Fundstück in den eigenen Worten

Manchmal schreibe ich etwas über mich und habe dabei die Gedanken im Kontext dessen worum es gerade geht.

Was es wirklich für mich und mein Leben bedeutet, darüber aussagt, wird mir erst beim späteren drüber lesen bewusst.

„Vieles schrie Trauer und Verletzung. Das bin nicht mehr ich“

„Trauer und Verletzung, das bin nicht mehr ich“ – welch Aussage, welch Erkenntnis!

Das Leben ist schön.

4 Kommentare zu „Fundstück in den eigenen Worten

  1. Deine Worte könnte meine sein, lächel…

    An den Moment, da ich es dachte, kann ich mich noch sehr genau erinnern. Es war unterwegs auf meinem ersten Jakobsweg. 2007. Der mir Verletzung und Kampf gebracht hatte. Ängste, Schmerz. Und wundervolle Gefährten, die mich vieles lehrten.

    Es war in der fünften Woche der achthundert Kilometer langen Wanderung, da ich mit meiner Begleiterin einen Pass erklommen hatte und wir hinab blicken konnten auf die schiere Unendlichkeit sonnendurchfluteter Hügel, Täler und Berge. Sie tippte mich an und sagte: „Wir lassen jetzt einen Urschrei raus, los!!“

    Aber aus meiner Kehle kam kein Ton. Es ging nicht. Ich stand da, den schweren Rucksack auf dem Buckel, auf die Wanderstöcke gestützt, die Haare wild, die Haut kupferbraun, mit abgeschnittenen Hosen und einem Karohemd, aus dem ich die Ärmel heraus gerissen hatte. Und lächelte. Mir war nicht nach schreien. Es war ein glücklicher, stiller Moment. Und ich dachte aus tiefstem Herzen: „Das Leben ist schön!“

    Im vorigen Jahr war es anders. Und doch ähnlich. Mein vierter Camino, dieses Mal von Süd nach Nord quer durch Spanien. Elendig, durch einen Unfall auf der zweiten Etappe. Gips, Krücken. Ich quälte mich bei 40° über jeden einzelnen Meter. Konnte nicht mithalten, blieb also weitgehend allein. Santiago erreichte ich torkelnd und ausgemergelt, mich interessierte die Kathedrale nicht, ich wollte nur ein Bett. Allein sein. Und schlafen.

    Es regnete ununterbrochen, solange ich dort war. Also nahm ich den Bus nach Porto, buchte ein Hostal, blind, über Smartphone. Es war ein Glücksgriff, in vielerlei Hinsicht. Mit mir kam die Sonne. Aus dem Fenster sah ich auf die unter mir liegende Altstadt. Freude pur. Ich packte aus, hinkte mit dem Stadtplan in der Hand zum Fluß. Auf die eiserne Brücke. Sah hinab auf den blaugrünen Rio Douro, die bunten Häuschen an seinem Ufer, hörte Musik herauf klingen, mit Fässern beladene, malerische Holzschiffe dümpelten unter mir.

    Und ich dachte wieder: „Das Leben ist schön!“

    Es ist wichtig, dass wir solche Augen – Blicke in unserem Herzen bewahren. Damit die Waage im Ausgleich bleibt. Wenn die andere Waagschale gerade einmal wieder die Überhand zu gewinnen droht… Lass‘ uns das immer wieder versuchen, auch wenn es nicht immer gelingt. Wir lernen dazu!

    Liebe Grüße,
    Gabriele

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  2. Wer zu einem Thema schreibt, hat eine ziemlich große Chance, dabei, fest zu stellen, was er selbst eigentlich so darüber denkt, – wo er steht….und wem und was er so gegenüber steht,- und wie…..und manchmal gehen einem dabei selbst die Hühneraugen auf 🙂

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