Adventskalender (2011) – 11. Türchen – Von Abhängigkeit, Liebe und Vertrauen

Es ist Sonntag,  der dritte Advent, Kerzen brennen und ich lade dich ein mit mir durch das 11. Türchen zu gehen.

Kein leichtes für mich, das ist es nie wenn es ums geliebt werden geht.  Ungeliebte Kinder tun sich als Erwachsene sehr schwer mit dem Thema.

Kerstin, die mit Liebe sieht, hat mir folgenden Satz geschenkt:

„Liebe ist ein Geschenk

Und kann nicht verdient oder erarbeitet werden.

Wer dies glaubt, begibt sich in Abhängigkeit.“

Das höchste was die kleine Bisou von der Mutter bekommen konnte war sowas wie positive Beachtung, die gab es für überdurchschnittlichen Fleiß und eben solche Schulnoten.

Ich wusste, wenn es mir gelingt genug dafür zu tun, dann nimmt sie Notiz von mir auch ohne wütend zu sein.

Wir lernen sehr jung schon, dass Mutterliebe die höchste Form der Liebe sei und so glaubte ich, wenn ich hart dafür arbeite kann ich mir jede Liebe verdienen.

Obwohl mir später bewusst wurde, dass ich einen Menschen lieben kann nur weil er der ist, der er ist, bin ich nicht auf den Gedanken gekommen, dass irgendjemand auch mich beachten oder lieben könnte nur für das was ich bin ohne das was ich tue.

Ich konnte die Erfahrung auch nicht machen weil ich niemandem die Gelegenheit dazu gab.  Ich wollte geliebt werden und konnte nicht das Risiko eingehen dafür nichts zu tun.  Ich verschenkte meine Zeit, meine Kraft, was ich habe, was ich kann, ich verschenkte mich und meine Liebe in der Hoffnung im Eintausch Liebe erfahren zu dürfen.

Es hatte alles in mir rebelliert als ich das erste Mal diese Aussage von Kerstin gelesen hatte.

Aber ja, der zweite Teil stimmte.  Mit dem verhalten manövrierte ich mich in völlige Abhängigkeit derer deren Liebe ich mir zu erarbeiten suchte.

Abhängig, manipulierbar und klein machte ich mich.

Aber der erste Teil?  Liebe ist ein Geschenk.  Fehlte da nicht sowas wie „für Menschen die…“ ich weiß nicht was, auf jeden Fall nicht für solche wie mich die dieses Geschenk ja schon als unschuldige Kinder nicht wert gewesen waren.  Nein, das galt mit Sicherheit nicht für alle, mit Sicherheit nicht für mich.

Dinge erkennen kann man auf unterschiedliche Wege.

Zum einen durch eigene Erfahrung.  Die Erfahrung, dass mir Liebe geschenkt wurde konnte ich nicht machen weil ich ja immer alles tat sie mir zu verdienen.

Zum anderen durch Beobachtung.  Dazu hatte ich Gelegenheit, liebte ich doch jemanden der nie glauben konnte als das was er wirklich ist geliebt zu werden.

Und durch Schmerz, die effektivste Art zu lernen.  Da gab es jemanden dessen Liebe ich mir unbedingt verdienen wollte.  Es gab kleine Inseln auf denen ich seine Liebe spüren durfte, aber außerhalb dieser Momente fand ich keinen Weg seine Liebe erfahren zu dürfen.  Ich habe geliebt wie ich lieben kann, ich habe alles Mögliche und Unmögliche getan oder unterlassen, ich habe erduldet und ertragen soweit meine Kräfte es erlaubten.  Ich habe mich klein gemacht, habe gefleht und gebettelt.  Ich habe mich groß gemacht und gekämpft.  Ich habe verziehen und vergessen, verschenkte Aufmerksamkeit, Zuwendung,  Verständnis, Anerkennung, Hilfe in allen Variationen, arrangierte, präparierte, machte unmögliches möglich…

… nichts half.

Ich konnte mir mit nichts zu dem ich fähig war seine erfahrbare  Liebe, seine Zuwendung verdienen.

Zum ersten Mal scheiterte ich daran mir Liebe zu verdienen.  Das ging mit großem Schmerz, auf den ich hier nicht näher eingehen möchte, einher.

Am Ende dieses Schmerzes jedoch blieb sowas wie Freiheit.  Befreit durchatmen können.  Unmengen Energie waren Verfügbar, wurden nicht mehr für das eine, nicht erreichbare Ziel verschwendet.

„… und fort an schenkte er ihr das Erfahren seiner Liebe und sie lebten…“

Nein, natürlich nicht, das gibt es nur im Märchen.

2011 ist das Jahr in dem ich lernte, dass ich mir Liebe nicht verdienen kann.  Ich will lernen und darauf vertrauen, dass ich es wert bin geliebt zu werden.  Es fällt mir schwer sowas über mich zu schreiben, denken, glauben oder gar wissen.  Es wird ein sehr langer Weg und ich habe keine Ahnung was mich darauf erwartet.

Ich wünsche dir der mit mir durch dieses Türchen geschaut hat das Vertrauen in die Worte „Liebe ist ein Geschenk“

Bis morgen

Nachtrag:

Ich sitze hier völlig erschöpft, mit verheultem Gesicht und habe zum ersten Mal seit ich blogge Angst vor den Kommentaren.  Wer auch immer glaubt hier sei ein Wort falsch benutzt worden, oder nicht präzise genug ausgewählt, der möge dies bitte für sich behalten, ich könnte hier nicht damit umgehen.  Danke

35 Kommentare zu „Adventskalender (2011) – 11. Türchen – Von Abhängigkeit, Liebe und Vertrauen

  1. es gibt keinen grund angst zu haben …du bist doch groß und hast jedes recht zu sagen was du zu sagen hast ……..

    dich in den arm nehme und froh bin ,das es dich in meinem leben gibt ………….ALLES WIRD GUT !!!

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  2. *DD*….
    meine Erfahrungen waren von Kindesbeinen an ..
    genau diese….
    Liebe ist ein Geschenk
    Und kann nicht verdient oder erarbeitet werden.
    – und ich bin dankbar dafür –
    auch wenn ich dummerweise genau das manchmal als ganz selbstverständlich angesehen habe.
    Danke Dir ~~~

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  3. Wer sollte ein Recht haben zu sagen, welche Worte Du hättest wählen sollen, wenn Du Deine Gefühle beschreibst, wenn Du in Deine Seele schaust? Du musst Dich nicht fürchten. Nicht fürchten.Dich mal in die Arme nehme. Selbst in diesem verletzlichen Zustand, wäre Dir die Anmaßung bewusst geworden. Und Anmaßung verdient meiner Meinung nach, in die Schranken gewiesen zu werden.
    Manchmal, wenn wir sagen, was wir empfinden, besteht die Gefahr, dass wir einen anderen verletzen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Nähe nicht möglich ist, wenn dieses Risiko genau deshalb nicht eingegangen wird.

    Wenn ich mein Inneres nicht zu öffnen wage, aus Angst, dem anderen weh zu tun oder ihn zu erschrecken, mit meinen Gefühlen und Gedanken, werde ich ihn wahrscheinlich genau deshalb verlieren. (G.Z./ 11.12.2011)

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      1. „Wer auch immer glaubt hier sei ein Wort falsch benutzt worden, oder nicht präzise genug ausgewählt, der möge dies bitte für sich behalten, ich könnte hier nicht damit umgehen.“
        Hier sehe ich, sowohl die Angst zu verletzen…als auch durch diese Verletzung, selbst verletzt zu werden.

        „habe zum ersten Mal seit ich blogge Angst vor den Kommentaren.“
        hier sehe ich das Gleiche.
        Damit wir uns ganz klar verstehen, Bisou, und ich hoffe, ich drücke mich dementsprechend aus: Man kann sehr mutig und ehrlich sein und trotzdem Angst haben.
        Ich schreibe meist aus dem Zusammenhang heraus…. Dich anlächle. Allerdings pfeift ein Gedankenanstoß um alle möglichen Ecken…..und betrachtet oft gleichzeitig, den Ton und sein Echo. Ich weiß, das ist verwirrend….grins…..für mich auch.

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        1. Was Dich stutzig macht, ist eine Verallgemeinerung. Ich versuche in jeder Situation das zu sehen, was verallgemeinerungsfähig ist. Du öffnest Dich. Andere tun es nicht, können oder wollen es nicht.

          Von meinem Spruch gilt übrigens der Umkehrschluss nicht. Sicher werde ich die Nähe zu meinem Menschen verlieren, wenn ich mich ihm nicht zu öffnen wage. Ich halte ihn damit nicht nur auf Abstand. Ich entferne mich auch selbst von ihm, dadurch.
          Der Trugschluss ist allerdings der, dass ich durch mein Öffnen eine Nähe herstellen könnte, die nicht wirklich vorhanden ist.
          Das ist wirklich mit das Komplizierteste überhaupt zwischen Menschen. Ich entferne mich jetzt auch zunehmen vom Kern Deines Themas.
          Ich weiß nicht, ob das so einfach ist: die Liebe ist ein Geschenk. Und ob uns dieser Gedanke irgendwie wirklich hilft in all den Verwirrungen und Verirrungen, die Liebe so oft bewirkt…selbst dann, wenn es Liebe ist.

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  4. Wer sich Liebe verdient, nimmt ihr den Zauber, den sie als Geschenk entfalten würde…..

    bisou, bitte verstehe diese Worte nicht als Kritik – dein Blog ist mir sehr nahe gegangen und hat mir gleichzeitig einige Situationen ins Gedächtnis gerufen, in denen ich mich emotional zurückgezogen habe, wenn meine Liebe nicht erwidert wurde.

    Vielleicht erinnerst du dich an mein Nachtvogel-Motto

    „Nothing that’s forced can ever be right,
    If it doesn’t come naturally, leave it.“

    … es sprach mir aus der Seele.

    Du bist es wert, geliebt zu werden! Ich wünsche dir die Geduld, im Vertrauen darauf zu warten.

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        1. Wenn ich liebe, muss der andere nichts dafür tun, um sie zu bekommen. Sie kommt aus dem Herzen und ist ohne jegliche Erwartung. Sie ist einfach da.

          Genausowenig muss ich etwas dafür tun, um Liebe zu empfangen. Doch: ich muss empfangsbereit sein 😉

          LIEBE ist wie ein Energiekreislauf. Öffne ich mein Herz, werden mir auch andere Herzen begegnen, die geöffnet sind.

          Mir fallen jetzt keine anderen Worte ein, kommen sie an?

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        2. Hmmmm… ok, ich versuchs nochmal.

          Du schreibst in deinem Blog: „Ich habe mich klein gemacht, habe gefleht und gebettelt. Ich habe mich groß gemacht und gekämpft. Ich habe verziehen und vergessen, verschenkte Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verständnis, Anerkennung, Hilfe in allen Variationen, arrangierte, präparierte, machte unmögliches möglich…
          … nichts half.“

          Du schreibst, dass du das alles getan hast, um Liebe zu „verdienen“.
          Und ich glaube halt, dass man nichts tun muss, um Liebe zu erfahren.
          Liebe ist.

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        3. Verstehe ich es jetzt richtig:

          „Immer dann, wenn wir für die Liebe alles mögliche tun, können wir ziemlich sicher sein, dass es keine „echte Liebe“ ist.“ <- die wir für unser Tun erhalten. So?

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        4. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa :yes:

          Ich wollte übrigens mit meinem Kommentar deine Zeilen nur unterstreichen. Habe nämlich gelesen und die ganze Zeit nickend da gesessen.

          *einen oben, einen unten

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        5. lache

          warum ist es manchmal so schwierig die einfachsten Dinge beim anderen ankommen zu lassen?

          Danke fürs nicht Aufgeben

          *einen oben, einen unten

          (einen oben, einen unten – habe ich am Samstag bewusst gemacht und es wurde bewusst wahrgenommen und ich erntete ein ganz breites Lächeln dafür – da habe ich an dich gedacht – danke)

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  5. hmmm ja die liebe ist ein geschenk… dennoch glaube ich dass man immer fleissig dran arbeiten muss, damit am ende nicht nur die leere geschenkpackung übrig bleibt.
    und mal davon abgesehen: steckt dieses liebe verdienen nicht einfach ein wenig in uns? ich meine natürlich in einem gesunden mass.
    nur ein kleines beispiel: wenn ich meinem mann eines seiner lieblingsgerichte koche ist das sicher erstens, weil ich ihm eine freude bereiten will…erwarte aber doch ganz sicher eine reaktion dafür! was für ein frust wäre dies, wenn ich dafür keinen *muntsch* oder umarmung bekommen würde 🙂

    deine kalender türchen sind auch dieses jahr wieder ganz besonders! danke liebe bisous für all die worte, die du hier mit uns teilst!!
    megaumploppserchen

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    1. „hmmm ja die liebe ist ein geschenk… dennoch glaube ich dass man immer fleissig dran arbeiten muss…“

      Wenn du die Liebe als Geschenk sehen kannst, dann arbeitest du nicht an der Liebe sondern an der Beziehung oder?

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  6. Liebe und Beziehung – gehört das nicht automatisch zusammen?
    Liebe zu den Monsters, Liebe zu meinem Bruder, zu meinen Eltern, zu Freundinnen, etc. Ist es nicht so, dass wenn eine Beziehung besteht an welcher man hängt sowieso Liebe dabei ist?

    Und eben in diesen Liebes-Beziehungen doch oft Sachen macht, die einem vielleicht stinken, im Wissen aber, dem Anderen ist es wichtig?
    Zum Beispiel muss ich am Sonntag Abend in die Kirche, weil da meine Kleine-Grosse an einem Weihnachtstheater mitspielt. Sonntag Abend ääääätzend!! Dennoch will ich sie nicht enttäuschen – erwarte auch nichts dafür (ausser, dass sie mich schrecklich lieb hat, hihi!) – ich finde aber, dies sind dann genau die Sachen, die irgendwann in anderer Form zurückkommen und die dann unser Herz wieder erwärmen. Das meine ich mit dran arbeiten…

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