Müde, ich bin so müde

Mir
Es hatte sich schon im Adventskalender angekündigt, mein Jahresthema.
„Ich darf mir zu liebe handeln“

Wer ein Leben lang vollen Einsatz gibt, den erschreckt die Aufgabe nicht. Ganz einfach, alles was ich immer für andere getan habe, tue ich dann auch für mich.
Dachte ich…

Mir fällt es unsagbar schwer mich für mich selber einzusetzen. Für andere geht sowas mit wehenden Fahnen, da gehe ich furchtlos zum Angriff über, fordere Rechte ein oder verteidige, schütze wo notwendig. Ich hatte da ein paar Baustellen und glaubte in wenigen Wochen damit durch zu sein.
Eine, eine einzige habe ich in den letzten drei Monaten geschafft, zwei sind angegangen.

Es brauchte eine ganze Weile bis mir bewusst wurde, dass die neue Müdigkeit vom „mir zu liebe handeln“ her rührt. Ich empfinde es als unsagbar anstrengend.

Nur, was machte das für mich handeln um so vieles anstrengender als das für andere handeln? Handel ich für einen anderen, dann gibt es kein Zögern, das ist notwendig und dann wird es getan. Möchte ich für mich handeln liegt die Sache ganz anders und es brauchte Zeit mir auf die Schliche zu kommen.

Möchte ich „mir zu liebe handeln“, taucht bei jedem Schritt die Frage auf ob ich es darf. Jedes Mal gilt es mich davon zu überzeugen, dass ich es wert bin und es darf. Schwerstarbeit.

Meine Erfahrung mit Lernprozessen sagt mir, dass alles, mit der Übung wesentlich einfacher wird und ich vertraue darauf, dass dem auch mit diesem Thema so sein wird.
Es wird einfacher werden, es wird selbstverständlich werden… damit es das werden kann, legt mir das Leben Übungsstücke auf den Weg.

Jahresthema halt… es ist erst April

Advertisements

12 Kommentare zu „Müde, ich bin so müde

  1. Jeden Tag drei Dinge nur für sich selbst tun …
    So hieß das bei einer Freundin, in der Therapie. Auch sie hat sich elend schwer damit getan und gerade zu Beginn alles mögliche verwechselt, in dem Glauben, für sich zu handeln. Wobei die Grauzone durchaus groß ist. Wir haben schließlich auch etwas davon, wenn wir für andere handeln.

    Dabei sind, so glaube ich, ganz simple Sachen gemeint. Erst einmal Zeit frei schaufeln. Ok, das ist nicht simpel … die „Zeitvertreibe“ können dagegen simpel sein. Was mir gut tut: Meditation, die Natur, Musik, etwas Gutes lesen (am Schirm oder in einem Buch). Manche Begegnungen tun mir auch gut, allerdings fängt dort die besagte Grauzone schon an 😉

    Eignet sich durchaus zum Jahresthema …

    Gefällt mir

    1. Oh danke, danke! Neuer Blickwinkel, neues Licht.
      Alles was du da beschreibst, das kann ich.
      Bei mir geht es gerade, in den aktuellen Fällen um mir zustehendes Geld einfordern.
      Wo ist der Unterschied, warum kann ich das eine und das andere fällt mir schwer.
      Eine Weile gebraucht.
      Deine Beispiele, was ich gelernt habe, das hat nur mit mir zu tun, das was mir schwer fällt mit anderen Menschen. Es geht also nicht um meinen Wert als solchen sondern um meinen Wert im Vergleich zum anderen. Steht mein Recht dieses/mein Geld (zurück) zu verlangen über den Unannehmlichkeiten die dies beim Gegenüber verursacht?
      Der Aufgabenstellung näher kommen ist auch immer ein Stück näher zur Lösung.
      Vielen Dank fürs Anschubsen 🙂

      Gefällt mir

      1. Das, was Du meinst, hat eher mit Recht zu tun, mit gesetzlichen oder moralischen Recht. Es ist völlig legitim, an dieser Stelle sich für sich selbst gerade zu machen und einzufordern, was uns zusteht.

        Stichworte, die mir dazu einfallen:

        Zugewinnausgleich aus einer Ehe,ehemals gemeinsame Immobilien (sehr beliebter Streitapfel) Altschulden und deren Verantwortlichkeiten aus eben solcher, Unterhaltszahlungen … die Liste ist endlos.

        Für mich ist in dem Zusammenhang wichtig, zu erkennen, ob es den Aufwand wert ist, in einen Streit zu gehen. Die Folgen für mein Gegenüber ? Ich möchte niemanden ruinieren oder zugrunde richten. Aber auch niemanden eventuelle „Unannehmlichkeiten“ ersparen, die aus seinen verdammten Pflichten mir gegenüber entstehen.

        Habe ich einmal abgewogen und mich entschieden (das kann dauern), lasse ich nicht wieder los, bis die Sache endgültig geklärt ist. Das braucht einen „langen Atem“, Stehvermögen, und Geduld. Kann man antrainieren 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Für mich handeln, wo das bedeutet gegen jemanden zu handeln
    Damit das zu Erreichende,mein Ziel, höher zu bewerten, als das Ungemach des Durchsetzens
    Für mich unendlich schwer
    Eins geschafft zwei angegangen…Respekt
    Ganz sicher, wird der Weg einfacher mit der Übung…
    Danke fürs Anschubsen!

    Gefällt mir

    1. Worte, Formulierungen, wie sie die Sichtweisen ändern können.
      Ich lese dich, und dann kann ich aus meinem „Unannehmlichkeiten die dies beim Gegenüber verursacht“ durch „mein Ungemach es Durchsetzens“ ersetzen. Damit bin ich wieder bei mir, das macht die Sache leichter.
      Ja, ganz bestimmt. Treffen zu einer Angelegenheit nach der Lekture hier gehabt und ich konnte mit einem ganz anderen Gefühl da rein. Es sieht aus als fände sich hier ein Weg zu meinem Recht ohne Anwälte zu bemühen. Mitte Mai könnte ich dann auch dieses schliessen.
      Danke für deine Worte hier 🙂

      Gefällt 1 Person

  3. Dich für einen anderen einzusetzen, ihm Anwältin zu sein, hälst du für legitim, es genügt deinem moralischen Anspruch, es ist gut.
    Deine eigenen Interessen mit Nachdruck zu vertreten, scheint dir dagegen egoistisch. Du hälst Egoismus für schlecht und verwerflich.
    Ich denke, wir dürfen egoistisch sein, manchmal müssen wir es sogar, um uns zu behaupten. Das Geheimnis ist, Egoismus und Altruismus in einer verträglichen Mischung zur Grundlage unseres Handelns zu machen.

    Gefällt 1 Person

    1. Egoismus ist gesund… bis zu einem bestimmten Preis (die Mischung). Ich lerne wohl gerade den Preis anheben, dabei das Ziel im Auge zu behalten.
      In einer Privaten Geldangelegenheit würde ich vor Gericht Recht bekommen, das einzige Resultat aber wäre, dass der andere das Geld nicht mehr hat und mein Anwalt mehr. Es geht mir nicht darum jemandem etwas wegzunehmen (auch wenn es ihm nicht zusteht) es geht mir darum, dass ich es haben sollte. Es geht darum, bei jedem Schritt den ich gehe, ich selber zu bleiben, in Frieden mit mir zu bleiben. Ich suche Wege…
      Schön, dass du den zu mir gefunden hast

      Gefällt mir

  4. Nicht du bist dafür verantwortlich, das dein Gegeüber Unannehmlichkeiten hat – sondern er selbst, weil er seine Befindlichkeiten über dein Recht stellt. Je nachdem wie gut dich derjenige kennt, kann es durchaus sein das er das Wissen – wie schwer dir sowas fällt – ausnutzt um sich darum zu drücken dir das zu geben was dir zusteht.

    Jeden Morgen wenn du in den Spiegel siehst – lächel dich an und sage dir laut:
    Ich kann weil ich mich liebe – ich darf weil ich mich liebe – ich will weil ich mich liebe.
    Das hilft nicht von heute auf morgen, aber wenn du dich daran erinnerst, wie weit du mit deinem ‚ich kann, weil ich will, was ich tue‘ gekommen bist, dann hilft dir vielleicht auch das dabei.

    *dich lieb drücke
    PS ich kämpfe immer noch um das ‚richtige‘ Verstehen und ausdrücken, es kann also gut sein das ich etwas mißverstanden habe und mein Kommentar Unsinn ist – dann sieh bitte einfach darüber hinweg.

    Gefällt 1 Person

    1. Du hast schon recht verstanden. Und ja, mit grosser Wahrscheinlichkeit liegt es im „Fall 3“ daran, dass der Mensch sein Wissen über mich ausnutzt. Danke fürs Bewusst machen, ich spüre gerade wie das Ahnen darum mein Gewissen entlastet.
      „Weil ich mich liebe“, weg vom Gedanken gegen den anderen zu mir selber. „Weil ich mich liebe“: danke dir dafür 🙂

      Gefällt mir

      1. Schön das ich dir einen kleinen Anschubser geben konnte und dein Gewissen sich leichter fühlt *lächel.
        „Weil ich mich liebe“ ist aus deinem „ich kann weil ich will was ich tue“ entstanden und das wiederum hast du mir mitgegeben, also hat es nur den Weg zurück zu dir gefunden. 😉
        *ein paar Smilpfloppsys hierlasse zum an der Nase kitzeln und ein Lächeln ins Gesicht zaubern

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s