22. Türchen (2017) oder Altes neu genutzt

Liebes Du,

erst am Folgetag ein Türchen füllen, das gab es hier, so ich mich recht erinnere, noch nicht. Es will auch so gar nicht zu der mir in die Wiege gelegte Zuverlässigkeit passen. Womit wir schon beim Thema des Türchens wären.

„… gibt es etwas, was du von deinen Eltern oder Großeltern, Tante oder Onkel mit in die Wiege gelegt bekommen hast? Gibt es Ähnlichkeiten? Ob Äußerlich oder innerlich, eine Begabung oder eine Abneigung.
Und, bist du damit einig? Ist es ein Segen oder ein Albtraum deiner Meinung nach?“

Jahrzehnte fand ich alles an mir schlimm was irgendwie auf meine Mutter deutete und genau so lange hat diese Frau alles was sie an mir nicht mochte mit meinem Vater oder seiner Familie in Verbindung gebracht. Ich fand an mir was ich nicht wollte und was ich gerne mit mir trug wurde mir schlecht geredet. Ein Albtraum.

Dann die Wende.

Jetzt weiß ich wie sehr ich meinen beiden Eltern in Aussehen, Begabungen, Talenten, Fertigkeiten ähnlich bin und finde es nicht mehr schlimm. Ich habe die gleichen Gesichtszüge wie meine Mutter, aber ich kann mit meinen lächeln und auch die Talente die wir gemeinsam haben nutze ich zu ganz anderen Zielen. Und seit ich um ihre Krankheit weiß, kann sie mir meinen Papa nicht mehr schlecht reden.

Und dann diese Frage zum Türchen.

Wie immer begleiten mich die Themen in meinem Alltag und es hat sich ein neuer Blickwinkel aufgetan. Papa hat sich nach seinem Schlaganfall sehr verändert, er hat seine Ängste verloren. Er hat seine Angst vor meiner Mutter verloren, traut sich seine eigene Meinung zu sagen. Er lebt nicht mehr „versteckt“, er kann jetzt laut lachen, usw. Somit verschwand vieles von dem was jahrzehntelang meinen Papa für mich ausmachte. Dieses Bewusstwerden schenkt mir einmal mehr die Gewissheit, dass ich alles in Frage stellen darf, das ich nichts mit mir herumschleppen brauche, es ist nicht mein, es ist anerzogen.

Danke Su-Shi für deine Frage

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8 Kommentare zu „22. Türchen (2017) oder Altes neu genutzt

  1. Wir sind alle Teil unserer Ahnen und tragen das eine oder andere in uns. Es kommt darauf an, was wir daraus machen und wie wir damit umgehen.

    Und in der Regel löst sich so mancher „Knoten“ mit den Jahren, da geht es mir – mal wieder, lächle – ähnlich wie Dir.

    Und weil (fast) Weihnachten ist, und man an Weihnachten ehrlich ist, wünsche ich mir für 2018 viele virtuelle aber vielleicht auch eine echte Begegnung mit Dir.

    Herzliche Grüße Barbara

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  2. Das gibt es, oh ja.

    Mein Körperbau gleicht dem meines Vaters, Extremitäten dagegen eher denen meiner Mutter. Äußerlichkeiten eben.

    Meine Mutter vererbte mir ihre Kriegstraumata, ihre Angststörung. Aber auch ihren Intellekt, dessen Potential sie selbst nicht leben konnte. Ihre scharfe Zunge wurde auch die meine, ebenso ihr teils sarkastischer Humor. Mein Vater – von ihm erbte ich seinen Jähzorn und seinen Hang zur Übertreibung. Ebenso seine Selbstzweifel, seine Ängste sowie seinen Hang zu schwarz-weiß-Denken. Aber auch seinen zähen Überlebenswillen, seine Liebe zur Natur, ein gewisses handwerkliches Geschick sowie eine einigermaßen robuste Gesundheit, verbunden mit einem stetigen Bewegungsdrang.

    Meine Suchtgeschichte ist nicht ererbt, sie hat sich entwickelt. Alles in allem habe ich Jahrzehnte gebraucht, mit dem, was sie mir gaben, meinen Frieden zu finden. Das, was ich nicht leben wollte, langsam, aber beständig loszulassen oder mit dem, was nicht loszulassen war/ist/sein wird, leben zu können. die wichtigste Erkenntnis ist, dass sie mir nichts vorenthalten haben. Sie gaben das, was sie hatten, nicht mehr und nicht weniger.

    Danke für die Anregung zum nachspüren …

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  3. Das ist ein sehr interessantes Thema, findest du nicht auch? Oder ihr anderen?
    Es ist mir ein Vergnügen, die Menschen in meinem Umfeld zu beobachten und zu tüfteln und zu beobachten, welche Ähnlichkeiten es gibt.

    Ich habe äußere wie auch innere Ähnlichkeiten mit meiner Mutter. Von ihrer Seite der Familie habe ich meine Haare geerbt: Naturwellen vom Vater meiner Mutter, Haardicke und -menge von der Mutter meiner Mutter.
    Witzig ist, dass diese Wellen mein Sohn wieder mitbekommen hat, die Haardicke und die Haarmenge hab ich meiner Tochter vererbt.
    Meine Ohren und meine Nase hab ich von vom Vater, die Augen von meiner Mutter.
    Von meiner Mutter hab ich die Lache und zum größten Teil auch das Wesen, die Emphatie und den Gerechtigkeitssinn. Leider hab ich so gar nichts von ihrem Durchsetzungsvermögen geerbt.
    Von meinem Vater habe ich das musikalische Talent geerbt. Ich singe so gerne wie er (er ist im Chantychor, ich war lange Zeit im Jazz-Pop-Gospelchor). Musik ist meine absolute Leidenschaft.
    Neben dem Lesen und schreiben. Das haben meine beiden Elternteile nicht in ihrem Repertoire. Aber das habe ich auch vom Vater meiner Mutter mitbekommen. Dieser hatte eine Buchdruckerei sowie eine Bücherei.
    Von den Eltern meines Vaters habe ich glaube ich so gar keine Gene. Jedenfalls nicht das ich wüsste.
    Aber mein Bruder dafür um so mehr.

    Ich beobachte meine Kinder (26 und 24) sehr gerne und schmunzele so oft in mich hinein, wenn ich wieder mal etwas entdecke, was ich von mir oder ihrem Vater her sehr gut kenne.
    Wir leben es unseren Kindern allerdings auch vor, sie sind eigentlich ebenso ein Resultat unserer Taten, sowie ihrer Gene.

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  4. Ja wirklich ein interessantes Thema…
    Äußerlich habe ich viel Ähnlichkeit mit meiner Mutter gehabt und auch einige vordergründige Wesensarten….die Schablone war geschneidert viele leise Töne konnte ich erst später entdecken und freilegen
    Meine kleine also jüngere Tochter hat sehr sehr viel Ähnlichkeit mit mir, so dass ich stets bemüht bin, nicht auch solch einem „Schablonendenken“ zu erliegen…
    Und manchmal entdecke ich ein Lächeln meiner Cousine, die Stimme ihrer ähm der Tochter meiner Nichte….

    Gefällt 1 Person

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