Vom Beschützen III oder knallharter Praxistest

„Jetzt kann ich dir mit Gelassenheit (naja, schmunzle, relativer Gelassenheit, lerne noch) zusehen. Ich durfte/konnte mich aus der Verantwortung entlassen.
Ich kann dich den schmerzvollen Weg gehen lassen weil ich weiß, dass nur dieser Weg zu deinem Wachstum, zu deiner Freiheit führt.“

Schrieb ich vor einer Woche und dann schenkt mir das Leben Gelegenheit meine Worte zu überprüfen wo die Liebe am größten ist.

Nach mehr als einem Jahr ist mein Kind bei einem zufälligen Treffen nicht davon gelaufen und ich durfte Smaltalk mit ihr führen.

Konnte ihr ansehen, dass es ihr nicht gut geht. Alle alten Muster in mir haben geschrien, auch mein Drang zu beschützen. Die „Gelassenheit“ war dahin aber das Wissen ist geblieben und ich konnte danach handeln.

Als sie weg war haben alle ungesagten Worte meinen Körper über die Augen verlassen und so Platz geschaffen für die positiven Erkenntnisse: sie ist nicht davon gelaufen und ich kann sie ihren Weg gehen lassen.

21 Kommentare zu „Vom Beschützen III oder knallharter Praxistest

  1. So ist das mit der Ratio, der großen Verwalterin des Wissens. Das ist ihre Aufgabe, uns beizeiten zu stärken und zu halten. Sie ist nicht die Bestimmerin, sie ist Dienerin, und das kann sie gut, wenn man sie lässt.

    Ich freue mich für dich, das anschließend wieder deine innere Königin die Macht übernommen hat und dir reinigende Tränen geschickt hat. So ist das recht, im Idealfall verstehen sich die beiden, kennen und respektieren ihren Platz 😉

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    1. Die Ratio als Dienerin. Sie war Bestimmerin als Miss Perfect noch da war und ist Dienerin geworden – war mir aber nicht bewusst bis ich deine Worte gelesen habe. Ein merkwürdiges Wissen für jemanden der sich ein Leben lang auf seinen Kopf verlassen hat… der bis zum lesen hier aus Gewohnheit gesagt hätte es sei noch immer so.

      Keine Ahnung wie oft ich deine Worte hier schon gelesen habe und immer wieder habe ich Tränen in den Augen bei den Worten „deine innere Königin“. War Miss Perfect ein kleiner verkappter Heinrich VIII. ?

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      1. Ich weiß sehr gut, wie sich das anfühlt.

        Wenn der innere König, die innere Königin geschwächt sind, setzen sie diesen Joker an ihre Stelle und so wird aus der Ratio ein rezitierender Geschichtenerzähler oder aufgeblähtes Bücherwissen. Oder sie schafft die Illusion von Perfektion. Jedenfalls fühlt sich sich sehr bald heimisch auf dem Thron, auf dem sie ungefragt gesetzt wurde und weigert sich hartnäckig, ihn wieder zu verlassen. So wird aus der Dienerin eine Besatzungsmacht, nur, weil es ihr erlaubt wird 😉

        Auch weiß sie vorzüglich Beifall einzutreiben, in der Welt da draußen, weil sie für sich allein eine eitle Selbstdarstellern ist. Beifall, der für den eigentlichen, geschwächten Herrscher jedes mal ein warmer Regen ist. Beifall für vermeintliche Disziplin, Gerichtetheit, ein breites Allgemeinwissen, gute Ausdrucks- und Umgangsformen, beruflichen Erfolg, Härte nach außen. Sie schafft so die Illusion von Selbstsicherheit.

        Das alles nicht, weil sie an sich schlecht oder böse ist. Eben nur am falschen Platz. Sie kann gar keine inneren Impulse geben, das war nie ihre Aufgabe. Wenn sie ihre eigentliche Stelle als Dienerin wieder eingenommen hat, gewöhnt sie sich allmählich wieder an ihre ursprünglichen Aufgaben: Sortieren, Verknüpfungen schaffen, stärken dort, wo Hilfe Not tut. Fragen der Machbarkeit beantworten anhand von klären der Fakten. Konsequenzen aufzeigen, die der Herrscher nach Entscheidung verantworten muss.

        Bis es soweit ist, bemüht sie sich nach Kräften, sich unentbehrlich zu machen, freiwillig will sie ja das Feld nicht räumen, das ihr einst gewährt wurde. Ihre freche Rede ist dem Herrscher wohl vertraut. Hab`ich dir doch gleich gesagt, kann nicht wirklich gehen…hättest besser mal auf mich gehört…

        Da muss der Herrscher mit klar kommen, gerade zu Beginn in seiner Unsicherheit. Bis der volle Souverän wieder hergestellt ist 😉

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        1. „freiwillig will sie ja das Feld nicht räumen“ – den fische ich mir raus um später drauf zu schauen und suche derweil die versteckte Kamera 😉

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        1. Ja, schmunzle, mit dem Gedanken verrate ich mich selber. Oft habe ich in den letzten Monaten gedacht es sei viel einfacher sie für mich „sterben zu lassen“. Hart, aber dann wäre das Thema ein für allemal gegessen und somit leichter aus zu halten als das Warten.

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  2. Schweigen, obwohl ein starkes Gefühl drängt, etwas zu sagen, gehört zu den schweren Übungen.

    Während der Meditationserfahrene es leichter hat, pflegte meine Mutter ihre Bemühungen um die Unterdrückung dieses Gefühls immer in die Worte zu fassen: ich musste mich ganz arg auf die Zunge beißen.

    Besonders erfreulich und motivierend, wenn einer kämpft, es hinbekommt zu schweigen und hinterher noch belohnt wird.

    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?
    Manchmal!

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    1. Gold, hier reines Gold.

      Das Eis scheint gebrochen, ihre Ängste vor Vorwürfen, Zurechtweisungen, Belehrungen und was sie sonst so in sich trägt scheine ich ihr mit meiner Annahme, meinem Schweigen genommen zu haben. Auch gestern durfte ich sie kurz sehen und sprechen. Ohne weinen hinterher, jetzt wächst das Vertrauen.

      Ja, auf die Zunge beissen, so sagen wir auch auf Fr. Bis ich da bin wo ich gerne mit ihr ankommen möchte werde ich mir einige Piercings zulegen können, goldene 🙂

      Schön, dass du wieder da bist 🙂

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