Von Helden und Eifersucht

Certain superheroes don’t wear a cape!
We call them Dad!

(Manche Superhelden haben keinen Umhang, wir nennen sie Papa)

Aua! Ich lese es und es tut weh, sehr weh.

In welchen Situationen hast du einen Helden gebraucht? – Wer war dann da, hat dich begleitet, hat es gerichtet?

Ich habe immer alles getan euren Vater gut da stehen zu lassen, warum tut es dann jetzt so weh beim Lesen?

Es ist Eifersucht, schnöde, dumme, blöde Eifersucht – dabei bin ich kaum mal auf etwas oder jemanden eifersüchtig. Warum hier?

Ich bin ein Glückskind, zum einen kann ich mich auch in diesem „sehr klein sein“ meinen Menschen offenbaren, zum anderen ist genau dann einer da.

Es war nicht nur Schmerz, es war auch Wut, ich zählte auf wo, wann ein Kind einen Superhelden braucht, und immer war ich für sie da gewesen, er hatte nichts getan (ja, in der Wut wird es dann „nichts“), womit bitte hatte ich mir die Verbannung und er sich sein Heldentum verdient?

Damit, dass er so war wie er war, damit, dass er so war wie ich nicht sein konnte, ausgeglichen, ruhig, immer gleich, berechenbar. Nicht mit diesen Worten, aber in dem Sinn war die Antwort meines Gegenübers.

Das half mir da noch kein Stück weiter, das ganze musste reifen, da mussten mir noch ein paar Lichtlein aufgehen und diese sehe ich bekanntlich immer am besten bei Nacht.

Lichtlein:

– Es war nicht Eifersucht im Sinne von „er hat etwas was ich nicht habe“ sondern viel eher der Ärger darüber, dass er Lorbeeren erntete die ich glaubte verdient zu haben.

– Mein Mensch hatte sein Heldentum in seinem Sein beschrieben und das hatte irgendwie gar nicht in mein Bild gepasst, jetzt wusste ich warum: Ich hatte den Superhelden nur aus dem Winkel des „Action Helds“ gesehen. Ich hatte „getan“, er nicht, er konnte also kein Held sein… kein Action Held.

– Definiere Held: jemand der außergewöhnliche Talente und Kräfte hat und diese einsetzt andere zu beschützen.

Und jetzt:

– Ihr Papa ist ein Held, ein Superheld er hat seine Talente und Kräfte genutzt sie zu schützen und ich kann mich für sie freuen ihren Vater so sehen zu können und ich kann mich für ihn freuen so gesehen zu werden.

– Ich bin all die Negativen Gefühle los die ich gestern beim lesen hatte

– Ich freue mich doch nicht das Eifersüchtige A’loch zu sein, was ich gestern in mir zu sehen glaubte

– Mein „Heldentum“ wird nicht gewürdigt? Ich habe nichts von dem was ich für meine Kinder tat, für Anerkennung oder Dankbarkeit getan (auch wenn ich mich darüber freuen würde). Auch mit dem Wissen, dass es mir keinen Heldentitel eingebracht hat würde ich nichts von dem was ich an Einsatz, Engagement, Arbeit, Überwindung, etc… für meine Kinder gegeben habe rückgängig machen wollen. Ich tat nichts um ihr Held zu sein, ich tat alles um dem gerecht zu werden was ich damals für gut und wichtig gehalten habe, ich tat es also für mich, sie schulden mir nichts.

– Vom Tun zum Sein. Das war schon mal Thema aber verinnerlicht ist es noch nicht. Ich darf weg vom Aktionismus und mich auf mein Sein verlassen.

Ich bin dankbar für meine Kinder die ich gerade als positive Herausforderung erfahre, ich bin dankbar für deren Vater und ich bin dankbar für meine Fähigkeit meine Baustellen schnell angehen zu können.

16 Kommentare zu „Von Helden und Eifersucht

  1. Die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern ist grenzenlos, unendlich und nicht messbar. Da sie so selbstverständlich ist, wie die Unendlichkeit der Liste der Dinge, die eine Mutter für ihre Kinder tut – eben aus unendlicher Liebe – wird sie von eben diesen Kindern als selbstverständlich genommen. Väter sind oft nicht „da“, nicht präsent, und werden dadurch zum Helden.

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    1. …oder zum genauen Gegenteil, wenn sie von der Mutter instrumentalisiert werden. Grenzenlose Liebe kann auch sehr besitzergreifend sein. Ich spreche von mir, von meiner Erfahrung als Sohn einerseits und als geschiedener Vater andererseits.

      Nichts für ungut 😉 & Gruß,
      Reiner

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    2. „Die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern ist grenzenlos“

      … ist sie das? Ich habe eine kranke Mutter die nicht lieben kann und ich bin nicht sicher, dass meine Liebe zu meinen Kindern grenzenlos ist… hoffe es kommt nie soweit, dass ich es erfahre.

      Wenn du Mutterliebe so erfahren durftest, so ist es, denke ich, nichts allgemein gültiges.

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  2. Eben darum bist Du auch nicht klein. Ohne dich näher zu kennen 😉

    Für mich getan. Das erinnert mich an Worte einer „Dame vom Fach“ vor vielen Jahren. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das verstanden habe. Heute lebe ich danach, in Bezug auf meine Eltern und gerade auch auf meinen Sohn. Letztendlich überall, um meinen Werten und Ansprüchen gegenüber zumindest im Großen und Ganzen gerecht zu werden.

    Wir sind naturgemäß anders als die Mütter. Oft genug auch von Charakter, vom Temperament, gerade nach einer Trennung, wenn sich die Richtungen endgültig teilen. Heute bin ich der Gegenpol zum Leben meines Sohnes bei seiner Mutter. Meine „Strahlkraft“ hat nicht gereicht, den Wunsch in ihm zu wecken hier bei mir zu leben 😉 was sehr wahrscheinlich mit seinem Hang zur Bequemlichkeit zu tun hat. Dennoch hat er vieles in seinem Wesen irgendwie von mir übernommen, wie mir immer wieder auffällt.

    Ein Superheld war ich übrigens nie. Bemüht habe ich mich und beharrlich war ich im Kontakt mit ihm, gegen alle Widerstände seiner Mutter. Eines habe ich nicht wiederholen müssen, vom erzieherischen „Erbgut“ meines Vaters: Erwartungen zu haben, die ich selbst nicht vorleben kann. Das, was ich „drauf“ habe, habe ich versucht, weiterzugeben. Was ihm davon passt, wird er behalten. Glaubwürdig bin ich somit geworden, ein mir heute sehr wichtiges Attribut.

    Gruß Reiner, berührt vom Thema.

    PS: Absolutheitsanspruch habe ich nicht. Das schafft Weite 🙂

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    1. Auch du hast dich mit deinen Talenten für den Mini Gammler eingesetzt, auch du bist Superheld… auch wenn ihm gerade die Fussstapfen seines Vaters angst machen.

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        1. Wünsche dir Gelassenheit, Verständniss, die Kraft zu schweigen und den Mut zu umarmen.

          Werde ganz feste an euch denken – ihr habt euch einen guten Neustart verdient.

          Sonntag drücke ich die Daumen, jetzt dich 🙂

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  3. Eine selbstkritische Analyse. Respekt!

    Die Mutter hilft, den Vater in der Einschätzung der Kinder zu überhöhen, schaut nach Jahren mit Eifersucht u. Ärger auf ihr Tun, glaubt eigenes aufopferungsvolles Engagement für die Kinder verkannt, kommt aber schließlich durch gründliches Nachdenken zu einer anderen Haltung und anderen Gefühlen:

    Was ich für die Kinder tat, geschah nicht der Anerkennung und Dankbarkeit wegen, es geschah, weil ich es für wichtig und richtig hielt. Die Kinder schulden mir nichts; ich tat es für mich.

    Das ist eine durch und durch edle Haltung: „edel sei der Mensch, hilfreich und gut“. Oder anders ausgedrückt – eine christliche Einstellung: „Gebt, so wird euch gegeben.“

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    1. Edel? Christlich?

      Bin bei einer Mutter aufgewachsen die uns von ganz klein bis heute immer wieder serviert wie sehr und dass wir ihr auf ewig zu Dank verpflichtet sind. Vielleicht wusste ich nur, dass ich das nie einem Kind antun werde und bin deshalb sehr realistisch und selbstschützend geworden.

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