Jahrestage

Jahrestage.  Es gibt die die wir mögen und die die wir eigentlich nie erleben wollten.  Der heute gehört in letztere Kategorie.

Es traf mich damals so unerwartet, ich wollte es nicht wahrhaben.  Waren doch in der gleichen Nachricht Worte die für mich klangen als gäbe es noch einen Weg für uns.  Ich wartete auf seinen Anruf, sein Kommen, irgendwelche Zeichen die mir sagen würden es sei doch alles gut.  Vergebens. 

Freundschaft hatte er mir verweigert, was blieb war unsere Körperlichkeit, Momente in denen ich so tun konnte als sei alles nur ein böser Traum.

Irgendwann konnte ich dann nicht anders als der Tatsache ins Auge zu schauen.  Das war eine Zeit großer Trauer, ich fühlte mich ausgeliefert und ich fühlte mich als Versagerin.  Für die Frau in mir hatte ich nur abwertende Gedanken, wäre sie etwas wert gewesen wäre es nicht so gekommen.  Ich wusste, ich hatte Dinge getan mit denen er nicht umgehen kann, Fehler gemacht. 

Es war gut damals auf Haussuche zu sein, so war ich abgelenkt von den Dingen die mir in den letzten Jahren so vertraut geworden waren und die ich jetzt vermisste. 

Es war ein langer Weg dahin zu erkennen, dass, auch wenn er es beendet hatte, auch wenn es seine Entscheidung war, diese auch für mich die richtige war.  Und dies nicht nur mit dem Verstand zu erfassen sondern mit dem Herzen annehmen zu können.

Das Vertrauen in meine Fähigkeiten musste ich schnell wieder erlangen war ich doch dabei mein ganzes Leben um zu krempeln.

Irgendwo in mir war ich wütend auf ihn.  Warum tat er mir das gerade jetzt an wo ich Ruhe gebraucht hätte. Aber ich war wesentlich wütender auf mich selber das alles zugelassen zu haben, verurteilte mich für alles was vielleicht ein Fehler gewesen war.

Ein Zwischenfall half mir Abstand zu gewinnen, meine Gedanken kreisten danach nicht mehr ständig um ihn.  Die Wut ging, erst die über ihn und irgendwann konnte ich auch mich selber wieder ohne Wut anschauen.  Das schaffte Raum und Zeit in mir, für mich.

Mit der Wut ist auch die Sehnsucht nach der Beziehung gegangen.

Körperlichkeit hat es noch gegeben, aber nicht mehr als Ausdruck von Hoffnung auf ein Wiederbeleben dessen was nicht mehr ist, sondern als teilen dessen was wir beide, miteinander, immer als wohltuend gelebt hatten.

Das Wissen darum, dass es nie wieder das „uns“ als Beziehung geben wird hatte sich breit gemacht, ist gefestigt, ist klar.

Lösen und loslassen.

Und jetzt?

Vieles in meinem Leben hatte ich um ihn herum organisiert und es entstand wieder Raum für mich, Raum zu erfahren was für mich wirklich wichtig ist.

In den letzten zwölf Monaten hätte ich meine Kraft für anderes gebraucht und doch hat sie mir in keinem Lebensbereich wirklich gefehlt.  Die Stunden die ihm täglich gehört hatten waren ja jetzt fürs aufarbeiten frei geworden. 

Ich kann heute mit Ruhe, Gelassenheit, Dankbarkeit und Liebe auf die Vergangenheit schauen…bzw. auf das was mir an Erinnerungen bleibt.

… und doch habe ich nicht das Gefühl mit meiner Trauerarbeit durch zu sein.

Jahrestage.  Die Gelegenheit Inne und Rückblick zu halten, zu bilanzieren.  Wenn dann unterm Strich positives bleibt, ist es die Gelegenheit in Stille zu danken.

 

14 Kommentare zu „Jahrestage

  1. „Ich kann heute mit Ruhe, Gelassenheit, Dankbarkeit und Liebe auf die Vergangenheit schauen…bzw. auf das was mir an Erinnerungen bleibt.

    … und doch habe ich nicht das Gefühl mit meiner Trauerarbeit durch zu sein.“

    Ist der Hauch einer Frage übrig: Musste das denn (so) sein?
    Sind noch Zweifel übrig, ob nicht auch alles hätte anders ausgehen können? Ist doch noch von der Erwartung übrig: wenn ich das vielleicht so gemacht hätte (ok…davon ist wohl nichts mehr übrig), wenn er sich vielleicht so verhalten hätte?
    Ich war mit der Trauer durch als ich ohne jeglichen Zweifel fühlen konnte: Ich kann nicht mehr tun. Ich will nicht mehr tun. Und ich nehme an, was sich daraufhin zeígt. Denn das ist die Essenz. Und die Klarheit dieser Essenz rückte alles an seinen richtigen Platz.

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  2. …und manchmal will man seine Trauer noch bei sich behalten. Weil mit der Trauer auch der andere Mensch noch als Individium spürbar ist. Bin ich durch, ist meine Trauerarbeit beendet, dann habe ich ihn verinnerlicht als das, was er zu meiner Entwicklung beigetragen hat. Dann ist er Bestandteil meiner Selbst. (G.Z. /24.02.2012)

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    1. Nein, ich möchte sie gerne abschliessen und auch das wird mir noch gelingen.

      Es gibt kein gesetz welches sagt es müsse alles binnen Jahresfrist erledigt sein.

      Was noch nicht „durch ist“ kann ich momentan nicht „fassen“ – vielleicht brauchen die Dinge einfach nur Zeit sich zu setzen und zu festigen.

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      1. „Es gibt kein gesetz welches sagt es müsse alles binnen Jahresfrist erledigt sein.“

        … und das ist auch gut so! Obwohl ….

        ich habe mal gelesen, dass man ebenso lange braucht, sich nach dem Ende einer Beziehung vom Partner emotional zu distanzieren, wie die Beziehung selbst gedauert hat.

        Das könnte in manchen Fällen dann doch zu lange sein 😉

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