Ich trage einen Namen

Ich trage einen Namen

Wann immer sie es umgehen kann benutzt die Mutter ihn nicht.  „Die da“, „das Kind da“, „die mittlere“, „die eine“…  Nicht einmal einen Pronomen gibt es für mich, kein „ihr“ sondern ein „der“.  Hundert Gelegenheiten am Tag mir meine Wertlosigkeit vor Augen zu halten.  Das ist so normal in der Familie, dass meine Geschwister, in der Kindheit, es ihr gleich tun.

Meine ältere Schwester trägt einen Hebräischen Namen und meiner beginnt mit dem gleichen auf Französisch.  Im Blumenladen, der Verkäufer schaut mich an, lächelt und schenkt mir eine Rose weil ich doch Namenstag habe.  Meine Mutter nimmt sie mir weg und sagt: „Nein, M… steht die Rose zu“ und gibt sie ihr.  Der Verkäufer (der offensichtlich kein Hebräisch konnte) schaut völlig verdutzt und schenkt mir eine neue… die dann „versehentlich“ zerdrückt wurde.

Ein Name, er soll der Identifizierung und Individualisierung dienen.  Sollte genau das verhindert werden?

„Mama, ich bin kein dir gehörendes Etwas“

Ich trage einen Namen.

Marie-Rose

16 Kommentare zu „Ich trage einen Namen

  1. Ist das seltsam, dass sie Dir so einen schönen Namen gegeben, und ihn dann nie benutzt, hat? Ob es dafür eine Erklärung gibt?

    Irgendwie kommt mir das absurd vor. Ich vermute nur, dass es nicht absurd ist….nicht für sie jedenfalls.

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    1. Naja, ich trage den Namen den die ältere Schwester schon hatte (Individualität wo bist du?) und den meiner Patentante – die sie nicht mochte, aber es gehörte sich halt so die Namen der Paten zu tragen.

      Und warum nicht einen schönen Namen, den hat SIE ja ausgesucht, dafür wurde sie gelobt, passt doch.

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      1. „Naja, ich trage den Namen den die ältere Schwester schon hatte“

        …………Du hast schon jede Menge Altlasten am Halse…
        Du meinst jetzt aber nicht, Du hast den Namen, einer verstorbenen, älteren Schwester erhalten?….alarmiert gucke

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        1. Hab noch mal gelesen und das jetzt so verstanden: das ihr beide Marie heißt (in unterschiedlichen Sprachen) und Du noch Rose nach Deiner Patin. Ich vermute Du hast vom Thema Familienstellen schon mal gehört?
          Ich war an einer Aufstellung beteiligt…… die folgendes ans Tageslicht brachte: eine Familien-Tragödie war dadurch entstanden, weil ein Zwilling, den Namen, der seinem Zwillingsbruder zugedacht worden war, bekam, weil dieser kurz nach der Geburt starb…..bis dahin hatte ich keine Ahnung, wie wichtig der Name ist. Deshalb habe ich so alarmiert geguckt.

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  2. Den Eltern die erfahrenen Lieblosigkeiten zu verzeihen – eine Lebensaufgabe. Frieden finden gerade mit dem gleichgeschlechtlichen Elternteil ist der Schlüssel zum inneren Frieden. Der Zusammenhang scheint nur abstrakt…

    Ein schöner Name, dein Name, Marie-Rose.

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    1. Den Frieden mit ihr zu finden bezahle ich gerade damit meinen inneren für eine Weile verloren zu haben – aber es lohnt sich.

      Der Zusammenhang ist für mich keinesfalls Abstrakt

      Danke Reiner

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  3. Oh ich hatte nur die Überschrift gelesen….und mir fällt eine Menge dazu ein, aber besonders das Buch: Die Eleganz des Igels

    Wenn du lesen magst,da wird beschrieben was es macht beim Namen genannt zu werden /oder eben nicht.

    Auch sonst ein wirklich wundervolles Buch

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