"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum"

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum.“

Nein, dieser Blog ist kein Irrläufer, wir schreiben den 13. März 2012 und es weihnachtet.  Ich sitze hier mit Weihnachtsmann Mütze, pardon, Weihnachtsfrau – sie hat links und rechts weiße Zöpfe mit rotem Band und habe „Oh Tannenbaum“ gesungen.

Nein, ich bin weder irgendwie gestört noch habe ich eine Zeitreise gemacht, es begann Ende Februar mit einem harmlosen: „Ich hätte nämlich gerne deine Adresse mal. Ich würde dir gern was schicken.“  Es folgte ein Zettel in meinem Briefkasten: „Ihr Briefträger hat heute versucht ihnen ein Paket zu zu stellen…“ und mit diesem fuhr ich heute Morgen aufs Postamt ihn gegen besagtes Paket ein zu lösen.

60 X 40 X 20 cm, mir wurde bange – das letzte Paket in der Größe enthielt gefühlte 20Kg Proviant und eben so viele Paar Socken – aber dieses war ganz leicht.  Ab in den Kofferraum damit und seine Existenz verdrängen um nicht bis zum Abend vor lauter Neugierde zu platzen.

Vorhin lag es dann vor mir.  Es war durch die Hände dreier mir lieber Menschen gegangen,  das alleine machte die braune Pappe schon wertvoll.  Ein Gitter aus Paketklebeband schützte den Inhalt.  Mit einem Messer bewaffnet wollte ich mich gerade geduldig daran machen es zu öffnen als mir einfiel, dass die meisten Menschen eine Kiste beim Verpacken auf dem Tisch stehen lassen, einmal herum gedreht und siehe da, auf der Unterkante reichte  ein Schnitt um es zu öffnen.

Da hatte wohl jemand einen Weg gesucht sein Altpapier zu entsorgen.  Zusammen gedrückte Zeitungen und Werbungen quollen mir entgegen.  Habe sie sorgfältig gefaltet und glatt gestrichen, wie sonst sollte ich sie lesen können, bis mir das erste Päckchen in die Finger kam.  Zehn waren es an der Zahl, festlich verpackt mit gekringelten, silbernen Schleifchen.  Ganz unten, was ja mal ganz zu oberst gewesen war, lag ein Brief.

„Vielleicht wirst du jetzt etwas überrascht sein, aber ich möchte heute mit dir Weihnachten feiern. (immerhin vor Ostern!  J ) …  Nimm dir etwas Zeit, vielleicht holst du dir auch noch einen lieben Menschen dazu der dich in deiner „Weihnachtsstimmung“ unterstützen kann.  … Viel Spaß und Ho Ho Ho, deine G-M“

Auf einem Tisch sollte ich mir Platz machen, die nummerierten Päckchen der Reihe nach öffnen und den beigefügten Anweisungen folgen.

Im ersten fand ich dunkelgrüne Filzsterne die ich auf der Glasplatte ausbreiten sollte und das tat ich.  Setzte mich hin und genoss das breite Lächeln welches ich wohl schon eine ganze Weile trug.  Neun verschlossene Geschenke lagen da noch, vielleicht könnte ich noch einen Schritt zurück in die Zeit und Adventskalender gleich  jeden Abend eines öffnen.

Meine Gedanken wurden durch ein Klingeln an der Tür unterbrochen.  Es war Pavel der fragen kam ob er mir einen der Bäume draußen österlich schmücken dürfe.  Innerlich musste ich lachen, da gibt es doch so ein Spruch… Auf seinen fragenden Blick hin erklärte ich ihm, dass da ein lieber Mensch mit mir Weihnachten nach feiern wolle.

Er erzählte mir, dass er bald aufbrechen würde den Jakobsweg zu gehen.  Wir hatten ein sehr schönes Gespräch über diese sechs Wochen die vermutlich sein noch junges Leben prägen würden, ich fühlte Verbundenheit und mir kamen G-M’s Worte wieder in den Sinn „… vielleicht holst du dir auch noch einen lieben Menschen dazu…“.  Da war er.  Ich hatte ihn nicht holen brauchen, das Leben hatte ihn mir geschickt.

Ich bat ihn das zweite Geschenk zu öffnen.  In einer kleinen Dose (deren Deckel garantiert nicht zufällig die Farbe meiner Kücheneinrichtung hat) lagen kleine Sterne, die einen Dick, die anderen flach und glitzernd „auf den Filzsternen verteilen!“ stand auf dem beigefügten Zettel und so tat er es auch.

Reihum haben wir dann nach und nach die Geschenke geöffnet.  Als dann die ausgepackten Teelichter mit Lebkuchenduft beträufelt, mit beigefügten Hölzern entzündet und die Tannenzapfen in die Dekoration eingefügt waren habe ich uns einen Tee gemacht.  Natürlich passend zum Anlass: Wintertraum, Zimtstern-Orange.  Dazu gab es dann das Vanille-Cappuccino-Spekulatius Eis welches wir Heiligabend nach dem leckeren Essen nicht mehr geschafft hatten.

Den Tee hatte ich zu früh zubereitet, in der Nummer fünf fand ich eine schöne Weihnachtstasse mit passender Serviette und einen „Bisou Spezial Weihnachtstee“ Teebeutel.  (Wer weiß, dass ich eigentlich Heißwasser Trinkerin bin ahnt wie so ein Teebeutel aussieht)

Ein kleiner Schneemann und eine Wichtelfrau finden noch ihren Platz auf dem Tisch und dann kommt die Weihnachtsmütze.  Die dazugehörige Anleitung sah nicht nur vor diese auf zu setzen, nein, auch das beigefügte Gedicht „Draußen vom Walde…“ sollte ich feierlich vortragen.  „Ich sitze hier gerade und lach mich kaputt!“ hatte G-M zwischen Klammern hinzu gefügt – es war mir ein Rätsel woher sie wusste, dass ich es wirklich tun würde und auch wir haben gelacht.

Dann fanden wir noch kleine Holzengel und Porzellan Kerzenständer mit roten Kerzen.  An Nummer Zehn hing ein Brief worin sie mir vorschlug doch ein Paar Tannenzweige aus dem Garten zu holen und beim Auspacken meines eigentlichen Weihnachtsgeschenkes „Oh Tannenbaum“ zu singen.  Es erübrigt sich zu erwähnen, dass auch hier der Text beigefügt war.  Die Reihenfolge habe ich nicht ganz beachtet aber alles pflichtbewusst erledigt.

Ein Geschenk, liebe G-M, hast du mir gemacht von dem du selber nichts ahnen konntest: ich hatte einen sehr schönen, sehr besonderen Abend mit meinem Patenkind.

Es duftet nach Lebkuchen, Teelichter brennen über einem weihnachtlichen Gabentisch.  Auf Tannenzweigen liegt deiner Hände Arbeit, perfekt in mein Schlafzimmer passend und ich habe das was andere nur aus der Redewendung kennen: „Ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen.“

Von Herzen Danke dafür.

 

Ps: Hach, schade, dass Egon das nicht mehr miterlebt hat…

20 Kommentare zu „"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum"

  1. 14.03.2012 – 2.10 Uhr – auf anderem Wege:

    Oh wie schön das du dich so gefreut hast! Wie du an der Uhrzeit wohl sehen kannst mach ich Grade eine kleine Schlafpause, aber so wirklich wach zum denken und gucken bin ich noch nicht. Ich hab auch schon viel beim verpacken gelacht, war mir aber sicher Das du die Anweisungen brav befolgst. Somit hat das Weihnachtsfest im März nicht nur dir Spaß gemacht.

    Mit einem Oh Tannenbaum auf den Lippen geh ich jetzt weiterschlafen.

    Drück dich
    G-M

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  2. das ganze las sich sehr lustig….und der verschicker wollte wohl genau das erreichen…..sehr viel lachen….ich würd mich auch über sowas herzlich freuen…..lach…die mal völlig andre idee weihnachten und ostern zusammenzulegen…..winker aus dem norden

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  3. Guten Morgen :wave:

    Ich musste schmunzeln und hatte allerdings vor Rührung leicht Pipi in den Augen! Mein Gott, wie lieb ist das denn! Mit so einer wundervollen Geschichte fängt mein Tag gut an 😀

    Bisous an Bisoux

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  4. … André liest nur die ersten 2-3 sätze und denkt sich:

    * ist ja wirklich schön ,dass sie sich gedanken macht … und unsere „eingefahrene beziehung“ mit einem rollenspiel aufpeppen will … aber muß sie das unbedingt sooo öffentlich tun …? *

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  5. Schön, hier zu sein. Schön zu lesen. Schön, dass Du solche Erinnerungen schaffen konntest. Schön ein bisschen Weihnachten zum Frühlingsbeginn zu haben. . . Vielleicht wird es ja auch wieder was mit meiner Bloggerei. Wir werden sehen. Aber es ist toll zu sehen, dass die „alten Seilschaften“ noch zu Gange sind…

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