Gleich zwei Mal „Aua“, da werde ich hellhörig

Donnerstag, kurz vor 20 Uhr. Anruf von Papa: meine Mutter ist vom Hausarztbesuch nicht zurückgekommen. Stattdessen war die Ärztin da der Mutters Handy abzuholen und Bescheid geben, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wird. Vielleicht nur bis morgen. Mehr weiß Papa nicht oder besser kann er es nicht wiedergeben.
Ihm geht es gut und nein, ich brauche nicht zu ihm.

Erst das suchen nach der Ärztin: da läuft ein Anrufbeantworter.
Die beiden nächstgelegenen Krankenhäuser angerufen, nein Frau G wurde dort nicht eingeliefert.
Rufe meine Mutter auf ihrem Handy an – keine Antwort.
Mir bleibt nur zu vertrauen, wo immer sie ist, was immer sie hat, sie wird versorgt und ich gehe zu Bett.

Um fast 23 Uhr erfahre ich von meiner jüngeren Schwester, dass sie um 18 Uhr eine Nachricht von der Ärztin auf ihrem AB erhalten hatte und, dass sie mittlerweile mit der Mutter telefoniert hat. Ihr Herzschlag ist viel zu langsam aber es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Mir nicht mehr. „Mutter hat dafür gesorgt, dass die an denen ihr liegt, wissen was los ist, ich gehöre nicht dazu – Aua“.

Freitagvormittag: Mutter ruft mich an, dankt für Nachricht und nein, sie braucht nichts.
Freitagabend: Schwester meldet, die Mutter soll bis Montag bleiben, Bruder hat den Auftrag ihr zu bringen was sie braucht. „Bin ich nicht einmal mehr für Botengänge gut? – Aua“.

Gleich zwei Mal „Aua“ in 24 Stunden, da werde ich hellhörig, jetzt gilt genau drauf zu schauen was da schmerzt.

– Das erste war das „ungeliebte Kind“ in mir. Es ist also noch da. Ich erinnere das kleine daran, dass es bei der Frau nicht um Liebe geht. Schaue auf unser Verhältnis und finde ihr Handeln völlig verständlich, ich war doch selber vier Mal im KH ohne ihr überhaupt irgendwas davon zu sagen.

– Das zweite war die „Kümmererin“, die die für jeden immer da ist und tut. Ich fühle mich verkannt bis mir hier bewusst wird: sie suchte sich ihre Menschen noch nie danach aus wie sie einer Situation gewachsen sind, sondern danach wie manipulierbar sie sind. Ich bin nicht mehr dabei und das kann ich positiv sehen.

Gut, dass ich gelernt habe nicht im Schmerz zu verharren, dass ich gelernt habe genau drauf zu schauen.

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7 Kommentare zu „Gleich zwei Mal „Aua“, da werde ich hellhörig

  1. Der Geist erklärt und tröstet die Seele. Das kleine Mädchen ist etwas ruhiger, trotz zwei mal „Aua “ Das freut mich für dich!

    Heute Nachmittag habe ich eine halbe Stunde gebraucht, meinem Vater zu erklären, dass eine Vollmacht für die Krankenkasse keine Entmündigung ist … Mißtrauen auch nach all den Jahren. Der kleine Junge sieht einen anderen kleinen Jungen …

    Sei herzlich gegrüßt!

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    1. Wir sind beim Profil von anderer Stelle.
      Der Winterreifen hinterlässt bei allem Profil nur spuren im Schnee, nicht auf dem Asphalt.
      Egal wie wir jetzt sind, was wir können, was wir tun und zeigen, trifft es auf eine verhärtete Front, bleibt davon kein Eindruck.
      Ob und welchen Eindruck wir hinterlassen, liegt nicht nur an dem was wir ausstrahlen sondern auch an dem was davon empfangen werden kann. Hier bleibt jemand das Arschlochkind, dort jemand der unverantwortliche.

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    2. „Der Geist tröstet die Seele“ das klingt sehr schön…

      Ist es nicht aber „Neues Wissen übernimmt?“
      Wenn es emotional wird, wird auf das nächstliegende zurückgegriffen und da sind 50 Jahre altes glauben/denken/wissen, neben nur 5 mit neuem. Da ist die Chance ins Alte zu greifen halt 10 Mal höher.
      Nach dem ersten überrumpelt worden sein, sagt Neu zu Alt: „Du darfst gehen, ich übernehme“

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      1. Neue Erfahrungen und Erkenntnisse ersetzen langsam die erlernten Muster, das dauert oft viele Jahre, ich weiß. Heute muss ich, müssen wir nicht mehr jeden Impuls nachgeben, sondern können auf die Muster der anderen schauen. „Aua“ macht es immer noch, für einen kurzen Moment. Aber wir, Du und ich, wir sind nicht mehr untröstlich, weil wir verstehen gelernt haben. Nicht mit dem, was man gemeinhin als „Verstand“ bezeichnet. Der ist für sich allein nur in der Lage, logische Verknüpfungen zu schaffen, Analyse zu betreiben. Hat auch seinen Wert, ist aber beim seelischen Wachstum eher hinderlich.

        Aber – obgleich der Geist, der Verstand nicht Chef ist, verschafft er mir oft genug eine kurze Pause zum nachspüren. Bewusstheit erlangen,.. Diese Zeit ist wichtig, um nicht jedem erstbesten Impuls nachzugeben. Vielleicht hinkt der Vergleich, aber auch unsere Atmung findet mal bewusst, mal unbewusst statt … der Geist hilft mir, mich zu erinnern – da gibt es etwas, was hilft.

        Bewusstes atmen zählt auch dazu 🙂

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  2. Wir sind beim Profil von anderer Stelle.
    Der Winterreifen hinterlässt bei allem Profil nur spuren im Schnee, nicht auf dem Asphalt.
    Egal wie wir jetzt sind, was wir können, was wir tun und zeigen, trifft es auf eine verhärtete Front, bleibt davon kein Eindruck.
    Ob und welchen Eindruck wir hinterlassen, liegt nicht nur an dem was wir ausstrahlen sondern auch an dem was davon empfangen werden kann. Hier bleibt jemand das Arschlochkind, dort jemand der unverantwortliche.

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