"… und ich bin es auch nicht."

 

Ich schreibe hier als Metapher weil ich es mit anderen Worten nicht kann.

Immer wenn die Mutter mit zweien ihrer vier Kinder zu tun hatte rümpfte sie die Nase, wand das Gesicht angeekelt ab oder hielt sich ganz offen die Nase zu. So war für das kleine Mädchen von Beginn an offensichtlich, dass, auch wenn sie ihn nicht wahrnehmen konnte, von ihm ein übler Geruch ausgehen musste. Viel Zeit verbrachte sie mit der Suchte nach dessen Quelle… die sie nie fand. Viel Zeit verbrachte sie damit sich zu waschen und zu parfümieren doch, nichts schien zu helfen.

Lange war die Mutter der einzige Mensch der ihr gegenüber so reagierte, aber eine Mutter irrt nicht. Das Kind entwickelte Strategien wie z.B. in der Nähe dieser Frau immer nur im Windschatten zu stehen oder ausreichenden Abstand zu halten.

Mit fast 20 begegnete ihr ein Mensch der genau wie die Mutter auf sie reagierte und nach 20 weiteren Jahren ein weiterer. Immer dann wenn sie geglaubt hatte ihrer Mutter weit genug zu sein um sie nicht an zu stinken, trat jemand in ihr Leben der ihr genau wie sie gegenübertrat.

Immer wieder dieses waschen, parfümieren, im Windschatten stehen. Immer wieder dieses Wissen üblen Geruch aus zu strahlen, die Quelle suchend, sie nie findend.

Und dann, eines Tages, stellt sich heraus, dass die Reaktionen dieser drei Menschen durch eine ihnen gemeinsame Krankheit hervorgerufen werden und somit plötzlich das Wissen nicht zu stinken, nie gestunken zu haben.

„… sie konnten nicht anders damit umgehen… (sie) sind nicht böse… und ich bin es auch nicht“ schrieb ich in meinem letzten Beitrag.

Ich bin nicht böse.

Ich war kein böses Kind, an mir gab es nichts das bestraft oder gehasst werden musste.

Mit mir ist nichts böses, schlechtes heran gewachsen.

Ich bin kein böser Mensch, an mir gibt es nichts das bestraft oder gehasst werden muss.

Auf der einen Seite befreiend, entlastend.

Auf der anderen sehr bewegend, verwirrend…

Wie viel Zeit habe ich in meinem Leben damit verbracht heraus zu finden was das Böse an mir war, heraus zu finden wofür ich bestraft oder gehasst wurde, wie viel Energie habe ich daran gesetzt das nicht perfekte aus zu rotten, noch braver und in allem besser zu werden.

Unendlich viel Zeit und Energie habe ich an etwas nicht Existentes verschwendet.

Auch wenn die Versuchung da ist, ich werde sie jetzt nicht daran verschwenden darüber nach zu denken was gewesen wäre wenn das Kind anders hätte aufwachsen dürfen.

Ich brauche meine Kraft mir selber immer wieder vor Augen zu führen, dass ich fast ein halbes Jahrhundert mit einem Irrglauben gelebt habe. Vermutlich sollte „ich bin nicht böse“ mich als Mantra begleiten bis es mir zur Gewissheit geworden ist, bis ich mich selber von der Last der Schuld befreit habe.

Ich ahne, dass viel Arbeit auf mich zukommt aber es ist der Weg Kapitel meines Lebens in Frieden mit mir selber ab zu schließen.

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15 Kommentare zu „"… und ich bin es auch nicht."

  1. Angebot fürs Mantra… statt „ich bin nicht böse“ ein „ich bin gut so wie ich bin“.

    Gerne können wir es beim nächsten Treffen zusammen singen… 🙂

    Im Wald… ganz laut… und wieder ganz leise… während wir uns selbst umarmen.

    Wenn du wüsstest, wie gut ich dich verstehe…

    Zu diesem Blog bringe ich dir zum nächsten Treffen eine CD mit.

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    1. Du hast recht, es taugt erst zum Mantra wenn es positiv formuliert wird und ja, ich singe es gerne mit dir 🙂

      Ganz laut und ganz leise, während ich mich und während ich dich umarme.

      Danke für das Lied und danke fürs verstehen.

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  2. durch dieses denken deinerseits ,bist du aber auch dieser mensch geworden der du heute bist ,es hat immer alles seine vor-und nachteile ,aber ein lernproßes auf alle fälle ……. im übrigen ich habe selten so gut duftende menschen erlebt wie dich ,ich kann dich mehr als nur gut riechen !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    …………………….ALLES WIRD GUT!!!……………………

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      1. Es mag sich traurig für euch anfühlen, aber das tut es nur wenn ihr den Blick auf das Vergangene gerichtet lasst.

        Schaut auf die Veränderung und freut euch mit mir auf den neuen Weg, auf das neue Wissen und Fühlen 🙂

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  3. du bist ein Geschenk du bist du, ein wunderbarer Gedanke (Gottes) und etwas Besonders noch dazu…

    Fällt mir gerade ein…(singt der Jugendchor in unserer kleinen Kirche manchmal!)

    Man muß nicht jeden Menschen „riechen können und sich mit jeden verstehen“ es ist schon oft super schwer sich selbst zu verstehen(denke ich-gerade beim Lesen hier bei Dir)

    Du bist Du….danke, dass Du das hier schreibst:-)

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    1. „Du bist Du“

      Ich bin ich… und dieses Ich ist mal wieder im Wandel

      Bin beim Schreiben hier sehr neugierig auf das was das „ich“ im Laufe der Zeit noch werde

      Schön dich mit mir unterwegs zu wissen.

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  4. fast 50 jahre, ok, eine lange zeit, aber es spielt keine rolle mehr, denn es liegt im vergangenen, JETZT ist dir bewusst, es lag nicht an Dir. Wenn Dir also in der Zukunft nochmals solch ein Mensch entgegentritt, dann kannst Du ganz anders damit umgehen.
    Du weißt dann. Er/sie kann nichts dafür und DU erst Recht nicht!

    Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern.
    „Die Last der Schuld“ Schuld wofür? Das Du es nicht früher erkannt hast? Befrei Dich von dem Gedanken. Da ist keine Schuld.

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    1. Es wird so lange eine Rolle spielen bis ich erkannt habe wo überall es mich betroffen hat.

      Als ich hier schrieb war mir zum Beispiel nicht bewusst in wie weit es mich in meinem eigenen Mutter sein beeinflusst hatte.

      Ich werde es mir so lange bewusst machen bis ich in allen Bereichen die sein kann die als die handelt die „nicht böse war und ist“… und ich finde täglich neue Baustellen.

      Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber ihre Folgen sind meine Gegenwart und an der kann ich arbeiten. 🙂

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