Von Schuldgefühlen

Hund beißt Sohn – Hundebesitzer hat Schuldgefühle

Hundebesitzer und Tochter bringen Sohn in die Notaufnahme, dort stürzt der Hundebesitzer und zieht sich eine schwere Gehirnerschütterung zu.
Sohn meint später lächelnd: „Wenn du Schuldgefühle wegen der Bisse hast, dann müsste ich welche wegen deiner Gehirnerschütterung haben, dann sind wir doch quitt und können es vergessen.“

Tochter bewegt sich in der Notaufnahme zwischen beiden Patienten, wäre gerne ganz für jeden da gewesen, das ist aber nun mal unmöglich – Tochter hat Schuldgefühle

Zum entlasten der drei, stricke ich eine phantasievolle Kette von Verstrickungen und verkünde scherzend: wenn jemand Schuld ist, dann meine kleine Schwester. Als ich es ihr später lachend erzähle, gesteht sie mir sie habe es genau so gedacht und trage Schuld sowohl am Hundebiss als auch an der Gehirnerschütterung. – Schwester hat Schuldgefühle

Drei Menschen mit Schuldgefühlen.

Hätte ich, wie sonst immer, die Türe abgeschlossen wäre keinem etwas passiert. So bin auch ich irgendwie schuld, aber ich habe keine Schuldgefühle. Warum eigentlich nicht?

Zu Zeiten von Miss Perfect hätte ich mir bestimmt alle Schuld aufgeladen und mich den Verletzten gegenüber schlecht gefühlt. Damals durfte ich keine Fehler machen und jeder noch so kleine Fehler musste bestraft werden. Als Mensch der Fehler machen darf gehe ich nicht so hart zu Gericht mit mir und den anderen. Wie mein Sohn kann ich es als Verkettung unglücklicher Umstände sehen.

Ein zweiter Punkt der meinen Sohn und mich von den anderen unterscheidet ist, dass wir nicht länger als notwendig in der Vergangenheit verweilen. Wo die anderen noch in Schuldgefühl (hat das was mit Selbstmitleid zu tun?) wanderten waren wir als lösungsorientierte Menschen schon längst der neuen Situationsgerecht am planen und umorganisieren.

Fußt Schuldgefühl zum großen Teil in Ansprüchen an sich selber, sprich Selbstwertgefühl und Sichtweise auf Vergangenes?

5 Kommentare zu „Von Schuldgefühlen

  1. „Fußt Schuldgefühl zum großen Teil in Ansprüchen an sich selber, sprich Selbstwertgefühl und Sichtweise auf Vergangenes?“

    Fußt es in der Selbsteinschätzung, ich hätte es verhindern sollen, können, müssen? Ich wäre überhaupt in der Lage, IMMER voraus zu sehen und zu verhindern, was geschieht? Ja, ich denke, dass das auf Sichtweisen beruht, die einem Menschen als Kind beigebracht wurden,- wie auch immer…..
    Dieses Denken führt dazu, sich klein, hilflos und unfähig zu fühlen? Und abgesehen davon steckt eine nicht bewusste Aroganz dahinter, eine Überschätzung der eigenen Fähig- und Möglichkeit.
    Sich schuldig fühlen, wird oft als Demut angesehen…..ist es nicht eher unwissentliche Selbstüberschätzung.

    Und ich meine jetzt nicht, seinen Anteil an einem Geschehen betrachten, falls es noch was bringt, die Verantwortung dafür zu übernehmen und vor allen Dingen, daraus zu lernen.

    mea culpa….und sonst gar nichts, hat noch nie jemanden, irgendwie, geholfen.

    lächle….der Teil mit der Aroganz….wenn jemand gar nicht von (s)einer Schuld ablassen will….sprich: Opferhaltung bewahren…wenn man ihm das mal unter die Nase hielte….das würde doch gar nicht in sein Konzept passen……

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    1. „Ja, ich denke, dass das auf Sichtweisen beruht, die einem Menschen als Kind beigebracht wurden“… die wir aber als Erwachsene überprüfen dürfen 🙂

      „lächle….der Teil mit der Aroganz….wenn jemand gar nicht von (s)einer Schuld ablassen will….sprich: Opferhaltung bewahren…wenn man ihm das mal unter die Nase hielte….das würde doch gar nicht in sein Konzept passen…“

      Meine kleine habe ich gefragt wo jetzt genau die Stelle sei sie über zu schneiden, habe ihr verschiedene „Lösungen“ vor Augen geführt, auch wie eklig die Schnittseite sei und wohl kaum zuträglich zur Genesung der Patienten… etc. bis sie mit mir lachen konnte, dann bin ich mit ihr zu den beiden und habe ihnen von ihren Schuldgefühlen erzählt, beide haben sie einfach nur gelobt für ihr Handeln und Sein und sie konnte es dann auch annehmen.

      Beim Hundebesitzer und dem Schwesterchen habe ich getan was „doch gar nicht in sein Konzept passt“, ich habe ihnen Blasphemie Vorgeworfen, gefragt wie sie es sich anmassen können sich Gott gleich zu stellen etc. in sehr humorvoller Art, aber mit Nachdruck, nannte es auch Aroganz… aber so dass nach dem ersten Wehren sie mit mir lachen konnten.

      Ich glaube Menschen übers Lachen Dinge näher zu bringen ist eine meiner Gaben – es ist schön mich beim Schreiben zu entdecken.

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      1. Menschen seine Meinung so sagen zu können, dass sie einer, ihnen unbekannten, Sichtweise näher treten möchten, ist eine sehr wertvolle Gabe. Sie dabei noch zum Lächeln zu bringen, spricht für große menschliche Reife, für Herzenswärme und ist einfach schön.

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  2. Schuldgefühle

    Könnte man ja auch vielleicht anders definieren: Schuld an meinen Gefühlen?

    Ja klar bin ich immer selbst schuld an meinen Gefühlen.

    Nun aber was Anderes: Ich habe Schuldgefühle- leider werde ich sie auch nicht los, denn ich weiß ich habe Fehler begangen, aus denen Dinge hervorgehen (gingen) die mir immer noch leid tuen. Ich versuche es nun besser zu machen, aber wann immer ich wieder sehe, dass mir die Vergangenheit folgt, sind die Schuldgefühle wieder da….und ja:NUR ich bin schuld, dass ich diese Gefühle habe

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    1. Du hast einen Fehler gemacht und ihn eingesehen.
      Dann hast du doch auch gesehen, dass dieser Fehler nur passieren konnte weil die Informationen fehlten die du heute hast.

      Hast du damals nach bestem Wissen und gewissen gehandelt?
      Wenn ja, dann „entschulde“ dich, du konntest zu dem Zeitpunkt, unter den Umständen nicht anders handeln… sonst hättest du es getan.

      Schaue auf meine Sätze und schaue jetzt auf dein „Schuldgefühl“, brauchst du es noch? Es gibt keinen Grund für Selbstmitleid und es gibt keinen Grund dich selber zu strafen.

      Du bist dein eigener Richter, sprich dich frei.

      „Ja, ich habe es getan, ich konnte damals nicht anders. Ich nehme die Folgen meiner Tat auf mich, nicht als Last sondern um daraus zu lernen. Ich bin frei von Schuld“

      Schaue mal genau hin wie du und die betroffenen Menschen sich seitdem entwickelt haben… ich wette du erkennst Grund zur Freude 🙂

      (das alles natürlich vorausgesetzt, dass du nicht wissentlich dir selber und anderen hast Schaden wollen)

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