Adventskalender 3. Türchen (2012) – Im hier und jetzt

Liebes Du,

heute möchte ich mit dir auf eine ganz besondere Erfahrung schauen.

„Ich schäme mich jetzt schon dafür wie ich beim Abschied weinen werde“, sagte ich.

„Wir haben die ganzen Tage im hier und jetzt gelebt, weshalb solltest du gleich damit aufhören?“

„Das habe ich nicht vor, weshalb sagst du das?“

„Wenn du im hier und jetzt bleibst wirst du keinen Grund haben zu weinen“ entgegnete er lächelnd.

Nach schönen, wohltuenden, bereichernden Tagen waren wir auf dem Weg zum Bahnhof. Abschied nehmen von lieben Menschen, das war für mich immer mit Tränen verbunden, ich konnte mir nicht vorstellen, dass es ausgerechnet bei ihm anders sein sollte.

Am Bahnsteig schloss er mich ein letztes Mal in seine Arme und verabschiedete mich mit „Bleibe im hier und jetzt“.  Im hier und jetzt lag ich in seinen Armen und das war gewiss kein Grund zu weinen.

Der Zug fuhr ein, ein letztes Drücken, ein letztes Winken… und ich weine noch immer nicht. Fühlte sich irgendwie merkwürdig an. Die Tränen würden mich wohl einholen wenn ich wieder im Auto wäre.

Tatsächlich, als ich hinterm Lenker saß, spürte ich wie mein Brustkorb sich weitete und die Traurigkeit in mir aufstieg. 

Er hatte mir gewünscht im hier und jetzt bleiben zu können, was war das „hier“ und das „jetzt“?  Das Glück welches ich in den letzten Tagen hatte erfahren dürfen war noch in mir, ich war reich an schönen Erinnerungen und wahrlich, das war kein Grund zu weinen.  Ich habe tief ausgeatmet, meinem Glücksgefühl Platz machend und bin fröhlich singend heimgefahren.

Diese Erfahrung hat mich verändert. 

Wenn ich jetzt Abschied nehme, dann tue ich dies nicht mehr mit einem Gefühl von Trauer weil morgen nicht sein wird wie heute, sondern mit einem Gefühl von tief empfundener Dankbarkeit für das was ich mit dem Menschen habe erleben dürfen.

Das Besinnen auf das schöne Gelebte und vor allem die Dankbarkeit dafür sind, denke ich, ein wesentlicher Bestandteil meiner neuen Lebensfreude.

„Lebensfreude“, ein schönes Wort meinen dritten Brief an dich zu beenden.

Gute Nacht,

Bisou

22 Kommentare zu „Adventskalender 3. Türchen (2012) – Im hier und jetzt

  1. Wie schön die Gedanken sein können, mit denen man seine Gefühle richtet. Manchmal sind sie hart und schwierig zu denken, aber diese sind tröstend, tragend und schön. Und: ja, sie verändern uns.

    Liken

    1. Es ist schön zu wissen, dass Gedanken Gefühle „richten“ können. Mit den einfachen, schönen lernen wir darauf zu vertrauen und dieses Vertrauen erleichtert die Arbeit in schwierigeren Fällen.

      Liken

  2. so schön!
    Und ich bin der gleiche Dödel! Abschiede bereiten mir Tränen…vielleicht schaffe ich es auch wie Du….?

    Das letzemal, als wir von den Herbstferie nach hause gefahren bin, war ich schön froh, meine Sonnenbrille anzuhaben;-)))

    Liken

    1. Was brauchst du um es zu können?

      – Das Wissen darum das es geht
      – Das Wissen darum wie es geht

      Ich wünsche dir bei Bedarf daran zu denken und es um zu setzen, die Sonnenbrille sieht bestimmt auch gut aus wenn du sie dir ins Haar steckst 😉

      Liken

  3. Ja, es macht traurig, schöne Situationen nicht festhalten zu können, aber sich an sie zu erinnern, spendet doch auch ein wenig Trost, oder?

    Was ich nicht erlebt habe, kann mich nicht traurig machen, aber auch nicht glücklich. Also: Einfach mal darauf einlassen, egal was daraus wird!

    Liken

    1. „Einfach mal darauf einlassen, egal was daraus wird“

      Es hat Abschiede gegeben bei denen das im hier und jetzt bleiben mich traurig gemacht hat, weil das was ich gesehen habe mich traurig gemacht hat. Da war es dann wichtig zurück zu mir zu finden, bei mir selber zu bleiben, nicht ganz einfach wenn man den anderen liebt.

      „Einfach mal darauf einlassen“? Nein, nicht „einfach mal“, sowas überlege ich mir mitlerweile, ich bin es mir schuldig als erstes auf mich selber auf zu passen.

      Liken

        1. ähm….hüstel….Risiken die Lebensfreude versprechen? Damit das kein Absturz wird, sollte ich mir dann des Rikos aber auch wirklich bewusst sein und es auch akzeptieren, sonst geht das ganz leicht in Katzenjammer aus…….
          Im Grunde hat mich die Rückbesinnung auf das eingegangene Risiko und die Übernahme der Verantwortung, dafür, schon mehrfach aus dem schlimmsten Katzenjammer gerettet.

          Liken

        2. ähm… räusper… 😉

          Dies hier überlesen?

          „Einfach mal darauf einlassen“? Nein, nicht „einfach mal“, sowas überlege ich mir mitlerweile, ich bin es mir schuldig als erstes auf mich selber auf zu passen.

          Liken

  4. ist schon ein langer weg des begreifens ……..wenn man es zulassen kann purtzelt es wie von selbst ……dir mal alle steine aus dem weg räume ..es purtzelt sich soviel besser …..
    ………………………ALLES WIRD GUT!!!!!!!!……..

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s