Adventskalender 9. Türchen – Willkommen beim Stück des Weges mit Lyra

Liebes Du,

„….direkt am Saum der Ostsee entlang, begleitet vom stetigen Anrollen der Wellen, geh ich mit Dir. Den Wind im Rücken, uns schieben lassend, reden wir, schweigen wir, bücken uns ab und an: etwas aufheben, es betrachten, einander zeigen und es lächelnd in die Tasche gleiten lassend, gehen wir, ohne jegliche Eile“

Diesen Worten komme ich heute nach und lade dich ein dich uns an zu schließen.

Ich möchte das Stück des Weg in Lyras und deiner Begleitung dazu nutzen ein Thema an zu gehen das ich schon lange vor mich herschiebe.

Liebe M.,

„Es interessiert mich nicht wo ich dir weh tue“
„So lange du so denkst macht ein Kontakt mir dir keinen Sinn“

Das waren die letzten Worte die wir vor vielen Jahren miteinander ausgetauscht haben, seitdem habe ich dich nicht einmal mehr gegrüßt wo wir einander begegneten und diesem Zustand möchte ich ein Ende machen.

Jahrelang habe ich darauf gehofft und gewartet, dass es dich doch vielleicht irgendwann interessiert wo du mir weh tust, vergeblich. Ich glaubte es sei an dir mich um Vergebung zu bitten.

Hättest du es gekonnt, hättest du es getan. Ich schrieb vor einiger Zeit dazu: “ wenn ich bereit bin, kann und werde ich das mit dir klären. In dem Maße in dem ich über mich lerne, lerne ich über dich. Ich möchte irgendwann so zu dir stehen, dass ich dich unbefangen begrüßen kann.“

Ich fühle mich bereit und will es versuchen.

Ich erwartete von dir was du nicht tun konntest. Als „Goldkind“ warst du mit dem Wissen aufgewachsen, dass alles was du tust richtig ist und dass du über den anderen stehst. Als Schwester des „Sündenbockkindes“ hast du gelernt, dass man dieses ignorieren und beliebig behandeln kann. Dich konnte/kann gar nicht interessieren wo du mir weh tust. So lange ich das nicht wissen und verstehen konnte habe ich mich durch Distanz vor dir geschützt. Jetzt wo ich um dein Problem weiß kann ich verstehen warum du so denkst.

Ich habe schon eine ganze Weile verstanden, kann aber nachsichtig zu mir sein. Ich habe Zeit gebraucht es zu verinnerlichen.

Ich habe dir mit meinen Erwartungen Unrecht getan, das tut mir Leid.

Manchmal braucht es nur den richtigen Rahmen und dann geht lange vor sich hergeschobenes von selber.

Danke fürs Begleiten,

Bisou

18 Kommentare zu „Adventskalender 9. Türchen – Willkommen beim Stück des Weges mit Lyra

  1. „Es interessiert mich nicht wo ich dir weh tue“ und
    „So lange du so denkst macht ein Kontakt mir dir keinen Sinn“

    sind doch Sätze der Hilflosigkeit finde ich. Sätze der Angst vor tiefer gehenden Themen. Abwehr!! Warum? Vielleicht war sie im Grunde gar kein so „Goldkind“ und glücklich dem „Sündenbockkind“ einiges unterschieben zu können. Kinder sind manchmal arg grausam.

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  2. „Kinder sind manchmal arg grausam.“

    *hüstel… die Kinder hier waren so um die vierzig 😉

    ———

    Ich unterstellte ihr nicht dabei glücklich zu sein, es war normalität.

    Wurzelt es in Hilflosigkeit und Angst?

    Danke für den neuen Blickwinkel, tut gerade gut 🙂

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  3. Auf anderem Wege erhalten:

    „Es interessiert mich nicht wo ich dir weh tue“

    Weil,sollte ich mich dafü interessien, müsste ich mich und meine ganze Erziehung ja in Frage stellen.
    Wahres Interesse für den Anderen wurde mir nie beigebracht.
    Und wass mir nicht beigebracht wurde, wass ich nicht kenne,macht mir nichts aus.Und wenn ich mich daran interessieren würde, wäre ich vor Unbekanntes,und Unbekanntes macht mir Angst;
    Es wurde mir nie beigebracht weil meine Mutter nicht weiss was es heisst einem weh zu tun. Wieso sollte Sie mir also so etwas leeren?
    ich habe „zu Hause“ meinen Platz weil ich verstanden habe wass Mama von uns will.
    Und ob du es verstanden hasst oder nicht,…
    „es interessiert mich nicht…“ es ist Mama’s Kranheit aber dass weisst nur du und, ich habe es bis jetzt nicht versanden obwohl du da warst als ich dich am meisten brauchte

    Ta soeur „de coeur“
    Jo

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    1. Mag sein, dass sie so denkt und fühlt, vielleicht auch nicht. Ich weiss es nicht, weiss schon lange nicht mehr wie es in ihr aussieht.

      Habe über Umwege erfahren, dass auch sie um der Mutter Krankheit weiss, habe aber keine Ahnung ob sie auf das geschaut hat was es mit der ganzen Familie gemacht hat.

      Ich habe es für mich geklärt – um mehr ging es mir nicht. So wie ich meinen kann auch sie nur den eigenen Weg gehen.

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    1. Ja, auch bei eng verbundenen Menschen, sei es durch Familien oder gar Liebesbanden kann Trennung der einzige achtsame Weg sein…

      Dein letzter Satz klingt so nach..?.. Ich habe das hier für mich geschrieben, weil ich für mich einen neuen Weg brauchte. Wo du von „Grossmut“ sprichst sehe ich nur gesunde Achtsamkeit mir selber gegenüber.

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        1. Dort wo wir verstehen und annehmen können ist entschuldigen nicht weit.

          Entschuldigen – also ihr die Schuld nehmen für ihr verhalten, das kann ich.

          Ihr vergeben – also es vergessen, das kann ich noch nicht, habe noch das Gefühl es wach halten zu müssen damit es mir mit ihn nicht nochmal passiert. (nur ich habe nachgedacht, sie ja nicht)

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        2. Nur „denken“, nicht „fürchten“, ich brauche nichts fürchten was ich zu meinem Wohlsein beschlossen habe, ich brauche nichts fürchten was sich gut und richtig anfühlt.

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  4. „Es interessiert mich nicht … (mehr, was du tust)“

    Ich staune über Menschen, denen es gelingt, andere gedanklich aus ihrem Leben zu „verbannen“.

    Einem Menschen, dessen Interesse für mich jahrelang selbstverständlich war, habe ich diese Gleichgültigkeit nicht abgenommen, weil sie mich verletzt hat. Mein eigenes Einfühlungsvermögen verhindert solches Verhalten … getreu dem Motto: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg‘ auch keinem anderen zu.“

    Deiner Schwester scheint die nötige Empathie zu fehlen, um aus dem altem Rollenspiel auszubrechen und ihre Position jenseits des Goldkinds neu zu bestimmen. Deshalb bleib achtsam und pass‘ auf dich auf.

    Traurigerweise kenne ich einige Geschwisterkonstellationen, in denen es den Betroffenen nicht gelingt, einen „erwachsenen“ Umgang miteinander zu pflegen 😦

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    1. „Ich staune über Menschen, denen es gelingt, andere gedanklich aus ihrem Leben zu „verbannen“.“

      Es ist genau wie Freundschaft, nur anders herum. Es beginnt mit einer Entscheidung, es folgen das Abhanden kommen von Kontakt, von Wissen, es wird zum „aus den Augen, aus dem Sinn“ und wenn auch irgendwo zufällig eine Information den Menschen betreffend durchkommt macht sie keinen Sinn weil sie irgendwann auf nichts mehr aufbaut. Wenn du einmal die Entscheidung getroffen hast geht es ganz leicht, das Schwierige ist der Weg zur Entscheidung.


      Es ist fatal, gerade bei Gefühlen von sich auf andere zu schliessen…

      “ bleib achtsam und pass‘ auf dich auf.“

      Ja, das tue ich. Mir ist sehr bewusst, dass nur ich hier einen Schritt gemacht habe, mir ist sehr bewusst, dass sie noch genau dort steht wo sie gesagt hat, dass es sie nicht interessiert wo sie mir weh tut.

      „Traurigerweise kenne ich einige Geschwisterkonstellationen, in denen es den Betroffenen nicht gelingt, einen „erwachsenen“ Umgang miteinander zu pflegen :(“

      Wenn du unter die Fassade schaust, dann ist das sehr oft der Fall. Geschwister bilden sich Bilder von einander ehe sie erwachsen sind und bleiben meist darauf sitzen.

      Sie schauen mit 50 noch immer durch die Augen der 14 Jährigen auf die grosse 17 Jährige die mit ihren 53 durch die Augen einer 14 jährigen auf ein 11 jähriges Kind im 50 jahre alten frauen körper steckt schaut.

      Wir haben viel zu selten den Mut unsere Bilder zu hinterfragen und zu erneuern und wir haben viel zu selten die Chance zeigen zu dürfen wer wir geworden sind.

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  5. Mehr als zeigen kannst Du ihr nicht, was Du erkannt hast. Wenn sie nicht sehen will, wird sie es auch nicht sehen können. Und selbst, wenn sie es wollte, ist es noch zweifelhaft ob sie es können würde…….

    Vielleicht gab es für sie nie einen offensichtlichen Grund zu hinterfragen was war….vielleicht hat sie ihre Art des Erleidens nie erfassen können…..über andere gestellt zu werden, ohne dem gewachsen zu sein……

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    1. Ich habe die Angelegenheit mit ihr für mich geklärt, nur für mich, nicht mit ihr zusammen.

      „Mehr als zeigen kannst Du ihr nicht, was Du erkannt hast.“
      Nein, ich bin noch nicht so weit es ihr persönlich zeigen zu können.

      Wie ich sie kenne/kannte liesst sie hier seit sieben Jahren mit.

      Zu einem weiteren Schritt bin ich zur Zeit nicht fähig.

      Wer weiss was sich aus einer Begrüssung ergibt…

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      1. Nicht jeden Schritt muss man gehen können und wollen.
        Du bist für DEINEN Seelenfrieden zuständig.
        Gut möglich, dass ihr nicht gefallen würde, dass Du dazu fähig bist, ihn zu erreichen,- nicht, wenn sie selbst es nicht auch kann…und dafür spricht wenig.

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