Von Familie und Platz XI

Die drei letzten fanden dann in einem Zug ihren Platz auf dem Blatt.

Auf der Rechten Seite, dicht bei einander – mehr hatte ich mir dabei nicht gedacht.

Papa, ein Geschwisterkind und ich bilden ein Dreieck. Die Seiten scheinen gleich lang, die Spitze bildet Papa unten. Die Schwester und ich auf gleicher Höhe.

Auf den ersten Blick erschien es mir ein harmonisches, gesundes Bild im Bild doch der schein trügt.

Aufs Ganze gesehen gibt es eine große Diagonale. Oben links Bruder, dann die Mutter, entfernt davon ich selber und am anderen Ende Papa.

Bruder und Mutter teilen ein Krankheitsbild, er hinter ihr, eine Stelle an die ich nicht sehen kann, nicht sehen brauche, nicht sehen will.

Papa hinter mir, ich fühle, ich stehe da wie ein Schutzschild vor ihm, die ältere Schwester muss dicht an mir vorbei um an ihn dran zu kommen, lediglich die jüngere hat freien Zugang zu ihm.

Wie fühlt es sich an Papa gegenüber so zu stehen? Richtig.
Ich erfahre ihn durch seine Krankheit als Schutzbedürftig.

Welchen Anteil an diesem Fühlen hat seine Krankheit, welchen habe ich?
Welche Rolle spielt hier meine Angst, dass sie ihm bei einem erneuten Schlaganfall wieder keine Hilfe rufen?
Ist er als Kranker nicht freier den Anderen Gegenüber als er je gewesen ist?

Wie fühlt es sich nach diesen Fragen an Papa gegenüber so zu stehen? Falsch.

Ich darf ihn aus dieser Achse heraus lassen.

Lieber Papa,

viel zu lange habe ich dich als schwach angesehen. Was auch immer der Schlaganfall an Behinderung für dich mitgebracht hat, er brachte dir auch eines, eine nie gekannte Freiheit.
Ich möchte dich mit dieser neu gewonnenen Eigenschaft annehmen und respektieren. Du brauchst mich nicht als Schutzschild. Ich darf dir Begleitung sein, darf dir Hilfe geben wo du sie brauchst, meine Bevormundung brauchst du aber mit Sicherheit nicht.

Wenn deine Schritte auch immer kürzer werden, es ist schön neben dir gehen zu dürfen.

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2 Kommentare zu „Von Familie und Platz XI

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