Adventskalender 10. Türchen – Franziska oder weil ich es kann

Liebes Du,

ich komme gerade nach Hause, es ist nach Mitternacht, mir ist kalt, ich bin müde und aufgewühlt.

Als ich vorhin Franziskas Hand in meinen Händen hielt sind mir die Tränen aus den Augen gelaufen.  Ich sage bewusst nicht weinen weil es sich nicht so angefühlt hat, kein schluchzen und auch sonst kein Weinsymptom, eben nur die Tränen die die Wangen hinunter liefen und mir auf den Pulli tropften.

25 Jahre lang habe ich sie einmal im Jahr gesehen, wusste immer wie es ihr geht, dass sie irgendwann krank geworden ist, von den Op’s und von der Entscheidung der 78 jährigen keine weitere Therapien gegen ihren Darmkrebs zuzumuten.

Im März bot sich mir die Gelegenheit sie zu begleiten.  Im Normalfall, wenn wir uns entscheiden uns jemandem zu öffnen, wenn wir bereit sind in des anderen Leben vor zu dringen, dann tun wir das zwar mit dem Wissen, dass nichts ewig währt aber denken seltenst über das Ende der Beziehung nach und wenn schieben wir es gerne in weite Ferne.  In diesem Fall war das keine Option, hier war das Ende absehbar und es würde steter Begleiter sein. 

Ihrem Kind könnte ich in diesen Monaten auch zur Seite stehen ohne mich auf sie einzulassen, um der Freundschaft willen brauchte ich es nicht zu tun.

Ich habe mich lange gefragt weshalb ich mich entschieden habe ihren Weg mit ihr zu gehen und die schlüssigste Antwort die ich mir selber auf diese Frage geben konnte ist: „Weil ich es kann“

Als es letztens bei Lyra um den Sinn des Lebens ging schrieb ich ihr in den Kommentar: „Das sein was du bist und das tun was du kannst“.  Ich bin mir selber verpflichtet meine Talente zum Besten zu nutzen.

Ich habe mit Franziska sehr viele, sehr schöne, tiefe, bewegende, lustige, harmonische Stunden verbracht.  Halten, streicheln, knuddeln, küssen, wir redeten über das Leben und den Tod, fanden heraus, dass es auf Sarg Tiefe keine Würmer gibt und ihr kleiner Bodygard bei ihr bleiben will.  Unser Zusammensein war von Respekt und Sympathie getragen und mit der Zeit wuchs ein beiderseitiges lieb haben daraus.

Seit vorgestern sind ihre sonst so wachen Augen müde.  Es hat etwas meditatives ihrem Atem zu lauschen, dabei ihre Hand zu halten, sie zu streicheln.  Es hat etwas wohltuendes sie in Frieden mit sich selber zu wissen.  Alles ist gut.

Es hat mir gut getan dir zu schreiben, jetzt werde ich schlafen können.  Träume was schönes.

Bisou

17 Kommentare zu „Adventskalender 10. Türchen – Franziska oder weil ich es kann

  1. Das scheint mir hier ein gutes Beispiel für die Umschreibung von „Glück im Unglück“ zu sein.
    Sie hat sicher kein glückliches Dasein aber sie hat das Glück, im unabwendbaren, dich als ihren begleitenden Menschen zur Seite zu haben.

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  2. … in Gedanken bei dir und Franziska und ‚ganz nah‘ – ja!

    Seit Monaten denke ich daran, ob meine 82jährige Tante, zu der ich ein sehr herzliches Verhältnis habe, ihr Freundin und Vertraute und in gewisser Weise auch Tochter bin, ihren eigenen Lebensplan erfüllen kann und mindestens 88 wird 😉 Sie hat noch so viel vor und sie ist die letzte aus der vorigen Generation meiner Familie…. durch sie bleiben Erinnerungen lebendig.

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  3. auf anderem Wege erhalten:

    Je ne pense pas connaitre Franziska mais je suis sûre que si tu l’appréciais c’est que c’est qu’elle le méritait vraiment.
    Si elle avait pu te laisser un dernier message, juste avant de s’en aller elle t’aurait probablement dit “ DANKE“ und vergiss nicht „lebe im hier und jetzt“.
    Je ne sais pas si cela peut t’aider, mais mon expérience de plus de 25 ans avec des personnes en fin de vie m‘ appris certaines choses.
    La mort ne fait pas peur à l’être humain, c’est mourir qui fait peur. C’est l’inconnue du passage.
    D’où l’importance d’être accompagné.
    Par des médecins, infirmiers,… pour soulager la douleur physique quand j’ai mal, la faim quand je ne sais plus manger, la soif quand je ne peux plus boire, la chaleur insupportable quand mon corps ne peut plus régler ma température,…
    Par des êtres humains, tout simplement …pour écouter mes regrets et mes remords même si je ne demande pas qu’on les supprime(sans eux, je ne serais pas moi),
    pour entendre mes angoisses et mes peurs mais surtout pas pour qu’on les partage avec moi
    Pour faire part de mes inquiétudes: … ceux que je laisse derrière moi, leur tristesse, leur désarroi …. et tout ça à cause de moi. c’est qu’en plus, je me sens coupable de mourir.

    être là, dans ces moments de questionnement, de doute,… être là pour aider au passage est le plus beau cadeau que l’on puisse faire à l’autre.

    Je sais ce qu“elle essaye de te dire mais que tu n’es pas encore prête à entendre.
    Merci !
    Ne pleurez pas ,Je vais bien maintenant,
    laissez- moi rejoindre la lumière en sachant que vous allez bien aussi
    Et puis… on se reverra un jour.

    bisou ma petite BISOU

    PS svp partages ces moments avec moi. Sinon, je sert à quoi moi ;(

    Jo

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