Vor sieben Jahren – Februar 2008

Wie nur fragt man seinen Vater…
…
Zum Blog „Einige Schritte nur hinter ihm“ schrieb mir Carlder u.a. als Kommentar: „Wenn ihr hier noch einen Papa habt,… Sein Körper verliert an Kraft, an Halt und Größe, mag sein. …seine Liebe zur Tochter verliert er nie!“
…
Wie nur fragt man seinen Vater ob er einen mag?
Es war ein tiefgehendes Gespräch und irgendwann hatte ich dann den Mut zu fragen und er sagte „Ich hab dich doch lieb“
In dem Moment wurde mir bewusst, dass ich 45 Jahre auf diesen Satz gewartet hatte.

Sieben Jahre ist das jetzt her und ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich ihn damals fragen konnte. Seit dem Tag ist sein „Ich hab dich doch lieb“ in jedem Begrüßungskuss, es schwingt in jedem Gespräch und in jeder Umarmung zum Abschied.

„Schwingen“? Ich habe gerade das Bedürfnis es nochmal aus zu sprechen, hörbar und dann in seinem Gesicht sichtbar. Bis Mittwoch Papa.

Dir, der du hier ließt, gebe ich Carlders Worte mit auf den Weg: „Wenn ihr hier noch einen Papa habt, und solche Gedanken für ihn hegt, wirklich, wartet nicht! Geht einmal hin zu ihm, umarmt ihn und sagt es ihm! Ich wette, ihr könnt dabei zusehen wie ihn das wachsen lassen wird. Sein Körper verliert an Kraft, an Halt und Größe, mag sein. …seine Liebe zur Tochter verliert er nie!“

26 Kommentare zu „Vor sieben Jahren – Februar 2008

        1. Nix – aber je jünger, so zumindest mein Eindruck und meine Erfahrung, desto leichter geht einem das über die Lippen.
          Was es dann auch oft bei älteren (Eltern) vielleicht etwas erschwert. Aber geht mir vielleicht nur persönlich so?

          Kann man übrigens auch üben, und hab ich auch erfolgreich gemacht 😉

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  1. Mein Vater ist vor 9 Jahren ganz plötzlich gestorben – und wie gerne hätte ich ihn vorher noch gesehen, mit ihm gesprochen, meinen Frieden mit ihm gemacht, mit ihm meinem Papa, dessen Kind ich so sehr bin. Es ist unheimlich, dass ich ihm immer ähnlicher werde….

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    1. „gesehen“? Wenn du die Augen schliesst
      „mit ihm gesprochen“? Sprich
      „meinen Frieden mit ihm gemacht“? Dazu braucht es nur dich

      Ein Teil von ihm lebt in dir. Es gibt Zeiten in denen wir es verleugnen, es gibt die in denen wir „keine Zeit für sowas“ haben und es gibt die Zeiten des zulassen könnens, des bewusst werdens.

      Geniesse es ihn so in dir zu wissen 🙂

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  2. Seltsam, dass erst heute durch deine Worte eine Tür in meiner Vergangenheit geöffnet wird….
    Mein Vater blieb nach seinem Tod vor 40 Jahren nur eine vage Erinnerung an meine ersten Lebensjahre …. Besuchs-Sonntage, gestörten „Familienfrieden“, nicht gezahlte Alimente und sein plötzliches Interesse nach dem Tod meiner Mutter, sich wieder einen Platz in meinem Leben zu erkaufen.
    Es war zu spät! Als „verlassenes Kind“ fehlte mir damals das Verständnis für den von ihm gewählten Weg. Viel später fand ich Puzzleteile seines Lebens und erhielt dadurch ein vollständigeres Bild…. die Gleichgültigkeit blieb.
    Carlders Worte „…..seine Liebe zur Tochter verliert er nie!“ treffen wohl auf meinen Vater nicht zu.

    Du und dein Papa habt eure Liebe zueinander nie verloren, sie lebte nur unter dem Einfluss anderer Menschen und Gefühle in der Verborgenheit. Jetzt dürft ihr sie – hoffentlich noch eine Weile – leben!

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    1. „Viel später fand ich Puzzleteile seines Lebens und erhielt dadurch ein vollständigeres Bild…. die Gleichgültigkeit blieb.“

      Kann Liebe wahrgenommen werden wenn das Herz sich mit Gleichgültigkeit schützt?

      Das über meinen Papa und mich hast du sehr schön formuliert, danke.

      Bei jedem Abschiednehmen von ihm mache ich mir Bewusst, dass es das letzte Mal sein könnte.

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      1. „dass es das letzte Mal sein könnte“
        dies Gefühl, diese Befürchtung,hatte ich damals auch jedesmal, sie nahm mir oft den Schlaf, bei den Besuchen

        nun geht es mir manchmal bei meiner Mutter so, höre ihren im Winter schweren Atem bis in den Schlaf

        Hoffentlich noch lange unbegründet!

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        1. Es ist keine schlafraubende Befürchtung, es ist ein Bewusstsein welches mich die Zeit mit ihm anders erleben lässt. Bewusster, dankbarer. Die Gewissheit mit einem „alles ist gut“ zu gehen.

          Es hat nichts belastendes, im Gegenteil, es hat mit Leichtigkeit zu tun.

          Papa darf gehen, oder vielleicht bin ich diejenige, wer weiss…

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      1. Es geht besser. Ich muss es nicht weitergeben. Was bleibt, ist eine abgrundtiefe Trauer, die meist vom Tagesgeschäft oder anderen Dingen gut verborgen wird. Frieden, ja schon. Vielleicht weicht auch irgendwann die Trauer. Wobei ich nach all den Jahren so langsam meine Zweifel habe. Es gibt wohl Wesenszüge, die uns erhalten bleiben sollen bis zum Schluss.

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  3. Da mein Papa etwas weiter weg lebt, aber immer für mich da ist,oh jaaaa, schreibe ich manchmal einfach eine kleine SIMS und sags ihm so. Nicht dauerhaft auch nicht immer. Aber manchmal überkommt es mich und ich schreibe ihn:Ich hab dich so lieb oder Du bist der beste Papa von Welt. Ja, auf meinen Papa kann ich mich in allen Lebenslagen verlassen und ich hoffe er sich irgendwie auch auf mich….

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    1. Es klingt sehr schön wie einfach du ihm diese Worte schenken kannst 🙂

      „auf meinen Papa kann ich mich in allen Lebenslagen verlassen und ich hoffe er sich irgendwie auch auf mich“

      Es wird die Zeit kommen wo du dich nicht mehr auf ihn verlassen kannst, dann wird er es brauchen sich auf dich verlassen zu können.

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  4. Sieben Jahre. Lange Zeit, und doch…

    Ich mag den Gedanken sehr, dass du zulassen konntest, dass ich für etwas so positives bei dir Pate stehen durfte.
    Und ich mag den Gedanken an das Lächeln eines älteren Mannes, der gestern, Mittwoch, innerlich ein paar Zentimeter wachsen durfte…

    Danke, fürs erinnern

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