Adventskalender 15. Türchen – Willkommen bei einer Tasse Kaffee

Liebes Du,

als Hihg mir diesen Ort schenkte habe ich gelächelt, in Gedanken erzählte ich dir schon von endlosen Frühstücken, von den vielen schönen Begegnungen um eine „Tasse Kaffee“

Komm, setzte dich zu mir, schenke dir ein, mache es dir bequem, es könnte länger dauern.

Es wäre wohl kein richtiges Türchen ohne Herausforderung und gestern sorgte das Leben dafür es hier mit Sinn zu füllen.

Bei einer „Tasse Kaffee“…

Sehr lange hatten wir einander nicht mehr getroffen, das war uns aber noch nie Hindernis offen zu einander zu sein.

Sie drückt ihre Verwunderung darüber aus, dass ich vor Monaten ein Gedicht von Heinrich Heine bei Facebook veröffentlicht hatte, es habe sie schockiert, sie könne nicht glauben, dass ich so tief gesunken sei, unterste Schublade und dann diese Wortwahl und überhaupt der Vergleich.

Ich hörte ihr zu, wähnte mich im falschen Film. Heine war nicht immer „sanft“ in seiner Wortwahl aber sie ist ein belesener Mensch und erst als sie von „Vergleich“ sprach begann ich zu ahnen worum es ging und effektiv, sie glaubte ich habe damit den Vater meiner Kinder und seine Freundin verspotten wollen.

Zu beginn war ich einfach nur entsetzt so gelesen worden zu sein.

Dann war ich erschrocken so dumm und bösartig von ihr gesehen zu werden.

Es folgten lange Gedankengänge auf der Suche danach warum sie mich so sieht. Was hatte ich getan um dieses Bild von mir in ihr zu wecken.

Ja, ich ahne es, vermutlich bist du jetzt am schmunzeln, ich arbeite ein ganzes Jahr daran die Schuld für Dinge nicht mehr systematisch bei mir zu suchen und bei der ersten Gelegenheit verfalle ich wieder dem alten Muster.

Es gab nichts zwischen uns für das sie mich hätte dumm oder böse halten können.

Warum glaubte sie ich würde zwei Jahre nach der Scheidung, nach zwei Jahren guten Umgangs miteinander einen solchen Angriff auf ihn starten? Weil es bei ihr ganz anders gelaufen war?

Warum glaubte sie ich würde die Frau die ich in meinem Haus mit offenen Armen und Herz empfangen hatte auf solche Art angreifen? Weil sie es nicht „normal“ findet das ich es kann?

Warum glaubte sie die Situation wäre mir wert einen Rosenkrieg zu beginnen? Weil sie nach zwei Jahren noch nicht losgelassen hatte?

So könnte ich jetzt weiter aufzählen…

Dinge begegnen uns, treffen uns bis wir unsere Lektion daran gelernt haben. Auch hier im Blog ist es mir immer wieder passiert „böse“ gelesen zu werden, hier ging es dann um „Freunde“ die sich selber zu erkennen glaubten oder die andere in meine Worte hinein dachten. Ich schrieb über die letzte Nacht in einem Haus und werde als letzte Nacht mit einem Geliebten gelesen, ich schrieb über meine Erkenntnisse die Mutter betreffend und werde als eine Freundin diffamierend gelesen und immer wieder fragte ich mich was an mir falsch sei, dass mir so böses Gedankengut und Handeln in die Worte gelegt wird.

Vorhin war es dann als zöge sich ein Vorhang auf:
Das was über mich in deinem Kopf ist sagt wesentlich mehr über deine Art zu denken denn über mich aus.

Ja, der Umkehrschluss stimmt auch. Du darfst darauf vertrauen, dass ich nicht nur in Respekt, Wohlwollen und Liebe handle sondern dich als ebensolchen Menschen sehen kann.

Danke, dass du mich durch den Advent begleitest

Bisou

23 Kommentare zu „Adventskalender 15. Türchen – Willkommen bei einer Tasse Kaffee

  1. Ich kenne eine akute Situation in meiner Familie, wo ER SIE verliess, und SIE die NEUE ab und zu auch sehen muss. Da sind aber keine Kinder im Spiel, lediglich ein erwachsener ER, der nie erwachsen wurde.
    So sehr immer gesagt wird, man solle sich doch etwas ‚kindliches‘ bewahren, trifft das nicht auf KINDSKÖPFE zu!
    :##

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      1. „Ich kann dir versichern, niemand tut böses, niemand benimmt sich daneben der anders kann.“

        Diese Erkenntnis ist auch die meine, bisou. Es ist eine von meinen wichtigsten Erkenntnissen überhaupt. Sie hat mir sehr viel Frieden mit mir selbst gebracht und die Erfahrung das Einsicht oft mit Nachsicht einher geht. …grins…..damit geht die Zauberei einher, den Elefanten in die Mücke zurück zu verwandeln. Nein, nein, das gelingt nicht immer. Dann nicht, wenn der andere gern wütend sein möchte,- wenn er einfach nur sauer sein will, wenn er ein Ventil braucht und grad eben mal nicht „lieb“ sein will. Das musste ich erst lernen, dass das wichtig ist, sich austoben zu lassen.

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        1. Es war ein langer Weg dorthin.

          Vermutlich musste ich erst von meinem „Böses Kind“ Bild weg kommen um es wirklich verinnerlichen zu können.

          Interessant finde ich die die denken mit Absicht Böse zu sein…

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        2. „Interessant finde ich die die denken mit Absicht Böse zu sein…“

          Du glaubst nicht, dass es das gibt, das Böse an sich?
          Das Böse als Ursprung und nicht als Folge?

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        3. „Kennst du ein Böses Baby?“

          Nein, kenne ich nicht.
          Allerdings denke ich, dass das Böse an ein Bewusstsein gekoppelt ist,auch an Bewusstheit….. und an Intelligenz. Bewusstes Böse muss ein GUT kennen bzw. darum wissen. Das ist sozusagen seine Orientierung für sein agieren.
          Beim Baby ist all das noch nicht entwickelt.
          Sicher vermag Böses sich da zu entwickeln, wo Gutes abwesend ist. Ist das denn immer krank? Es kennt das Gute einfach nicht. Sein same kam nie zur Entwicklung. Ich glaube, in uns ist die Saat zu Beidem gelegt?
          Und ich glaube dass Böse-sein auf purer Langerweile einer hohen Intelligenz beruhen kann. Intelligenz ist nicht unbedingt an irgendwelche moralischen Werte geknüpft…..von ihnen nicht gebremst und geführt, sucht sie sich dann ein Betätigungsfeld…für ihre Energie

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        4. Mit meiner Frage meinte ich, dass niemand böse geboren wird.

          „Sicher vermag Böses sich da zu entwickeln, wo Gutes abwesend ist. Ist das denn immer krank? Es kennt das Gute einfach nicht.“

          Wo ein Mensch das Gute nicht kennt, kennen gelernt hat liegt eine Störung um Umfeld vor.

          Die Saat für beides ist im Menschen aber wenn nur eine Seite „bewirtschaftet“ wird, bleibt die andere brach liegen und auch das sehe ich im Aussen.

          „Und ich glaube dass Böse-sein auf purer Langerweile einer hohen Intelligenz beruhen kann.“ Ja, aber wo dem so ist, wo die Energie zum Negativen genutzt wird, auch da fehlte eine Anleitung aus dem Aussen, da fehlte die Vermitlung von Wehrten.

          Wird nicht jede gesunde, unverletzte und geleitete Seele nach dem Glück, dem Schönen trachten?

          Wo auch immer ich hinsehe ist Böses die folge von Krankheit, Verletzung oder Hilflosigkeit und hier bin ich dann wieder beim „wer anders kann wird nicht böse handeln“…

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        1. Ich bin da eher ganz praktisch und führe ein Beispiel an, dass du vielleicht nachvollziehen kannst: als ich noch in meiner Depression war „konnte“ ich oft nicht anders handeln als ich es getan habe.

          Hier geht es nicht um philosophische Betrachtungen, hier geht es um gelebtes Leben 🙂

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        2. Ok. Danke Dir für das Beispiel – kenne ich auch und gut.
          Weißt Du, Denken und Reden sind ganz, ganz wichtige Dinge. Doch manchmal, und nur manchmal hilft bloss die Faust auf den Tisch knallen (und nicht in der Tasche ballen), sich umdrehen und gehen…

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  2. Jeder kann nur nach seinen eigenen Möglichkeiten Vorstellungen vom Leben und auch von dem „Anderen“ entwickeln.

    Deshalb ist mir diese, Deine, Schlussfolgerung sehr einleuchtend:

    „Das was über mich in deinem Kopf ist sagt wesentlich mehr über deine Art zu denken denn über mich aus.“

    Immer wenn mir das einfällt, bringt mich das dazu, mich zu entspannen, mich einzusammeln und von Draußen drauf zu schauen, ob überhaupt, nach meinem Verständnis, die Situation zu klären ist…….ganz konkret, ist der Mensch anpassungsfähig an meine Art zu denken…oder muss, kann und will ich mich seiner anpassen…..an dieser Stelle kristallisieren sich die Weggefährten heraus, unterscheiden sich von denen, denen man nur über den Weg läuft….. Dich anlächle…..

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    1. Stimmt, dieses Erkennen brachte Ruhe mit sich.

      Ich hatte ihr gesagt ich ginge mit Baustellen nach Hause und jetzt wo ich gearbeitet habe weiss ich, ich werde ihr vorschlagen sie an der Lösung teilhaben zu lassen, wenn sie dies verweigert, wenn sie mit meinen Einsichten nicht umgehen kann, dann ist eine neue Zeit in unserer Beziehung eingebrochen. Alles ist im Wandel…

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  3. Dich zu lesen und verstehen zu wollen, geht bei mir nur über den Umweg eigener Erfahrungen. Die Konsequenz sind Fehlinterpretationen und andere Missverständnisse.

    Danke für deine stetige Bereitschaft, alles wieder ins rechte Licht zu rücken.

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