20. Türchen oder von letzten Worten

Guten Abend und Willkommen hinter dem zwanzigsten Türchen.

„Auch das ist Umzug“ schrieb ich gestern, nicht ahnend wie sehr der Umzug da seine Finger im Spiel hatte. Ich fremdle noch immer mit den Funktionen hier und so erkläre ich mir wie ich Leidenschaftens „Seasons in the sun“ übersehen konnte.

Was für ein Song zum Sonntagabend, klar, ich könnte jetzt mein Augenmerk auf „joy, fun und seasons in the sun“ richten, aber das ist es nicht, da springt mich der Draufschauauftrag förmlich an.

Hier stellt sich die Frage, gegebenenfalls ich hätte die Zeit, bei wem und wie ich mich verabschieden würde.

Würde ich es überhaupt tun wollen? Mein Leben hat mir in den letzten Monaten einige Male die Gelegenheit geschenkt darüber nachzudenken. Zurzeit sieht es so aus, dass ich den Weg alleine gehen wollen würde, bis auf den letzten Tag, für den gilt noch immer was ich mal hier schrieb (Wenn man Abschied nimmt – Wunschzettel an den Tod)

Würde ich mich in der Zeit vorher, also zwischen „ich weiß ich werde sterben“ und „ich sterbe“, irgendwie anders Verabschieden? Ja, schriftlich.

Bei wem und was würde ich ihnen sagen?

Goodbye Papa it‘s hard to die… so lange du noch lebst. Verzeih, dass ich die Reihenfolge nicht eingehalten habe, kein Papa sollte sein Kind überleben müssen. Ich gehe mit dem Wissen um deine Liebe.

Goodbye my Son it’s time to die… du warst in meinem Leben mich “Vertrauen” zu lehren und wenn ich jetzt gehe, dann weil ich meine Lektion an dir gelernt habe.

Goodbye my daughter it’s time to die… du warst in meinem Leben mich “Loslassen” zu lehren und wenn ich jetzt gehe, dann weil ich meine Lektion an dir gelernt habe.

Goodbye my friends it’s time to die… jeder von euch hatte seinen Auftrag an mir und jeder hat ihn vollbracht.

Goodbye… wenn es euch gelingt meinen Auftrag an jedem von euch zu erkennen, zu erkennen, dass er abgeschlossen ist, dann könnt ihr mich in Frieden gehen lassen und mit Freude an mich denken.

Have joy, fun and seasons in the sun.

Dem einen oder anderen ist es vielleicht aufgefallen: die Zeit zwischen „ich weiß ich werde sterben“ und „ich sterbe“ ist JETZT.

Wenn wir also etwas mitzuteilen haben, dann sollten wir es tun, jetzt.

Was ich zu schenken habe sind meine Gedanken, Gefühle, Erkenntnisse und die Wege dorthin, hier und auf hunderten von beschrifteten Bildern.

Die Worte hier oben, stimmen erst wenn ich gehe und ich lege sie dir, die du meinen Papa und meine Kinder kennst in die Hand, sie zu gegebener Zeit weiter zu reichen. Danke.

So, Tränchen weggewischt, Näschen geputzt. Kopf frei für Dankbarkeit, dem Leben und der Gelegenheit drauf zu schauen.

Have joy, fun and seasons in the sun und eine gute Nacht,
Bisou

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10 Kommentare zu „20. Türchen oder von letzten Worten

  1. Abschied nehmen… Abschied feiern…. Ich kann sowas nicht. Ist für mich immer mit Trauer verbunden. Sehr naiv und egoistisch von mir. Vielleicht. Aber ich drücke mich wo ich nur kann darum.
    Auch jetzt hab ich wieder einen Kloss im Hals.

    *Abschied ist vielleicht eine Reise, die ein Wiedersehen verspricht.* Unheilig

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    1. Irgendetwas in dir hat Abschiednehmen für dich „schlimm“ gemacht.

      Oft hilft es die Quelle zu finden… vielleicht hast du es dir nur bei den Eltern abgeschaut, wer weiss… 🙂

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      1. Ich hänge sehr an allem, was mich umgibt, weißt du. Als einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, mein Opa mütterlicherseits, starb, war ich nicht da. Ich war auf Kreta und ich wusste nichts von seinem Tod, bis ich wieder zu Hause war. Er fehlt mir immernoch jeden einzelnen Tag, ich denke sehr gerne an ihn.
        Und ich erinnere mich an den Abschied aus meiner Heimatstadt, ich wurde gezwungen, umzuziehen. (Scheidung meiner Eltern, Abschied von meinem bisherigem Leben).
        Dann der Abschied von meiner Oma väterlicherseits, es war ein langer, quälender Abschied. Sie war 3 Jahre ein Pflegefall.
        Der Abschied von meinen Hunden…..jedesmal mussten sie eingeschläfert werden.
        Ich assoziiere Abschied mit Schmerz und Trauer. Für mich bricht jedes Mal meine (intakte) Welt zusammen, wenn ich Abschied nehme.
        Und jetzt nimmt auch noch mein Idol Abschied von seinen Fans. Seine Texte, seine Musik, sind eine Weltanschauung für mich. Es ist so quälend für mich, als ob man einem BVB- oder Schalke-Fan sagt, der Verein hat sich aufgelöst. Weg. Futsch.

        Jetzt hab ich dir so in etwa gezeigt, was ich fühle. Abschied ist ein Arschloch.

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  2. Mit Dankbarkeit auf eine Zeit des Miteinanders zurückblickend würde ich darauf vertrauen (wollen), dass meine Lieben gelernt haben, ihren Weg alleine zu gehen und ihnen dieses Vertrauen in eine Zeit ohne mich auch zu vermitteln.
    Sie wissen, dass ich bis heute nur schwer Verantwortung abgeben kann, also sollte ich versuchen, mich ab JETZT noch mehr aus ihrer Routenplanung herauszuhalten, damit sie für „die Zeit danach“ noch etwas üben können 😉

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  3. Klingt gut und wird seine Früchte nicht nur in der „Zeit danach“ tragen, wenn es dir jetzt gelingt los zu lassen, wirst du dich endlich an deinen erwachsenen Kindern freuen können 🙂

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