8. Türchen (2018) oder von Lebensräumen

Liebes Du,

Spiegeln Lebensräume unser Leben? Ich begebe mich mal auf die Suche…

Bis 12 teilte ich das Zimmer mit erst dieser, dann jener Schwester. Null Privatsphäre, keine Gestaltungserlaubnis und die Beschreibung des Zimmers passt zu meinen Lebensumständen.

12 bis 21, zwischen Internatszimmern und einem eigenen Zimmer bei den Eltern, dieses war aber von der Mutter eingerichtet. Auch hier passt es, die Bevormundung, die Beschneidung jeder Eigenständigkeit, die Abhängigkeit von anderen in Mehrbettzimmern.

21-22, eigene Wohnung, möbliert gemietet, der Freiheitsdrang war grösser als die finanziellen Möglichkeiten. Mit der Volljährigkeit verlasse ich zwar das Elternhaus, bleibe aber in „geliehenen Möbeln“ in den Konventionen gefangen.

22-48, erst geteilte Wohnung, dann gekauftes Haus mit dem Vater meiner Kinder. Zwei Lebenswelten treffen aufeinander, irgendwann gehe ich jedem Gespräch zur Wohnsituation aus dem Weg, zu verschieden sind die Meinungen. Mit den Kindern kommt auch die Rücksichtnahme auf deren Bedürfnisse, wenn ich schon nicht meine durchsetze, dann aber deren. Die Frau gibt sich in den Rollen der Ehefrau und Mutter völlig auf.

48-55, mit der Scheidung, diesmal Hauskauf für mich alleine. Die Möbel der Vorbesitzer werden, so es mir meine Mittel erlauben, ganz langsam, nach und nach durch solche ersetzt die mir wirklich gefallen. Ich lerne mich kennen und lieben, nehme mich wichtig.

55, nach sieben Jahren in fremden Tapeten, nach langem Sparen wird mein Wohnzimmer, der Raum in dem ich mich am meisten Aufhalte, ganz nach meinem Geschmack, nach meinen Ideen gestaltet, mit den von mir im Laufe der Jahre gekauften Möbel.

Ja, Lebensräume spiegeln unser Leben. Ohne jede Absprache oder Rücksichtnahme habe ich mir meine Wünsche erfüllt, ich bin frei, ich bin es mir wert.

Mir wird gerade bewusst, dass ein Bild noch nicht hängt und noch eine Wandleuchte fehlt und auch das passt. Es wird noch Licht brauchen meine letzten Bilder zu malen, meinen Weg zu gehen.

Danke, liebes Du, dass du mir hinter die Türchen leuchtest

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Ein Kommentar zu „8. Türchen (2018) oder von Lebensräumen

  1. Bestimmt hast Du es wohnlich, so, wie es zu Dir passt. Das Heim eines Menschen sagt so viel über ihn aus .. wenn ich an meine zahlreichen Behausungen denke – diese Wohnung hier ist die neunte nach dem Auszug von meinen Eltern und jede Wohnung war anders, ganz meinem jeweiligen Lebensabschnitt, meinem Entwicklungsstand entsprechend.

    Ein Beispiel von Metamorphose war meine erste Bleibe, ein Ein-Zimmer-Wohnklo. Ich war 19 und übernahm zunächst Dinge von meinen Eltern … irgendwann kaufte ich eine eigene Deckenleuchte, ein riesiges Teil mit einem schweren Metallschirm, das einzige Teil, was mir über alles Zeiten erhalten blieb. Später übte ich mich im malen, dekorierte den einzigen Raum während einer Woche unter Drogen mit warmen, geometrischen Mustern …

    Hier dominieren heute Holz – und Bücher.
    Viele Bilder.
    Bunt gemischt und warm.

    Wobei wir ja nur geduldet sind, die Herren tragen Fell 😉

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