Wenn es laut wird.

Auszug aus einer Mail von 2009:

(…) es ist völlig schwachsinnig zu fühlen wie ich fühle, aber ich kann nichts dagegen tun. (…)  Laut werden, das kenne ich in meinem Leben nur von zwei Menschen vor dir und es wurde dann immer geschlagen und wenn du laut wirst wie heute, dann habe ich Angst, dass du zuschlägst.  (…) nicht falsch verstehen bitte, nicht weil du es bist sondern weil alles so ist wie immer wenn sie zugeschlagen haben. (…)  Sobald es laut wird sehe ich wie ich den Kopf einziehe, die Schultern gehen nach vorne, der Körper macht sich klein um so wenig Angrifffläche wie möglich preis zu geben, ich kann nichts dagegen tun.“


„Ich kann nichts dagegen tun“ schrieb ich immer wieder und du musstest wohl so lange schreien bis ich lernte, dass ich nicht nur etwas dagegen tun kann, sondern soll.

Kopf ein- und Schultern nach vorne ziehen, mich ganz klein machen, das war das Verhalten des kleinen Kindes der Frau gegenüber, wo es galt so wenig Schläge wie möglich zu kassieren.

Als ich dann als Erwachsene wieder mit schreien konfrontiert wurde habe ich das alte Verhaltensmuster übernommen.  Ohne jedes nachdenken.  Was damals funtioniert hatte sollte mich auch jetzt schützen.

Statt einer fast 50 jährigen Frau wurdest du dadurch immer wieder einer fünf jährigen gegenüber gestellt.  Eine Zumutung wie ich jetzt erkenne.

Dinge die mir bewusst sind kann ich ändern.

Ich will nie wieder in die kindliche Rolle schlüpfen wenn du schreist, möchte dir dann als Erwachsene begegnen.

Wie das aussehen wird, wie es sich anfühlen wird dir dann mit geradem Rücken und gehobenem Koppf gegenüber zu stehen, keine Ahnung.

Eines weiss ich aber sicher, es wird sich nicht nur in mir etwas ändern.

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16 Kommentare zu „Wenn es laut wird.

    1. Mit Menschen die meinen was sie sagen und dabei auch leise werden habe ich gar kein Problem. Da habe ich keine schlechten Erfahrungen mit, da ist meist vernünftige Kommunikation möglich.

      und ja, es gibt wohl keinen besseren Weg als Selbsterkenntniss und Eigenverantwortung… dabei wäre es um so vieles einfacher die „Schuld“ auf andere zu schieben – aber dann würde ich „Opfer“ bleiben und in die Rolle will ich nicht mehr.

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  1. Kenne das.

    Eine Erfahrung von mir.
    Als ich in die Erwachsene schlüpfte,
    wurde ich plötzlich in dem von dir schreienden (in meinem Fall wer anders) vom Opfer zum Täter gemacht.
    Worte wie „Ich fühle mich jetzt wie ein kleiner dummer Junge… Du hast mich mit deinen Worten sehr verletzt, etc.“ erreichten mich stattdessen.
    Ups – was war das?
    Am liebsten hätte ich gefragt: wie alt ist denn der dumme Junge?
    Aber das hätte er nicht verstanden… glaube ich.
    Deshalb habe ich es dann mal gelassen.
    Und einen anderen Weg gesucht… ging auch.

    Deshalb wird es wohl noch etwas dauern bis sich zwei Erwachsene auf gleicher Ebene begegnen können.
    Denn richtig: auf beiden Seiten wird es anders.
    Auch für dein Gegenüber wird es Neuland sein, wenn du plötzlich erwachsen (re)-agierst.

    *umarme

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    1. Mir ist sehr bewusst dass die Aufarbeitung nur auf meiner Seite stattfindet wie die jeweils andere Seite dann mit dem Resultat umgehen kann ist nicht mein Problem und ich werde es nicht zu meinem machen.

      Ich kann die Augenhöhe nur anbieten, zum Umsetzen gehören zwei.

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  2. Ich kann nichts dagegen tun, kann man doch erst mit Sicherheit sagen, wenn man versucht hat, etwas dagegen zu tun. Und ja, dabei kann sicher heraus kommen: ich habe es versucht und es ging nicht.
    Das ist sicher die Stelle, etwas aufzugeben, was keine allzu große Bedeutung hat………..

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    1. Als ich noch glaubte ich könne nichts dagegen tun, da schaute ich auf die Symptome. Ich konnte nichts gegen das Weinen tun, ich konnte nichts gegen die Angst tun.

      Nein, meine Angst und mein Schmerz waren für mich nicht Grund Abstand von einem Menschen zu nehmen der diese Dinge Auslöst (sie aber, in diesem Fall, nicht verursacht)

      Mein Blick ist von den Symptomen zur Ursache gegangen und mit meiner Erkenntniss zu meiner „Funktionsweise“ glaube ich sicher, dass es sich ändern wird.

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  3. Ich habe Tränen in den Augen, es ist aber nicht wie im täglichen Leben. Frage mich schon über 50 Jahre warum ist das so? Eine Antwort habe ich noch nicht behommen, aber es wird schon einen Sinn haben.

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