20. Türchen (2017) oder von der Kunst des Kostüms

Liebes Du,

Barbara fragte welches Motto ich wählen würde, wenn ich eine Kostümparty schmeißen sollte. Seit einigen Tagen kenne ich die Frage und immer wieder geht sie mir unbeantwortet durch den Kopf.

Unsere Mädels Klicke hat ein ums andere Jahr zu Karneval den ersten Preis ergattert, auf Kostümbällen hatte ich immer eine Menge Spaß und auch sonst habe ich das Spiel von Verkleidung und Rollentausch geliebt. (Aha, mal so für mich feststelle, dass ich hier in der Vergangenheit schreibe)

Kostümpartys aber mag ich nicht. In eine fremde Rolle schlüpfen ist etwas sehr persönliches und ich mag es gar nicht mich hineinpressen zu lassen… und habe es auch noch keinem angetan.

Wenn, dann sollte es etwas sein, dass jedem viel Freiheit lässt… jetzt lächle ich ganz breit… habe ein Thema: als Künstler sollten alle kommen, das lässt viel Freiraum, auch für Verkleidungsverweigerer.

Für eine solche habe ich mal die Ansprache geschrieben. „Sie erwarten alle einen Beitrag von mir und dabei ist mir gar nicht nach verkleiden, hast du eine Idee?“ – Ja, die hatte ich, hier was sie dann vorgetragen hat:

Verkleidet sollten wir erscheinen. Künstler war das Thema.
Dichter, Bildhauer, Maler, Sänger, Musikus,
für welchen sollt ich mich entscheiden, welch Dilemma,
Wen traf noch der Musen Kuss?

Gegrübelt hab ich Nacht und Tag
Dann wusst ich, wen ich besonders mag.

Fürs Kostüm, das klingt nicht logisch
war erst das Ausziehen besonders wichtisch.

Im Bad sieht es jetzt aus wie Kraut und Rüben
„Vorurteil“, „Angst“ und „Neid“ liegen auf dem Stuhl, drüben.
Gleich daneben liegen „Gestern“ und „Morgen“
etwas unordentlich auf dem Boden
Dann kippte ich all meine „ich muss“
in die Badewanne, in den Ausguss.

Wie ich so nackt da stand, hab ich mich gerüttelt
„Loslassen“, ganz wichtig. Und nochmal geschüttelt.

Habe abgewaschen was an Problemen an meiner Haut hing fest,
und beim eincremen durch Herausforderungen ersetzt.

Beim Haare föhnen alte Verletzungen aus dem Kopf gepustet mit viel Volt,
„Das jeder immer sein Bestes tut“ mir beim Kämmen wiederholt.

Die Ohren bis in die engste Windung der Muschel geputzt
damit es jede Möglichkeit zu lernen nutzt.

Dann ging es mit dem Zurechtmachen los:
Für die Augen einen positiven Blickwinkel und einen Lidstrich – der macht sie groß

Mit der Puderquaste alles was mir stinkt mir vom Näschen wisch
Auf die Lippen das Bekenntnis: „Der wichtigste Mensch in meinem Leben bin ich“

Mit der Bluse legten sich „Verzeihen“ und „Gefühle zulassen“ über mein Herz
An die Füße meine Roten Schuh für einen festen Stand

Als Accessoires ein Lächeln und eine Kette, mit Perlen, runden
mit der habe ich mich ans „Hier und Jetzt“ gebunden

Dann öffnete ich dem Leben meine Arme weit und vertrauensvoll.
Ach ist das alles schön und toll!

Ein Blick in den Spiegel noch und ich wusste so ist es fast vollbracht.
Als letztes habe ich noch „Dankbarkeit“ angebracht.

Danke, dass es euch in meinem Leben gibt.

In diesem Sinn,
eure Lebenskünstlerin

Danke fürs Erinnerungen wecken mit deiner Frage

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11 Kommentare zu „20. Türchen (2017) oder von der Kunst des Kostüms

  1. Ich mag keine Verkleidungen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich in jungen Jahren allen möglichen Menschen nachgeeifert habe, die mich irgendwie beeindrucken konnten.

    Lebenskunst ist ein arg strapazierter Begriff. Aber ein besserer fällt mir auch nicht ein … es IST schon eine Kunst, das Beste aus sich selbst zu machen. Und das dann auch zu geben 😉

    Gefällt 2 Personen

  2. Es gibt aber auch die andere Variante… man geht auf eine Party, von der man glaubt, es sei eine Kostümparty, und dabei ist es keine. Vor vielen Jahren fiel der Geburtstag (inkl. Geburtstagsparty) einer Freundin von mir auf den Rosenmontag – bei uns im Norden kein Grund zum Verkleiden, aber irgendwie nahm ich es an. Erschien dort in voller Montur als altmodische Reinigungskraft mit Häubchen und Schürze. Auf meinem Shirt stand „Meister Proper for President“. Was soll ich sagen… Keiner der anderen ca. 20 Gäste war verkleidet. Zum Glück kannte ich die meisten Gäste und somit war alles eher lustig als peinlich…

    Gefällt 1 Person

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