Ich dachte ich fühle Einsamkeit

Seit fast vier Jahren lebe ich jetzt alleine. An und für sich kann ich sehr gut alleine leben, nur manchmal, dann überkommt mich große Traurigkeit darüber. Dachte ich…

Vor zwei Wochen war es wieder mal soweit. Mit dem weinen habe ich bei irgendeinem rührseligen Film begonnen und dann nicht wieder aufhören können. Ich war nicht mehr alleine, ich kam mir einsam vor. Einsam, quälend einsam.

Mein Glück ist es auch in solchen Situationen ehrlich bleiben zu können, mich öffnen zu können. Ich schrieb jemandem, weniger um mich mitzuteilen denn um mich selber zu überzeugen, dass mein Gefühl auch wieder aufhören darf.

In der Antwort durfte ich folgendes lesen: „Das Alleinsein hat seine schönen Seiten. Viele halten es nicht aus, mit sich allein zu sein. Am schönstes ist, man hat die Wahl zwischen der Gesellschaft liebenswerter Menschen und dem Alleinsein.“

Ich hatte nur auf das offensichtliche geschaut, das alleine sein. In der Antwort bekam es eine ganz andere Dimension. Es war nicht das alleine sein was mich so traurig gemacht hatte, es war gewesen keine Wahl zu haben. Es ist nicht so, dass mein soziales Umfeld keine Gelegenheiten böte, aber es ist so, dass ich diese nicht Wahr nehmen kann. Für das Wochenende an dem ich mir so einsam vorgekommen war, hatte es gleich mehrere Einladungen gegeben: Besuch, Essen, Shopping und Konzert. Es war nicht das Alleine sein unter dem ich litt, es war die Anhäufung der Absagen die ich ausgesprochen hatte. Mein Unglück lag nicht im alleine sein sondern darin keine Wahl gehabt zu haben. (Keine Wahl weil jeder Cent, jeder Km im Monat verplant sind und Ausnahmen nur für meine Kinder gemacht werden)

Ich hatte wegen Einsamkeit geweint und jetzt drauf schauend sehe ich, dass der Grund meine finanzielle Lage gewesen war. Eine finanzielle Lage ist aber immer eine Frage von Prioritäten, das was mir wichtig ist lässt nichts übrig für Freizeit, kaum mal Sprit für Besuche.

Ich bin gerade sehr Dankbar für meine Fähigkeit zur Offenheit und für die Reaktionen die mir dadurch geschenkt werden. Sollte ich mich wieder einmal einsam fühlen, dann schaue ich genauer drauf, werde erkennen, dass das was ich gerade lebe der Preis ist um meine Prioritäten leben zu können. Auf meine Prioritäten schauend, das weiß ich jetzt schon, wird die Traurigkeit verfliegen.

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21 Kommentare zu „Ich dachte ich fühle Einsamkeit

    1. Zu erkennen, dass jedem Schatten ein Sonnenschein zu Grunde liegt und diesen finden. Immer eine Frage des genau hinschauens und des Blickwinkels.

      Ja, es ist wichtig zu erkennen dass die Sonne scheint 🙂

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  1. Darüber schreiben zu können, ist wirklich ein Glück!

    Eine interessante Frage ist, ob es schlimmer ist, sich einsam zu fühlen, wenn man doch eigentlich gar nicht einsam sein bräuchte, wenn es finanziell möglich wäre und dadurch keine Absagen verteilen müsste
    oder aber, es schlimmer ist, sich einsam zu fühlen, weil man eben keine sozialen Kontakte hat bzw. einem bestimmte Kontakte nicht möglich sind (aus was für Gründen auch immer), aber eben das nötige Geld für Unternehmungen da ist.
    Ich glaube, für den, der das durchlebt, ist jede Situation schlimm und ich gratuliere dem, der es schafft, etwas Positives zu finden, um mit der eigenen Situation gut umgehen zu können.

    Die Sichtweise ist ein guter „Helfer“, aber ich denke, dass es bei den ausgelichensten Personen vorkommt, dass solche Tage einfach mal da sind und überwunden werden müssen. Die einen schaffen das leichter, während andere daran wirklich ständig „knabbern“.
    Wichtig finde ich… Sich das Weinen zu gönnen, ist genauso wichtig, wie die Sonnentage genießen zu können.

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    1. „Die einen schaffen das leichter, während andere daran wirklich ständig „knabbern“.“

      Wer, wenn etwas passiert nur knabbert und nicht genau hinschaut, dem wird es so oft passieren bis er lernt damit um zu gehen.

      Ich habe jetzt einmal genau drauf geschaut und habe mir damit ein Werkzeug geschaffen.

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  2. … „Mit Geld kann man sich besser bewegen.“ Dieser Satz eines früheren Klienten fiel mir zu Deinem Post spontan ein.
    Einsamkeit ist für mich immer mit dem Gefühl von „Mangel“ verbunden. Es fehlt etwas: Die „richtige Person“, Geld, ein Ziel, Gesundheit, geteilte Interessen.
    Ich lebe schon lange allein. Je nach Gefühlslage bin ich sehr glücklich damit und phasenweise eben auch nicht.
    Wenn erfüllende Ziele, passende Menschen und Aufgaben fehlen, klopft leicht die Einsamkeit an.

    Liebe Grüße,

    Frank

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  3. Ich kenne diese Einsamkeit aus Geldmangel auch.Natürlich ist es, seit ich einen neuen Partner habe leichter, aber wenn er denn wieder Nachtschicht hat und ich habe frei, dann nagt das auch an mir.
    So enstand bei mir die Angewohnheit zum walken oder wandern. Ich bin neulich mit meinem Großen einfach losgewandert einfach den Rucksack geschnürrt und ab die Post ca.35km -Pauline war dabei, gutes Wetter und viele tolle Gespräche.

    Wenn ich ganz alleine bin treibt es mich zum walken. Etwas für sich tun kann dieser Einsamkeit aus Geldmangel entgegen wirken. Und sei es ein schönes Vollbad und ein gutes Buch.

    Ich ziehe den Hut davor wie du etwas erkennst-vielleicht er darfst du deinen Freunden gegenüber auch ehrlich sein und einfach sgen dass dir zur Zeit die Kohle fehlt zu ihnen zu kommen. Vielleicht ist es eben so schön sich zum Kochen bei dir zu verabreden -weil zusammen kochen Spass macht und man Zeit zum reden hat dabei und beim futtern.

    Soweit von mir mitgedacht und drauf geschaut

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    1. Das mit der Offenheit den Freunden gegenüber ist schon so eine Sache. Meine Offenheit wird nicht ernst genommen bzw. kann von Menschen die anders leben trotz offener Worte nicht erkannt werden.

      Ein kleines Beispiel, ein lieber Mensch der immer in „wir“ sprach wenn es um Schulden und Gürtel eng schnallen ging, der von „kennen, wissen oder verstehen“ sprach… und dann stellt sich heraus, dass dieser Mensch bei gleicher Belastung das doppelte verdient. Oder die, die ein Verabreden zum Kochen vorschlagen ohne darüber nach zu denken mit wie viel kosten auch das verbunden ist 😉

      Ich lebe alleine aber ich bin nicht einsam auch wenn ich das mal an einem kalten, veregneten Juni wochenende gedacht habe 🙂

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  4. Jeder Mensch ist anders, setzt eben seine eigenen Prioritäten.
    Alles weitere ist Konsequenz, manchmal auch hart, ja.

    Wirklich einsam habe ich mich oft in Zweier-Beziehungen gefühlt, früher. „Allein“ eigentlich nicht. Zum Ende war es mir sehr recht, niemanden mehr an meiner Seite zu haben (bis ich die Liebste kennen lernte).

    Mein Leben habe ich stets so eingerichtet, das ich mir meine eigenen Freiheitsgrade (und nur die sind für mich die eigentliche Bedeutung von Materie) nicht beschränke. Immobilien, Schulden, ein Leben auf dem Lande in Abhängigkeit von Fahrzeugen, für mich stets unvorstellbar. Ausnahme ist wie bei Dir eben das Kind.
    Die Freiheit, kurzfristig entscheiden zu können, was ich tue (allein oder zu zweit) bedingt oft auch bescheidene Mittel, vieles gibt es allerdings auch „gratis“, dafür muss ich mich nur bewegen, hin zu lieben Menschen, das kostet nicht viel. Wir sind doch soziale Wesen, zehren auch vom gegenseitigen Austausch, wenn ich mich um die Möglichkeiten dafür bringe, ist es für mich an der Zeit, meine Prioritäten zu überprüfen.

    Aber – jeder Mensch ist eben anders.
    Und darüber schreiben zu können ist auch viel wert 😉

    Lieben Gruß aus dem Tal der Wupper!

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    1. „Alles weitere ist Konsequenz, manchmal auch hart, ja.“

      Ich kenne mich und ab und an prüfe ich ob ich noch immer meine Prioritäten lebe oder meine Konsequenz.

      Dein Satz hier war mir gelegenheit dazu – danke

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  5. Alleinsein ist dein natürlicher Zustand. Und er kann so erfüllend sein – wenn du bereit bist, ihn zuzulassen.
    Einsamkeit ≠ Alleinsein

    Du kommst alleine auf diese Welt, du lebst alleine und du stirbst alleine. Ein ganz einfacher Fakt. Und ein ganz natürlicher dazu. Du bist von Natur aus alleine. Niemand anders kann dein Sein teilen. In deinem Innersten gibt es nur dich und niemand anders.
    Was für viele erstmal abschreckend klingt, ist in Wirklichkeit absolut herrlich. Denn dieser Fakt bedeutet, dass alleine in dir die Möglichkeit steckt, glücklich zu werden. Du brauchst niemand anderen dazu. Du alleine bist genug – wenn du mit diesem Alleinsein richtig umgehen kannst.
    Einsamkeit und Alleinsein beschreiben oberflächlich die gleiche Situation. Der Unterscheid liegt darin, mit welcher Einstellung du diese Situation betrachtest. Einmal sagst du: Ich fühle mich schlecht und einsam, weil niemand da ist. Und ein andermal sagst du: Ich fühle mich gut und erfüllt, einfach nur mit mir selber.
    Einsamkeit entsteht durch einen negativen Geisteszustand. Alleinsein durch einen positiven Geisteszustand.
    In Einsamkeit suchst du ständig nach dem anderen. Etwas fehlt dir. Du bist nicht bei dir selber und in Gedanken immer beim anderen. Ohne den anderen bist du unglücklich. Du suchst nach deiner Erfüllung außerhalb. Du bettelst nach dem anderen. Er soll dich glücklich machen.
    Alleinsein hingegen ist genau das Gegenteil von Einsamkeit. Es ist absolut erfüllend. Du bist glücklich und zufrieden einfach nur ab dir selber. Du brauchst niemand anders. Du bist kein Bettler mehr, der den anderen braucht. Du hast dein Glück in dir selber entdeckt. Du bist alleine und du bist dir genug.
    Einsamkeit bedeutet Abhängigkeit. Alleinsein bedeutet totale Unabhängigkeit.

    (c) Osho

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  6. Respekt!
    Respekt für deinen Mut, zu solch offenen Worten.
    Ich bin sicher, nachfühlen zu können, was dich da ergriffen hat, weil es mir selbst sehr vertraut ist. Momente, die einem gefühlte Einsamkeit aufzeigen, machen sich nicht abhängig von materiellem Gut, nicht von Geld, nicht von Alleinsein.
    Sie können dich ereilen während du inmitten vieler, auch vertrauter, Menschen bist.
    Einsamkeit ist nicht wirklich ein Zustand. Es ist eine Botschaft. Von dir selbst gesendet, an dich selbst adressiert.
    Du wirst ihre Sprache lernen, und verstehen.

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