Adventskalender 1. Türchen – Willkommen in meinem Büro

Liebes Du,

„Eine Tür macht nur Sinn wenn sie in einen Raum führt“ schrieb ich in meiner Bitte an dich um einen Ort.

Da mir so viele Orte geschenkt wurden, dass mir Frei-Räume bleiben, möchte ich dich heute in mein „Büro“ einladen.

Ich schaute um mich und fragte mich was ich dir darüber wohl erzählen könne…
Ich sitze in meinem Büro, ein großes Wort für diesen kleinen Raum. Mein Schreibtisch besteht aus dem Eisengestell einer Singer Nähmaschine, darüber eine Holzplatte. Mir gegenüber geht ein 3,60 Meter breites Fenster von Wand zu Wand. Links steht ein großer, schwerer Sessel in den ich dich einlade Platz zu nehmen. Zu meiner Rechten und hinter mir 6 stöckige Regale, das meiste Bücher, von Allende Isabel bis Zweig Stefan.

Bücher, ja, da habe ich mein Rückblickthema. Zum ersten Mal sind es weniger als im Vorjahr. Fast zwei Meter aneinander gereihte Bücher sind schon weg und weitere werden folgen. Es macht keinen Sinn mehr für mich Bücher auf zu bewahren von denen ich sicher bin, dass ich sie nie wieder lesen werde. Nein, ich habe nicht die behalten von denen ich weiß, dass ich sie wieder lesen werde, es sind die gegangen von denen ich sicher wusste, dass ich mit dieser Art Literatur meine Zeit nicht wieder verbringen möchte.

Ich bin das was ich mir zuführe. Den meisten Menschen ist das völlig einleuchtend wenn es ums Essen geht, für die Gehirn Nahrung ist es gleich. Wie sollen sich positive Gedanken bilden wo nur negatives zu gefüttert wird? Also gingen ein Teil aus der „Mord und Totschlag“ Abteilung. Ein anderes Kriterium war mich nicht mehr, ich nenne es mal, „zu Pilchern“ zu lassen.

Es war ein zaghafter Anfang und ich habe das Gefühl, jetzt, wenn ich hier wieder schließe ist der genau richtige Moment damit weiter zu machen. Einen Meter nehme ich mir vor.

Das ist irgendwie ein Meter meiner Vergangenheit den ich gehen lasse (Danke, Jo, fürs „Loslassen“ in meinem Koffer), und es ist ganz sicher ein Meter Freiraum für Zukünftiges.

Danke fürs bei mir sitzen,

Bisou

16 Kommentare zu „Adventskalender 1. Türchen – Willkommen in meinem Büro

  1. Toll! – Loslassen kann eine wunderbare Erfahrung sein!!!

    Mit meiner Frau gemeinsam besaß ich einmal etwa viertausend Bücher; jetzt, für mich, lebe ich mit cirka einhundert Büchern, die ich auch noch weiter schrumpfen werde.

    Auch bei anderen Dingen wäre es wohl gut loszulassen…Es lebt sich besser…

    Liebe Grüße,

    Frank

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    1. Als ich vor zwei Jahren umzog glaubte ich schon viel losgelassen zu haben, heute weiss ich: es geht bedeutend mehr.

      Irgendwann stellte ich fest, dass Materielles und Geistiges Loslassen Hand in Hand gehen.

      Ja, es lebt sich besser.

      Dir, Frank, einen schönen Tag

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  2. *nachdenklich und schmunzelnd noch ein wenig in deinem Sessel verweile … Ballast abwerfen würde ich gerade gerne säckeweise!

    Mein Turm(büro) verwaist seit Monaten. Stapel mit Plänen, Zeitungen und Prospekte versperren mir den Weg zum PC, liegen in Regalen und auf Schränken. Heute Morgen habe ich begonnen, diese Sammlung auf Bedeutung und Aktualität zu prüfen und auszumisten.

    Bis ich in ein paar Monaten meine Kisten packe, werde ich hoffentlich noch einiges mehr als „nicht mehr wichtig“ zurück- und loslassen können.

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    1. *zu dir rüber schaue

      Dann tu’s doch 😉

      Ein Umzug ist das was ich „die“ Gelegenheit nennen würde, aber die Gelegenheit haben wir jeden Tag.

      Raum frei machen schafft auch Frei-Räume im Kopf

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  3. Hat mich gefreut, zu sitzen!

    Ach hier gibt es etliche „Meter“ zu lesen, bei unserem Zusammenzug hatten wir erstaunlicher Weise einiges doppelt, das kam dann weg. Normal fällt das hier schwer, abzugeben. Wobei sehr viel Fachliteratur der Liebsten dabei ist.

    Geistige Nahrung ist genau so wichtig wie körperliche. Und genau so breit aufgestellt, thematisch.

    *pilchern* 😀
    Kam und kommt nicht in`ne Schränke.

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    1. „zu plichern lassen“, die betonung liegt auf „lassen“. Meine Schwiegermutter beschenkte mich damit. Ich konnte damals keinen Buchstaben ungelesen lassen und Bücher weggeben noch weniger.

      Wollte hier hinein schreiben, dass ich gestern Abend einen Meter geschafft habe und dann überkam mich ein Gefühl von „es geht noch mehr“ – jetzt sind es über zwei Meter 🙂

      Fühlt sich gerade „Leicht“ an 🙂

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  4. lächelnd Dich anschaue: bin auch bei der Bücherentsorgung. Ich werde die Zeit nutzen, in der ich mich noch stark genug fühle, um Ballast abzuwerfen. Ich hoffe, dass ich es zeitig genug begriffen habe, dass der Tag kommen wird, an dem die Frage steht: der Ballast oder ich. Meine diesbezüglichen Entscheidung möchte ich so frei wie möglich treffen. Deshalb treffe ich sie jetzt und selbst.

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    1. … ob das ansteckend ist?

      Irgendwann werde ich vielleicht keine Treppe mehr gehen können, dann muss alles hier unten passen

      Irgendwann werde ich vielleicht nur noch ein einziges Zimmer haben und auch da wird alles hinein passen.

      Im kleinsten Raum, in der Kiste, da möge man mir meinen Teddy mit ins Krematorium geben.

      Das Leben ist wie eine Heissluftballonfahrt, wer weiter fliegen will, der muss Ballast abwerfen.

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      1. „..wer weiter fliegen will, muss Ballast abwerfen…“
        Ich würde wohl eher sagen – wer weiterhin fliegen will – aber dieser Satz hat mich bisher beim rückwärtslesen aller Türchen so angesprochen das sich ein Kommentar nicht aufschieben ließ *lächel.
        Auch ich habe heute angefangen abzuwerfen.
        Wobei ich im moment eher ‚innerlich‘ abwerfe, so nach und nach.
        Ok, wenn ich an den Berg Haare denke die heute den Weg alles irdischen gingen dann auch äußerlich;D
        Aber es fühlt sich verdammt gut an!

        Viele deiner Türchen haben mich angesprochen, danke dafür.
        heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder, keine Frage.;)

        Hab dich lieb und bin dankbar das du einen Platz in meinem Herzen einnimmst.

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