8. Türchen oder von Abschied

Liebes Du,

Willkommen hinter dem achten Türchen.

Als Ich bin’s mir das Wort Abschied in die Kommentare legte wusste ich sofort worüber ich heute schreiben würde, nur noch nicht wie. Aber da darf ich vertrauen, das wird wachsen.

Letztes Jahr hatte ein Türchen den Tod zum Thema und ich schrieb, dass Menschen um mich herum sich auf den Weg vorbereiten und ich sie begleiten darf.

Martina hat es mir schwer gemacht, aber das ist ihr recht, es war ja auch ihr Sterben und sie hatte alle Freiheit der Welt damit so um zu gehen wie sie es wollte.
Sie und wir die sie begleiteten wussten alle, dass sie im besten Fall noch ein paar Monate zu leben hat. Im besten Fall? Nein, ich schlechtesten, das Ende würde Quälerei sein.

Martina hat sich drei Tage lang mit der Diagnose befasst und dann beschlossen sie zu ignorieren. Wie nimmt man Abschied von jemandem der Pläne macht, von jemandem der von Heilung spricht, von jemandem der was da kommt nicht wahr haben will?

Sie auf ihrem Weg begleiten heißt nicht ihr meine Wahrheit auf zu zwingen sondern mit ihr den Weg zu gehen den sie sich ausgesucht hat. Sehr schnell wurde mir klar, dass sie mich brauchte um Familie und Besucher zum Lachen zu bringen. Sie die beschlossen hatte zu leben wollte keine langen Gesichter um sich herum und so baute sie mir zu Beginn noch verbale Brücken zum Scherz, später sagte mir ihr Augenzwinkern „Leg los“. Nein, ich bin kein Clown, aber ich habe die Gabe auch, oder gerade in angespannten Situationen Menschen mit einem Lachen dort heraus zu führen.

Wie nimmt man Abschied wenn der andere nicht will? Ich für mich habe es im Stillen getan. Habe ihre Nähe gesucht und immer einen Vorwand gefunden mich zu ihr aufs Krankenbett zu setzen, sie fast immer berührend.

Als sie eine Lungenentzündung bekam ging alles ganz schnell.

Wie Abschied aussehen kann zeigte mir ihr jüngster, gerade mal 15 Jahre alt, als Martina im Sterben lag:

„Wir werden es mit dir schaffen und wir werden es ohne dich schaffen Mama, wenn du gehen möchtest, dann kannst du gehen“

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8 Kommentare zu „8. Türchen oder von Abschied

  1. Der Anschein von „Normalität“ … mein Kumpan aus Jugendzeiten starb diesen Frühsommer kurz nach dem Eröffnungsspiel mit seine Fussballkappe auf dem Kopf … zwischen ihm und seinen Lieben war wohl alles gesagt.

    Es fehlen Rituale des Sterbens … die Kirche wird heute von so vielen abgelehnt. Um den Tod wird ein großer Bogen geschlagen, bis an die eigene Endlichkeit erinnert wird.

    Der letzte Satz, oben, Respekt …

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    1. „Es fehlen Rituale des Sterbens“ Ja, für beide Seiten.

      Ich frage mich gerade woher ich meine, in unseren Breitengragen, nicht sehr verbreitete Beziehung zum Tod habe, er war mir immer vertraut.

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  2. Dafür, dass sie dem Abschied keinen Platz lassen wollte, hast du es wunderbar geschafft, deinen in ihrem Leben einzubinden und du hast ihr ganz sicher damit auch sehr geholfen.
    Ihr Sohn hat für sie und für sich auch einen guten Weg gefunden.
    Gerade in seinen letzten Wochen und Tagen, hat mein Schwiegervater uns „bedingungslose Liebe“ vorgelebt.
    „Bedingungslos“, wäre noch ein Wort, was mich in diesem Jahr begleitet hat – es ist eins meiner Themen 2016 und beschäftigt mich immernoch.

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