Von Freude und alten Muster

Für Ostermontag hatte ich meine Bisounichten, –Neffen und Kinder eingeladen, sie treffen einander sonst nur so alle fünf Jahre. Meinem Federchen hatte ich geschrieben es könne kommen ohne mir gegenüber irgendeine Verpflichtung ein zu gehen außer Begrüssungskuss und allgemeiner Höflichkeit. Nachdem wir uns in der Woche zufällig (war es zufällig frage ich mich gerade oder wollte sie die Stimmung erfühlen?) begegnet waren, hatte sie den Mut sich anzumelden und darüber habe ich mich sehr gefreut.

Es waren Stunden mit Eiersuche, Weißtdunochs, essen, trinken und lachen, nachfragen wer gerade wie, wo, was lebt (sind alle 20 und mehr). Meine jüngere Schwester hatte ich dazu eingeladen, wollte das Erleben mit ihr teilen. Rund um, eine sehr schöne Zeit die alle gerne wiederholen möchten.

Irgendwann fragt mich mein Kind ob ich mir nicht ihr Auto ansehen wolle und ich habe mit „Jetzt nicht, ich habe Gäste“ geantwortet.

Im Gespräch mit einer anderen Mutter meinte diese, sie hätte wohl alle da sitzen lassen und währe mit ihrer Tochter nach draußen gegangen. Da argumentierte ich noch mit Gästen und damit, dass sie es schon viele Monate habe und es ihr all die Zeit auch nicht wichtig gewesen sei es mir zu zeigen. Ich argumentierte und es fühlte sich nicht gut an. Die Nacht hat mich aus der Argumentier-Ecke heraus genommen und vorhin konnte ich statt auf meine Gedanken, auf meine Gefühle zum Zeitpunkt ihres Vorschlags schauen.

Es war nicht die Sorge die Gäste zu vernachlässigen oder das Wissen, dass sie Stolz und Freude ein eigenes Auto zu haben damals nicht mit mir teilen wollte, da saß ganz etwas anderes und ich musste schon genau drauf schauen um es benennen zu können.

Es war das „Kind“ in ihr, in ihrem Verhalten, dem ich nicht bereit war zu folgen. Da war es wieder, das Kind das immer und um jeden Preis im Mittelpunkt stehen will. Das Kind dem immer nur an meiner Aufmerksamkeit gelegen war wenn sie gerade jemand anderem gehörte. Ich hatte es gewusst, ich hatte es geduldet, ich hatte mich dagegen gewehrt, ich hatte es ertragen, ich hatte es verdrängt, ich hatte es vergessen und dann sitzt es mir wieder gegenüber.

Ich war nicht bereit in meine alten Muster mit ihr zurück zu kehren. Wenn ich das tue was ich immer getan habe, werde ich ernten was ich immer geerntet habe, nein danke, das will ich nicht mehr, nicht für sie und nicht für mich. Sie kann, mir gegenüber, nur erwachsen werden wenn ich sie auch so behandele.

Vermutlich hat sie nur Zurückweisung, Ablehnung, im besten Falle vielleicht Desinteresse gesehen.

Und ich stehe wieder da wo ich sie nicht beschützen kann, nicht aufklären, nicht warnen, da wo ich nur darauf vertrauen kann, dass sie ihre Baustelle erkennt und bearbeitet.

Was bleibt von der Zeit mit ihr? Die Große Freude über ihren Mut zu kommen, über ihr da sein und der erneuerte Appel an mich selber dem Leben zu vertrauen.

15 Kommentare zu „Von Freude und alten Muster

  1. Sag Deiner Tochter, wie sehr Du Dich über ihr Kommen und ihre Anwesenheit gefreut hast. Sie wird selbst darüber nachdenken, warum du ihren Vorschlag abgelehnt hast; vielleicht erkennt sie die Gründe ja ohne jede Erklärung.

    Es ist legitim und bedarf keiner Rechtfertigung, dem übersteigerten Bedürfnis nach Aufmerksamkeit einer geliebten Person nicht nachzugeben. Wenn wir unsere Kinder in einem bestimmten Alter nicht wie Erwachsene behandeln, schaden wir ihnen und leisten einen Beitrag zur Fortsetzung ihrer Unmündigkeit.

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    1. Als ich dich gelesen habe, war ich nachschauen ob ich die Frage nach dem „Richtig“ doch drin gelassen hatte und durfte lächeln: keine Frage hier, wohl eher eine Gute Kristallkugel dort.

      Danke für deine Sicht auf das Geschehene 🙂

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    1. Wieder mal gut daran getan ein Wort zu googeln. Fremdwörter aus dem Fr. werden nicht auf D genutzt wie im Original und so komme ich von „drüber stehen“ zu „grenzt sich so vom Zustand der Fremdbestimmung ab“. Im Grunde, das gleiche, im zweiten finde ich aber eine Qualität die ersteres nicht unbedingt erahnen lässt.

      Ersteres kann ich mit vielerlei Hilfen (von Arroganz bis Ignoranz), sich von Fremdbestimmung abgrenzen ist etwas aktives. Ja, daran arbeite ich.

      Danke für diesen Blickwinkel

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  2. Würde zwar gerne kommentieren 😉
    werde es aber nicht tun, weil es mir ein sehr seniebles Thema scheint, und ich nicht provozieren möchte, wo vielleicht erst noch etwas heilen muss.

    Vielleicht das nächste Mal wieder 😉

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    1. Ganz breit lächle.

      Hier kommt eine (erneuerte) Einsicht zum letzten Blog: das Verhalten meines Gegenübers hat dann doch mehr mit ihm selber zu tun als mit meinem Platzhalter.

      Fällt hier gut auf weil du den Platzhalter nicht kennen gelernt hast. Du hast die kennengelernt die an jeder Herausforderung wachsen kann und „möchtest nicht provozieren“

      … und das von dem der glaubte andere seien nicht aufmerksam.

      Da haben wir jetzt wohl beide lernen dürfen 🙂

      Danke

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    1. Hah, jetzt hast du mich voll erwischt!

      Stimmt, „Prinzesschen“ wachsen nicht aus sich heraus, sie werden, wenn sie erwachsen werden „Königinnen“

      Für jemanden der sich seinen Platz bei Hofe erarbeitet hat gar nicht so selbstverständlich – Danke

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