Befreit

Ich erzählte dir von Papa, von meinem letzten Treffen mit ihm und wie traurig es mich gemacht hatte. 

„Lass gut sein, ich kann das alles nicht mehr“ hatte er gesagt als ich mit ihm über einen Finanzierungsplan reden wollte. 

Einiges hat sich seit seinem Schlaganfall geändert aber feststellen dass er Zusammenhänge nicht mehr erfassen kann, da hatte ich das erste Mal das Gefühl ein Stück von ihm verloren zu haben.

 

… „dass er nicht übervorsichtig und besorgt ist, passt doch zu seinem neuen „kindlichen/befreiten“ Handeln.  Er ist endlich frei von dem „und was denken die Leute“ wenn ich jetzt lache oder was Lustiges sage, wenn ich jetzt zugebe dass ich nicht ganz verstehe.

Er ist einfach frei.“…

 

Danke für deinen Blick auf Papa.

Du hast recht, er war nicht traurig dabei.  Er ist freier als er je gewesen ist und das sollte mich nicht traurig machen.

 

Es tut gut meine emotionsgeladene Sicht der Dinge an die deine, rationalere reiben zu dürfen und so mein Gleichgewicht wieder zu finden.

Danke, dass es dich für mich gibt.

 

Ps: ich glaube du wärst eine wunderbare „große Schwester“ geworden

 

23 Kommentare zu „Befreit

  1. schön wenn man so eine Seelenschwester hat:)

    Es gibt immer verschiedene Blickwinkel und so ist es gut manchmal (auch Dank der Hilfe von lieben Menschen) einfach einen Schritt zu tun und anders auf die Dinge zu blicken.

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  2. Manche Krankheiten (er)lösen die Menschen von alten Mustern.
    Sie können sich selbst dann erst die Erlaubnis geben, anders reagieren / handeln zu dürfen, wo vorher alles „angepasst“ war.

    Das kann ich DIR jetzt so schreiben.

    Ich selbst bin aber gerade auch eher die emotionsgeladene… gratis Achterbahnfahrten täglich. Hoffentlich muss ich nicht bald kotzen…

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      1. Ja, liegt sie… vorübergehend… aber ich soll mich noch ein wenig drauf einstellen, dass es noch ein paar mal so sein wird und dankbar sein für das Leid und Elend, was da rauskommt. Nundenn… vorher und hinterher bin ich das sicherlich auch… in dem Moment aber nicht. Aber wem sag ich das 😉

        PS: dann könnten wir uns ja jetzt nochmal treffen und mal bissel Quatsch machen… leben halt… du weißt schon 😉 Ich wollte schon immer mal nach Niederprüm in den Skulpturen-Park. Warst du da schonmal?
        http://www.skulpturenpark-kruft.de

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  3. Ich habe erlebt, dass mir meine Mutter im Sterben noch, zeigen konnte, wie nichtig das ist, was wir als Problem ansehen. Ich wollte sie an unserem Leben Anteil haben lassen und hab ihr eins erzählt. Da ging ein derart entspanntes und leicht spöttisches Lächeln (soetwas hatte ich nie von ihr gekannt) über ihr Gesicht, dass ich sie nur fassungslos fragen konnte:“Mami, aber du sagst mir jetzt nicht grad, dass das sowas von belanglos ist.“ und in ihrem sich verändernden, bestätigenden Lächeln erkannte ich, das sie genau das gemeint hatte. Ich hoffe, dass neben all dem Schmerz, der Dir zuteil werden wird, Du auch miterleben kannst, durch ihn, dass sie behütet sind und das auch erfahren…….
    sicher…es hätte auch sein können: ich sterbe und du kommst mit deinem problem…..doch so hat es sich nicht angefühlt!

    dich umarme: nein, es ist nicht leicht, seine Eltern schwach und klein zu sehen und vergänglich…ich komm mal an Dein Ohr

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  4. Ich wollte schon nach dem Urlaub nach Deinem Vater fragen hab mich aber nicht getraut.

    Ich habe das bei der Schwiemu auch erlebt, sie war ganz einfach losgelöst von allem und hat akzeptiert, daß sie nun geht und so sprach sie noch und schlief dann einfach ein. Was will man mehr?

    Wir sprachen vorher noch drüber. Sie meinte „was soll ich tun?“ Ich antwortete „nichts, mach einfach so weiter, akzeptiere, daß du ein schönes Leben hattest und dass es nun dem Ende entgegen geht.“

    Das hab ich auch bei meiner Oma und meiner Tante erlebt, dieses Akzeptieren des Endes ist wichtig, ich glaube dann kann man auch in Frieden gehen. Dann ist man befreit, wie Du schreibst.

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    1. Fragen darf man mich immer alles… ich muss ja nicht antworten 😉
      Das ist einer meiner Standartsprüche und er bleibt gültig gleich worum es geht.

      „Akzeptieren“, ja, das ist auch ein grosser Teil von Papas Lebensgeheimniss. Er kann annehmen wie er jetzt ist, kein Auflehnen, keine Wut, keine Depression… ich hoffe es bleibt so.

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    1. Noch ist er da, nur „anders“

      Fahre gleich hin ihm ein Eis zu bringen und ich werde sehen können wie er sich freut – auch dieser Ausdruck von Freude ist neu, gehört zu seinem „anders“ sein 🙂

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  5. …das man(n) oft erst krank werden muss um zu gesunden scheint mir hier zur traurig bestätigten Wahrheit zu werden.

    Dein Papa hat sicher nicht seine Krankheit „verdient“
    Ganz sicher aber steht ihm sein bisschen Mehr an Freiheit in Denken und Handeln zu.
    Ich wünsche ihm bestmöglichste Genesung und euch beiden noch ganz viel Miteinander.

    Den Papa habe ich nie kennengelernt, warum nur bin ich mir so sicher, dass ich ihn mögen würde?!

    Ich umarme dich

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