Genau wie – Part 3

Einer der verletzendsten Sätze die ich in all den Jahren von meinem Mann hörte war „Du bist genau wie deine Mutter“.

Heute könnte mir damit niemand mehr weh tun.

Ja, ich bin ihr im Gesicht sehr ähnlich, aber die Ausstrahlung ist eine ganz andere.

Ja, ich habe viele ihrer Eigenschaften, aber ich nutze sie anders.

Befreiendes Wissen.

18 Kommentare zu „Genau wie – Part 3

      1. Ich kenne Menschen, die solches mit einem guten Gefühl von sich aus sagen, nicht als Clon ihrer Erzeuger, sondern in Kenntnis so mancher Ähnlichkeit.

        Mir selbst sind beide Seiten der Medaille vertraut. In dunklen Jahren sah ich mich als Schatten meines Vaters und habe mich dafür gehasst. Heute kann ich gewisse Neigungen schlicht annehmen und einiges gereicht mir auch zum Vorteil.

        Wer was behauptet, kann unterhaltsam sein oder zum Nachdenken anregen, die Zeit, in der mich das treffen konnte, ist vorüber. Gott sei Dank.

        Psychische Erkrankungen…lange war ich mit einer Betroffenen liiert. Sie hatte ihre passenden medizinischen Titel, aber ich habe es nicht wirklich vermocht, zu trennen zwischen den Teilen, die zweifelsfrei ihrem Charakter zugehörig waren und jenen, „krank“ zu nennenden Anteilen. Vielleicht geht das auch nicht wirklich, zumal, wenn man so dicht dran ist an einem Menschen.

        Möglicherweise geht es Kindern ihrem betroffenen Elternteil gegenüber ähnlich…

        Lieben Gruß, Reiner

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  1. Dass dich das so verletzt hat, ist eine Sache des fehlenden Selbstbewußtseins, das du dir offensichtlich inzwischen erstritten hast. Erwachsenwerden bedeutet ja sich aus der Eltern-Kind-Beziehung zu emanzipieren, sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit zu entwickeln. Ich vermute, dass es dich deswegen so verletzt, weil dieser Satz dir unterstellt, dass dir diese Ablösung nicht gelungen ist und nicht „inhaltlich“, weil du das, was deine Mutter verkörpert, ablehnst.
    Ich und meine Schwester erlebt das auch für sich, entdecke mit zunehmenden Alter immer mehr Verständnis für meine Mutter und doch mehr Gemeinsamkeiten als gedacht. Aber vermutlich gehört auch das zum ERwachsenwerden dazu, diese Tatsache zuzulassen.

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    1. Ich musste nicht nur aus einer normalen Eltern-Kind-Beziehung heraus sondern auch aus der Beziehung zu einer psyschich kranken Mutter, und ja, du hast recht, ich sah nur schlimme, schlechte Eigenschaften.

      Das „Verständnis“ für meine Mutter fusst nicht in erlebtem sondern in der (viel zu späten) Kenntniss ihrer Krankheit und deren Folgen für ihre Kinder.

      „Verständnis“ deshalb zwischen „“ weil es eher ein langsames „Verstehen“ ist. Bin dabei noch zu sehr mit mir selber beschäftigt um mich ihr zu widmen.

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      1. „Kenntniss ihrer Krankheit und deren Folgen für ihre Kinder“ – ich hoffe, du kannst das nicht nur „verstehen“ sondern ihr hoffentlich auch verzeihen.
        Dieser Gedanke kommt aus meiner eigenen Erfahrung, da ich meinen Kindern auch einiges zugemutet habe, weil ich für einige Zeit auch komplett neben der Spur war. Es tut mir schrecklich leid, aber ich war damals nicht in der Lage, Besseres abzuliefern. Meine Kinder wissen das und ich bin wirklich glücklich darüber, dass sie mir das verzeihen und nichts zwischen uns steht.

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        1. Was du von dir beschreibst kenne ich von mir selber.

          Wenn ich von meiner Mutter rede, dann spreche ich von einer kranken Frau die so ist, die ich nie anders kennen gelernt habe.

          In meinem Kopf ist mitlerweile ein klares „Sie konnte nicht anders“. Wenn ich irgendwann in Richtung Vergebung gehe, dann um meinetwillen, nicht für sie.

          Noch ist aber keine rede davon, ehe ich irgendwas vergebe muss ich wissen worum es geht, das zeichnet sich noch nach und nach.

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        2. Wenn du sagst, dass du deine Mutter nicht anders kennst, wird sie vermutlich auch nicht sehen und selbst verstehen können, was sie getan hat, geschweige denn irgendeine Konsequenz daraus ziehen. Verzeihen ist hier tatsächlich nur für dich, damit du den Frieden findest. Manche Dinge kann man auch einfach stehen lassen, weil sie eben nicht (mehr) zu ändern sind und beim Puzzle des Verstehens meist doch Stücke fehlen um das Bild vollständig zu machen. Wichtig ist das Jetzt und die Zukunft. Und bei allem, was dir in deinem Leben schon angetan wurde, ist keine gebrochene, sondern eine selbstreflektierte, sensible, immer stärker und selbstbewußter werdende Frau geworden …. das ist phantastisch!

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        3. und dafür sei dir anerkennend auf die Schulter geklopft, denn das ist abgesehen von irgendwelchen Positiv-Überlebensgenen sicher deine ureigene Leistung!

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        4. Menno, tststs.

          Alte Muster… aber zumindest erwische ich mich dabei.

          Ja, es ist meine ureigene Leistung und ich freue mich über deine anerkennenden Worte. 🙂

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  2. „Einer der verletzendsten Sätze die ich in all den Jahren von meinem Mann hörte war „Du bist genau wie deine Mutter“.“

    Ich weiß von Deiner Geschichte, bisou….. doch was Du vielleicht nicht weißt, dass dieser Satz auch mich verletzt. Und lange Zeit habe ich mich gefragt weshalb. Denn dafür sah ich gar keinen Grund. Ich hatte eine liebevolle und gute Mutter. Heute weiß ich, weshalb. Sie war mir ziemlich wesensfremd…..und deshalb möchte ich ihr auch heute noch nicht gleichen,- vielmehr weniger als je. Und dennoch habe ich sie geliebt. Manche Dinge schauen wirklich seltsam aus. Doch sie sind, wie sie sind.

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