, dass immer da sein wird was ich zur Finanzierung brauche.

… und dann knallt es!

Ich habe nicht die leiseste Ahnung wie es passieren konnte.

Was meine Mutter betrifft glaubte ich meinen Frieden geschlossen zu haben. Ich konnte ihr begegnen ohne mich provozieren zu lassen, kein weinen mehr. Hatte ich da, statt Minen zu entschärfen, sie immer wieder nur umgangen?

Mir war nicht entgangen, dass sie mich sucht. Es war im letzten Halbjahr eine deutliche Steigerung in ihren Provokationen und Gemeinheiten zu erkennen. Reine Boshaftigkeit.

Dann kam Vatertag (in Belgien im Juni), Tag den sie immer schon versucht hat uns zu vergällen, also war ich vorbereitet – nicht besonders, wie immer halt.

Sie hat mich gesucht und sie hat mich gefunden. Sie wiederholte ihre Gemeinheiten, Angriffe immer wieder, legte es sehr offensichtlich auf eine Reaktion an. Früher wäre es weinen und wegfahren gewesen, letzten Monat noch ignorieren, an dem Tag aber war irgendwie alles anders. Ich habe reagiert, mit sehr ruhiger Stimme, ja sogar mit Gelassenheit habe ich geantwortet. Nicht das was sie hören wollte sondern ehrlich geantwortet. Meiner Mutter ehrlich antworten, heißt sagen was sie nicht hören will, sie verletzen. Sie wurde laut und lauter, böser und gemeiner und ich war die Ruhe selber. Völlig fremde, neue Situation, was passierte da?

„Wie sprichst du überhaupt mit mir?“, keifte sie irgendwann und meine Antwort an sie war die Antwort an mich: „Auf Augenhöhe, von Erwachsenem zu Erwachsenem“

Sie hat geschrien, getobt, gedroht, provoziert und ich konnte es anhören und –sehen ohne auf ihr Niveau zu rutschen blieb bei meinen brutal ehrlichen Antworten. Ja, Ehrlichkeit ohne Wohlwollen ist Gemein.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung wie es passieren konnte. Nach anfänglicher Unsicherheit am folgenden Tag fühlt es sich jetzt nicht falsch an.

Ich wusste nicht, dass es so sein kann, vermutlich konnte es deshalb so kommen. Es hatte etwas befreiendes, aber als zukünftigen Umgangsmodus mit ihr, möchte ich das nicht.

Über Minenfeldern Richtung Frieden

Klare Gedanken zu einem Thema fassen, etwas für mich erfahren, es für mich wissen, ist die eine Sache. Es verinnerlichen, es leben zu können eine andere und dazwischen liegen weite Felder.

Felder? Ja, in diesem Fall Minenfelder.

Projekt 2, ich bin bestohlen worden und habe beschlossen keine gerichtlichen Schritte einzuleiten. Bin auf der Suche nach meinem Frieden mit dem Diebstahl und dem Dieb.

Die Theorie war klar aber wie würde ich sie umsetzen können? Würde ich, wenn das Thema aufkommt spitze Bemerkungen unterlassen können? Würde ich darauf verzichten können es zum Thema zu machen wo die Gelegenheit sich bietet? Würde ich ihm begegnen können ohne ihn verbal anzugreifen?

Stelle Fragen und das Leben stellt dir ein Bein, sprich, das Leben schenkt dir die Gelegenheit Antworten heraus zu finden.

Situation I – Dialogfetzen:

„Ach, er war auf dem Fest seines Vaters, warst du auch eingeladen?“
„Nein, ich habe es finanziert“
„Oh, wie lieb von dir“

Mein Sohn, der mithörte, hat bei meiner Antwort die Augen verdreht und dennoch war ich stolz auf mich. Nicht auf den Wortlaut meiner Antwort sondern darauf, sie nicht bissig sondern mit Lächeln und Zwinkern gegeben zu haben… das ist die, für mich, gute Richtung

Situation II – Besuch

W war auf dem schon oben genannten Fest. Er kommt mich besuchen. Eigentlich die Gelegenheit in dem Teil Bekanntenkreis klar zu stellen mit wem sie es zu tun haben. Der Gedanke war da. Auch der Gedanke, dass es mir nichts Positives bringen könnte. Letzterer war entscheidend… so könnte Frieden aussehen

Situation III – Begegnung

Gestern, Eisdiele, ich bin drinnen, mein Auto steht aber nicht davor. Er kommt mit seiner Frau, sie wollen das neue Lokal von innen sehen, sehen dann mich da sitzen und bleiben im Türrahmen stehen. Ich nicke grüßend und sage „Hallo“, seine Frau tut das gleiche, er deutet ein nicken an. Die beiden machen kehrt, setzen sich draußen an einen Tisch. Oft habe ich mir in den letzten Monaten vorgestellt wie es sein würde bei einer solchen Gelegenheit an seinen Tisch zu treten und zu fragen wie es schmeckt wenn ich zahle. Gestern bin ich da gesessen und schmunzelte innerlich über deren schrecken mir dort zu begegnen obwohl mein Auto nicht dort stand. Wäre er mir näher gekommen, ich weiß nicht ob ich meinen Mund gehalten hätte, aber ich hatte keinerlei Bedürfnis nach draußen zu gehen ihm irgendwas zu sagen … so könnte es Frieden werden

Es war wohltuend mich bei der Begegnung nicht als „sein Opfer“ zu fühlen (es lohnt sich, an sich zu arbeiten). Ich bin jetzt nicht stolz darauf, aber es gehört dazu: ich fühlte mich ihm überlegen. Die Überlegenheit dessen der Richtig gehandelt hat dem gegenüber der im Fehler ist. Es war auch ein Hauch Mitleid dabei. Nein, kein mit leiden, sondern dieses Mitleid das Richtung Verachtung geht.
Überlegenheit und Verachtung möchte ich nicht behalten, sehe sie momentan als eine Art Krücken, Gehhilfen Richtung Frieden.

Weitere Situationen werden folgen, ich vertraue darauf mir treu bleiben zu können und meinen Frieden zu finden.

Was ist da in mir – durch die Taucherbrille

Verlustschmerz – der Verlust des Vertrauens. Schmerz entsteht dort wo ich mich wehre. Und wenn ich das Vertrauen gehen lasse? Es passiert nichts, er ist nicht mehr Teil meines Lebens. Ich kann aufhören ihm mein Vertrauen zu schenken, es hat keinen Einfluss auf mein Leben. Vertrauen, du bist aus gutem Grund gegangen und das ist gut so.

Angst, dass er mit dem Vertrauen unserer Kinder genauso umgeht. Also Angst wegen eines Hypothetischen Vorfalls in einer unbestimmten Zukunft um gewarnte, erwachsene Menschen. Bei der Umformulierung wird mir klar: ich darf diese Angst ablegen.

Hilflosigkeit. Ich kann nichts tun um mein Geld wiederzubekommen, es liegt aber in meiner Hand wie ich damit umgehe. Ich arbeite gerade daran, also bin ich nicht hilflos.

Unverständnis. Das ist doch eigentlich die Frage nach dem „Warum“ und diese habe ich mir mal ein für alle Male beantwortet: jeder tut jederzeit sein Bestes… Egal wie bescheiden das gerade ist – mehr brauche ich nicht wissen.

Ungerechtigkeit. Gerecht wäre wenn ich mein Geld bekäme, das ist nicht der Fall.
Wie sonst kann ich Gerechtigkeit erfahren? In Gedanken.
Ich glaube daran, dass Energien fließen, was ich jetzt gut sein lassen kann wird mir als Gutes zurückkommen.
Wenn ich aufhöre an dieser Summe festzuhalten sind meine Hände offen für einen anderen Geldsegen.
Und dann gibt es auch den nicht so schönen Gedanken, dass was auch immer er mit diesem Geld tun wird, es ihm kein Glück bringen wird, ganz im Gegenteil.

Mit jedem Mal wo ich mir die Gedanken zur Ungerechtigkeit vor Augen halten werde, werde ich meinem Frieden ein Stück näher kommen.

Mir zu liebe handeln

3. Dezember 2016
„ … ich darf meinen berechtigten Forderungen Nachdruck verleihen. Ich darf mir zu liebe handeln.“

16. Dezember 2016
„… Ich möchte mich nicht auf eine Streitebene ziehen lassen, möchte aus der Angelegenheit keinen Machtkampf machen, möchte aber auch nicht mehr, wie früher in ähnlichen Fällen „um des lieben Frieden willen“ die Sache auf sich beruhen lassen…
„Um des lieben Frieden willen“, was war das denn für ein Frieden? Der des anderen, der hatte was er wollte und ich, ich hatte im besten Fall Ruhe, aber Frieden hatte ich so nicht…
Meinen Frieden mache ich aber nicht vom anderen abhängig, den finde ich darin, dass ich für mich und meine Interessen auf friedvolle Art eingestanden bin…“

23. Mai 2017
Das zweite Projekt „mir zu liebe handeln“ erfährt eine Wende.

Alles was ich in Einklang mit mir tun konnte habe ich getan. Den Weg vor den Richter werde ich nicht gehen, möchte meine Kinder nicht zu Kindern eines verurteilten Diebes machen, das kann ich nicht, egal wie nötig ich das erstrittene Geld habe. Ich bin an meine Handlungsgrenze gestoßen.

Meinen Frieden habe ich aber noch nicht.

Was ist da in mir?

Wut? Nur kurz als es passierte, sie wich schnell dem nicht-glauben-wollen was er getan hatte.

Verlustschmerz? Ja, aber mehr als das Geld wiegt der Verlust des Vertrauens. Wir sind durch 30 gemeinsame Jahre gegangen, durch Trennung und Scheidung und dann jetzt verliere ich das Vertrauen in den Menschen.

Angst? Ja, nicht um mich, ich kann den Abstand bestimmen. Angst um die Kinder, Angst, dass er mit deren Vertrauen irgendwann genauso umgeht.

Hilflosigkeit? Ja, auf friedlichem Wege habe ich nichts erreicht und kann ich nichts mehr tun.

Unverständnis? Absolut. Ehrlichkeit ist mir etwas überaus Wichtiges.

Ungerechtigkeit? Das nimmt ganz viel Platz in mir ein, es liegt irgendwie quer vor dem Durchlass zum gut sein lassen können, die Bedingung zum Frieden.

Ein Blick auf das was an der Oberfläche brodelt, ordnen tut gut, reicht aber nicht. Morgen setze ich die Taucherbrille auf und schaue drunter.

Eine Zahl, ein Gefühl?

Bei Barbara gab es heute die Frage „Wie alt fühlst du dich?“

Eine Frage die ich mir sehr lange nicht gestellt hatte, wozu auch… gibt es dazu überhaupt mal einen Grund, außer die Frage selber?

Wie alt ich mich fühle?

Erstmal: ich bin 54.

Es gibt die um mich herum die, tut z.B. der Rücken weh, sagen „Ich fühle mich wie 80“. Jetzt wo bei mir das Knie rumzickt (ja, noch immer) fühle ich mich „wie 54 mit rumzickendem Knie“. Ich habe keine Ahnung wie 80 sich anfühlt, da war ich noch nie. Kann ich jetzt schlussfolgern: jünger bin ich schon gewesen, kann mich also jünger fühlen? Nein, nicht wirklich, würde ich doch auf ein verklärtes Bild schauen – auch da gab es Tage wo nichts ging.

Ob ich gerade durch die Gegend hinke oder beschwingt durch meinen Tag tanze, egal wie ich mich gerade fühle, es kann nichts anderes sein als „wie 54“ und dann denke ich „Wow, die Zahl fühlt sich verdammt gut an!“

… und es gibt keinen Grund die nächste zu fürchten.

Müde, ich bin so müde

Mir
Es hatte sich schon im Adventskalender angekündigt, mein Jahresthema.
„Ich darf mir zu liebe handeln“

Wer ein Leben lang vollen Einsatz gibt, den erschreckt die Aufgabe nicht. Ganz einfach, alles was ich immer für andere getan habe, tue ich dann auch für mich.
Dachte ich…

Mir fällt es unsagbar schwer mich für mich selber einzusetzen. Für andere geht sowas mit wehenden Fahnen, da gehe ich furchtlos zum Angriff über, fordere Rechte ein oder verteidige, schütze wo notwendig. Ich hatte da ein paar Baustellen und glaubte in wenigen Wochen damit durch zu sein.
Eine, eine einzige habe ich in den letzten drei Monaten geschafft, zwei sind angegangen.

Es brauchte eine ganze Weile bis mir bewusst wurde, dass die neue Müdigkeit vom „mir zu liebe handeln“ her rührt. Ich empfinde es als unsagbar anstrengend.

Nur, was machte das für mich handeln um so vieles anstrengender als das für andere handeln? Handel ich für einen anderen, dann gibt es kein Zögern, das ist notwendig und dann wird es getan. Möchte ich für mich handeln liegt die Sache ganz anders und es brauchte Zeit mir auf die Schliche zu kommen.

Möchte ich „mir zu liebe handeln“, taucht bei jedem Schritt die Frage auf ob ich es darf. Jedes Mal gilt es mich davon zu überzeugen, dass ich es wert bin und es darf. Schwerstarbeit.

Meine Erfahrung mit Lernprozessen sagt mir, dass alles, mit der Übung wesentlich einfacher wird und ich vertraue darauf, dass dem auch mit diesem Thema so sein wird.
Es wird einfacher werden, es wird selbstverständlich werden… damit es das werden kann, legt mir das Leben Übungsstücke auf den Weg.

Jahresthema halt… es ist erst April