10. Türchen (2018) oder von Rückschnitt

Liebes Du,

öfter schrieb ich hier schon von meinem überfordernden Garten und der Arbeit die er mit sich bringt. Nein, sicherlich nicht mit diesen Worten, es hat Jahre gebraucht es zu erkennen.

Als ich vor mehr als sieben Jahren das Haus kaufte, war ich fasziniert vom Garten. In Doppelreihen gepflanzte Mischhecken, Sträucher, Bäume, das alles mit viel Liebe unterhalten. Hier hatte es nie Motoren Gebrumme gegeben, der Vorbesitzer verbrachte jeden Tag mindestens 5 Stunden in seinem Garten. Ein Schnipp, hier, ein Stutzen dort, pflanzen, umpflanzen, hegen und pflegen.

Ich hatte weder die Zeit noch die Energie oder physische Kraft, diesen Garten zu unterhalten wie es notwendig gewesen wäre. Wenn ich nicht Verletzungsbedingt ausgefallen bin, tat ich was ich schaffte, nahm mir Hilfe soweit ich sie mir leisten konnte und doch verwilderte und wucherte es nach und nach ums Haus herum.

Im Frühling waren alle Gelenke fit und ich kaufte mir eine Motorsäge. Der Plan war, alles so zu kürzen und stutzen, dass ich es ohne Leiter pflegen kann. Einige Bäume sollten auch ganz weg, beim Rasenmähen ging immer soviel Zeit an Slalomfahrten verloren. Ich hatte mir bis zum 15. August Zeit gegeben und zu dem Datum lagen 100m³ Holz, Äste, Heckenabschnitt, etc. in meinem Garten. Nachbarssöhne sind dann gekommen, haben alles weggefahren, mit dem Traktor noch Wurzelwerk aus dem Rasen gezogen, die Linde beschnitten und alles sauber hinterlassen.

Kahl, nackt, leer war alles und wo Monatelang die Äste gelegen hatten war kein Grashalm mehr. Sehr schnell zeigten mir die Buchen mit neuem Blattwerk, dass sie mir den radikalen Rückschnitt verziehen hatten. Die Natur erobert sich ihren Platz zurück.

Das Ganze hat mir Mut abverlangt. Der Umgang mit der Motorsäge ist mir noch immer nicht geheuer. Auch den Mut zum Schnitt, so manches Gewächs ist in Stufen verschwunden. Es brauchte Mut und das Vertrauen, das was ich da beschnitt, nicht zu töten.

Mit der Zeit wurde mir bewusst, dass auch der Garten und die Arbeit darin, das spiegeln was ich im Innern lebe. Ausreißen, beschneiden, entwurzeln was mir nicht gut tut und die (mittlerweile) Gewissheit nicht daran zu Grunde zu gehen.

Finde auch Du Mut zum Rückschnitt hinter deinem Türchen

2 Kommentare zu „10. Türchen (2018) oder von Rückschnitt

  1. Oh, das ist ein sehr anstubsendes Türchen. Ich schneide inzwischen regelmäßig ordentlich zurück, wenn es nötig ist. Aber trotzdem mit Bedacht gewählt. Manchmal aber lasse ich es auch wild wachsen, wenn es mich nicht zu sehr stört und es mir einfach meine Einteilung erleichtert. 😉
    Was in jedem Fall richtig gut tut, ist alles so richtig zu bearbeiten, was sonst immer wieder einen Störenfried in mir selbst darstellen würde.

    Gefällt 1 Person

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