Vor sieben Jahren – Mai 2008

„… Auf den langen Brettern stehen die Bücher in doppelten Reihen.
Ganz oben in der hinteren stehen sie wie Soldaten in Reih und Glied, dort ist noch zu erkennen, dass sie irgendwann alphabetisch geordnet waren. In der vorderen stapeln sie sich kreuz und quer in wilder Folge.
An der Wand stehen Jahre meines Lebens: verstaubt, unordentlich, teilweise vergessen. Dies bei der Erinnerung ein Lächeln hervorrufend, jenes erntet nur einen fragenden Blick.
Ich sollte die Bücher mal wieder ordnen.
Mein Leben auch.“

Als ich das schrieb ahnte ich nicht, dass es noch drei Jahre dauern würde ehe sie, beim Einzug hier hin geordnet werden. Da standen sie bis ich weitere drei Jahre später den Beschluss fasste mich von ihnen zu trennen. Das meiste was jetzt noch da steht sind Kinder- und Märchenbücher. Ziel bis Jahresende ist die einst 20 Meter Bücher auf max. 1 Meter schrumpfen zu lassen. Die Regale verschwinden eines nach dem anderen aus dem Raum, schaffen Platz von dem ich noch nicht wirklich weiß wie ich ihn nutzen werde.

Und mein Leben? Es ist parallel zu den Büchern verlaufen. Auch entstaubt und an anderem Ort neu geordnet. Irgendwann dann erkannt, dass vieles was ich aus Gewohnheit mit mir schleppte nicht mehr hinein gehört und Ballast abgeworfen. Auch dabei entsteht Raum. Hatte schon begonnen zu schreiben, dass ich auch von dem Platz noch nicht wirklich weiß wie ich ihn nutzen werde und stelle fest, dass es in meinem Leben keine Leerstellen gibt.

Was also hat den Platz eingenommen? Was habe ich, was vorher nicht da war, bzw. wovon habe ich mehr? Beim draufschauen finde ich Glück, Gelassenheit, Zuversicht, Vertrauen, Dankbarkeit, und einen Satz den es früher nie gab: das Leben ist schön!

18 Kommentare zu „Vor sieben Jahren – Mai 2008

      1. Wen ich fertig bin wird es zwei Jahre gebraucht haben die Regale zu leeren.

        Nein, auch ich werfe nicht weg und ich gestehe, ich bin auch noch wählerich wenn es darum geht in wessen Hände sie kommen.

        So sehr ich Geld brauchen könnte wollte ich sie auch nicht verkaufen, wie könnte ich sie gut aufgehoben glauben wenn jemand da nur 50 Cent für gibt…

        Sie „Wandern“: ein schönes Bild, danke dafür 🙂

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        1. meine schönste geschichte zu einem „wanderbuch“ : Lange war das buch der 13 grossmütter in meinem besitz. Ich mochte diese weisen frauen, ihre lebenserfahrung und ihre lebensgeschichten. Dann hatte ich das gefühl, es wäre an der zeit sie jemand anderem zukommen zu lassen. Die neue besitzerin hat sie mit freude aufgenommen
          dann aber
          fehlten mir die weisen grossmütter! Damit hatte ich nicht gerechnet. Und ca 2 wochen später bot mir eine blogfreundin genau dieses buch an! So sind die grossmütter wieder in meinem besitz. Wer weiss für wie lange und wann ich sie wieder mit jemandem teilen möchte.

          :wave:

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        2. Eine schöne Wandergeschichte und sie zeigt mal wieder, dass die Dinge die zu uns gehören zu uns finden… sogar wenn wir sie vorher in die Welt hinaus geschickt haben 🙂

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  1. meine Bücher sind durch mein sehr bewegtes Leben auf ca 1m geschrumpft, habe sehr viele an liebe Menschen verschenkt, die auch etwas damit anzufangen wissen. Was blieb: meine naturmedizinischen Arbeitsbücher, die ich wirklich oft brauche, Selbstversorgung, ein paar Märchenbücher, ein wenig Spiritualität… tja das wars! Und es reicht auch, Romane lese ich, wenn ich mal einen besonderen finde, und gebe sie sofort danach weiter… Ansonsten habe ich noch drei Kochbücher. Es ist ein gutes Gefühl, sich zu erleichter finde ich 😀

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  2. Unsere Bücher vermehren sich. Viele Fachbücher und viele gute Romane nehmen eine Menge Platz ein, neben Musik und Filme. Eigentlich sollten sie sich bewegen, weniger zu unserer Erleichterung (was auch etwas für sich hat), sondern eher zur Bereicherung eines anderen. Manchmal geht das (es gibt mehrere öffentliche Bücherschränke hier in der Stadt).

    Vielleicht fällt es uns darum so schwer, uns zu trennen, weil die meisten Bücher für unser beider persönliches Wachstum stehen, uns beide in finsteren Zeiten begleitet haben, aufgebaut und geführt, während andere Nachschlagewerke waren in Vor-Internet-Zeiten, aber auch unersetzliche Fachliteratur. Bis heute hat sich eigentlich nichts überlebt, getrennt habe ich mich seinerzeit nur von sämtlichen Bukowski-Büchern 😉 Interessant war auch, wie viel Bücher und welche genau wir doppelt hatten, beim Zusammenzug hier.

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    1. Bukowski… die hätte ich gerne mal gelesen, wer weiss, vielleicht finden genau deine mal zu mir…

      Ein guter Gedanke, wenn ich jemanden kennenlerne, erst mal in seine Bücherregale schauen… euh, hoffentlich denkt er dann nicht auch so *lache

      Das mit denen die für Wachstum und Finstere-Zeiten-Begleiter kann ich gut nachempfinden, ich wäre traurig wenn mir hier mein Archiv abhanden käme. (obwohl ich es zur Zeit nur für den Rückblick nutze)

      Über meine Bücher in englischer Sprache hat sich eine Lehrerin gefreut. Sie unterrichtet in einer Schule an der die Schüler sich keine Bücher leisten können und ihre Schüler freuen sich über ihr (zum Teil erstes *unfassbar) eigenes Buch… Jetzt hat die Niederländisch Lehrerin angefragt und die Taschen sind gepackt. 🙂

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  3. Oh Bücher….ein heikeles Thema. Ich mag mich auch nicht von ihnen trennen.Selten hab ich welche verliehen noch seltener welche davon zurück bekommen.

    Dabei lese ich das Wort wandern und weil ich ja eine Märchentante bin (wie sympatisch, dass DU Märchenbücher behälst!) denke ich: Es müssen nicht die Bücher wandern sondern vielleicht eher die Geschichten und Märchen.

    Schau, du schaffst Platz-dass macht, z.M.bei mir immer meine Seele und den Kopf toll frei-wenn ich aufräume und mich löse.Aber:Alles hat eine Geschichte-so wie in den Büchern. Du hast uns, deinen Blogfreunden, schon viele deiner Geschichten (deiner erlebten!) mitgeteilt. Das ist wie das Prinzip von guten Märchen und Geschichten.
    Wir teilen diese, um Lebensweisheiten zu teilen.

    Wandern-teilen- lauschen-lernen-sich einlassen….

    Darum liebe ich Märchen und bloggen.Man kann Bücher weitergeben oder sie behalten, aber wenn es eine gute Geschichte gibt-sollten wir sie erzählen;)

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    1. Auch wenn ich jetzt Sympatiepunkte verliere, die Märchenbücher bleiben nicht, auch wenn sie vermutlich die letzten sein werden.

      „Schau, du schaffst Platz-dass macht, z.M.bei mir immer meine Seele und den Kopf toll frei-wenn ich aufräume und mich löse.“ Vom Bücher verschenken hatte ich hier schon mehrfach geschrieben, aber dein Gedanke ist das worum es mir hier ging: das Ordnung im Aussen schaffen schafft Ordnung im Innern und die Ordnung im Innern schafft Ordnung im Aussen.

      „Du hast uns, deinen Blogfreunden, schon viele deiner Geschichten (deiner erlebten!) mitgeteilt. Das ist wie das Prinzip von guten Märchen und Geschichten.
      Wir teilen diese, um Lebensweisheiten zu teilen.“

      Für meinen Blog stimmt das nicht, es ist dann doch eher der Weg über die Kommentare an die Weisheit anderer teilhaben zu dürfen.

      „Wandern-teilen- lauschen-lernen-sich einlassen….“ Ja, auch ich mag liebe das Bloggen dafür.

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  4. „Das Leben ist schön!“ – Schöne Änderung!!!
    Was sind da schon sieben Jahre, wenn dann solch ein Satz steht, wo er nie stand?!
    Von Büchern trenne ich mich auch nur ungern und eher vermehre ich sie im Moment noch, als das ich sie weggebe. Das ein oder andere, das mir gar nicht zusagt, das geht schnell, aber alles was ich lese und mit dem ich auch etwas anfangen kann, mag ich zum Nachschlagen behalten, auch wenn ich selten ein Buch zweimal lese.
    Gerne gebe ich sie auch mal weiter, bekomme sie aber dann auch zurück.
    Ich habe mir auch schon mal einige geliehen, die ich mir dann nach Lesen und Gefallen auch gekauft habe.

    Sortieren und Aussortieren erleichtert aber wirklich – nicht nur bei Büchern, das geht mir auch mit anderen Dingen so und es wird irgendwie immer aufgeräumter – das tut gut.

    Aber es ist noch ein langer Weg, bis ich alles aufgeräumt habe. 🙂

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    1. Schön hier meinen Gedanken der Parallele des Innen und Aussen Aufräumen wieder zu finden.

      „Aber es ist noch ein langer Weg, bis ich alles aufgeräumt habe.“
      Ist das nicht einer dieser Wege deren „Ende“ wir nie erreichen weil alles immer wieder eine neue Ordnung findet?

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      1. Ja, das stimmt wohl, dass wir am Ende des Aufräumens wieder aufräumen werden, weil es Neues zum Aufräumen gibt.
        Aber wenn der alte Ballast ersteinmal dem Grunde nach entrümpelt wurde, fällt es einem leichter und es geht auch schneller, auf neu zu Sortierendes zuzugreifen.
        Alle anderen Dinge, die bleiben sollen, sind dann ja schon meist am richtigen Platz und wenn ein Umräumen auch dort mal nötig ist, ist aber schon eine Grundordnung da, die alles schneller gehen lässt.

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