19. Türchen: "Endlosschleife"

 

Die Schleife in meinem Kopf sieht aus wie eine liegende Acht und darauf Tanzen meine Gedanken ihren Reigen.  Sie tragen  Springerstiefel und drehen sich im Kreis.  Immer wieder. 

Was Jahrelang gang und gäbe war, passiert jetzt nur noch wenn ich nicht in der Lage bin auf mich Acht zu geben.  Nicht selten ist Verzweiflung der Grund wenn ich mich so von meinen Gedanken gefangen nehmen lasse.

Wenn mir das bewusst wird kommt meist ein abruptes Unterbrechen.  Alles raus aus dem Kopf, nichts mehr zulassen… was natürlich nur zu einer Pause taugt. 

Wenn es dann erneut losgeht, ich etwas zur Ruhe gekommen bin, dann versuche ich das was da seine Kreise dreht genauer an zu schauen. 

Drehen die Gedanken vielleicht in einer Spirale, laufen auf einen bestimmten Punkt zu?  Wenn ja, ist er oft der Eingang zur Lösung. 

Wenn nein, dann muss ich mir jeden einzelnen genau anschauen.  Dies geschieht dann aber nicht mehr nur in meinem Kopf.  Einen nach dem anderen nehme ich mir die Gedanken vor und unterziehe sie einem „Verhör“. 

Wie heißt du? Wo kommst du her?  Wo führst du mich hin wenn ich dir nachgebe?  Ist das gut für mich? usw.

Ich tue das schriftlich.  Mit dem Schreiben hört das Drehen auf.  Beim schreiben wiederhole ich mich nicht ohne Ende, da verlangt eine Erkenntnis, eine Einsicht nach logischer Folge.  Ich tue dann was getan werden muss.  Oft ist es Annehmen oder Loslassen.  Ein so behandelter Gedanke kann sich nicht mehr in die Kette der Kreisenden einfügen.

Ein Gedanke nach dem anderen wird so unter die Lupe genommen, bis da nichts mehr tanzt.

Es ist harte Arbeit aber es lohnt sich.

„Worte die die Welt nicht braucht“ hast du sie genannt.  Die Welt vielleicht nicht, liebe Crissi, aber ich.  Es hier aufschreiben ist für mich sowas wie ein Versprechen an mich selber es immer wieder durch zu stehen.

Der Ausgang aus der Endlosschleife ist dort wo ich sie unterbreche, dort wo ich sage: „Ich will raus“

 

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30 Kommentare zu „19. Türchen: "Endlosschleife"

  1. ja, Schreiben und absolute Ehrlichkeit zu sich selbst, ist das, was zu Selbstverständnis und zu Klarheit führt. Als ich als Kind begann, Tagebuch zu schreiben, dachte ich, ich schreib mal eben so…na, so einfach….und schreib so, als ob ich das so sehen und darüber denken würde….mir wurde dabei sehr schnell klar, was ich wirklich sah und dachte…. meine ersten Tagebucheinträge bestanden anfangs aus nichtssagendem Zeug, dann aus durchgestrichenen Sätzen und rausgerissenen Seiten….bis mir klar wurde, was ein Tagebuch ist….da war ich dann froh über den Schlüssel….
    Heute glaube ich von mir, dass mein Denken sehr klar ist, dass ich weiß, wie ich mit Gedanken umgehen kann, darf und muss,- wie ich mein Denken ordne und sortiere, so dass es mir nützlich ist. Das verdanke ich der Erfahrung, wie hilfreich, klärend und befreiend Schreiben ist. Ich bin sehr froh, dass Du diese Erfahrung ebenfalls hast und dass sie Dir hilft.

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      1. …zu einfach! So einfach ist es nicht. Und da ich Dich, Evchen, für eine lebenskluge Frau halte…warst Du ein bisschen hin- und her gerissen zwischen Provokation und Glaube an die Wirksamkeit?
        Bisschen vor mich hingrise, trotz ernsthaftem Thema, weil mir bisou leicht geschockt vor kommt: es ist meist sehr schwer. Und wie wir alle wissen, drücken sich deshalb ganz viele davor. Ich hoffe Ihr verzeiht mir meine Einmischung.

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  2. Aufschreiben was man nicht mehr will, das ist m.E. der Anfang und auch leicht um dieses Drehen im Kreis bzw. die Stagnation zu beenden. Was man will kommt dann von selbst – resultierend aus den Möglichkeiten. Die Zukunft kommt sicherlich ganz anders als geplant.

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    1. „Die Zukunft kommt sicherlich ganz anders als geplant“
      Meine Zukunft als solche habe ich nie geplant, es galt in meinem Leben immer nur Dinge zu verwirklichen, was das Leben damit machen würde habe ich nie „vorausgesehen“. Im Freundeskreis wurde mal gefragt „wo sehe ich uns in 20 jahren?“ die einen haben von Enkel, Reisen, Haus, Beruf geschrieben. Auf meinem Zettel stand nur „ich möchte dann noch mit dir unterwegs sein“

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      1. Wir leben schon immer nach dem Motto „JETZT, wer weiß was später ist“ natürlich im Rahmen der Möglichkeiten. Eine Bekannte plant praktisch alles im voraus, über Jahre. Hochzeiten ihrer Söhne (haben noch gar keine Freundin), wo die wohnen sollen (natürlich im Haus), Enkelkinder, Beerdigungen – sogar ihre eigene – da kann es jedem nur übel werden. Irgendwie stielt man sich die Gegenwart, wenn man nur an die Zukunft denkt. Da läuft die Zeit ja noch schneller davon. Gestern kam am Telefon der Satz „wenn die jetzt alle wo anders hinziehen bin ich allein wenn ich sterbe“. Wir lagen flach vor Lachen, Rob meinte dann „mach dir keine Sorgen, wir sitzen alle an deinem Sterbebett“. Ist doch krank, sie ist 45 und natürlich keine Glucke, nein nein.

        Und was den letzten sehr liebevollen Satz betrifft: Egal was ich tue, MICH nehm ich immer mit. Und es hängt immer von der Tolleranz des Partners ab wie sehr er mich aktzeptieren kann und umgekehrt von meiner Tolleranz. Ist halt auch ein Teil der Anpassung die erst mit den Jahren stattfindet. Verliebtheit ist das eine, Liebe das andere. Niemand kann eine Beziehung allein führen, es gehören immer zwei dazu, jeder hat 50% und das sollte sich nicht verschieben. Die Erwartungshaltung an den Partner sind teilweise zu hoch.

        Ich z.B. hab ständig neue Dinge im Kopf, Umräumen, Umdekorieren, habe hunderte von Büchern (2 Bücherwände) mit wechselnden Themen, Amazon kann gar nicht schnell genug liefern, ich interessiere mich für ALLES, ich male, ich fotografiere, ich schreibe, ich mache Schmuck, meine Gedanken sind ständig irgendwo unterwegs auf der Suche nach Anregung, nach Wissen. Das würde nicht jeder mitmachen, davon bin ich überzeugt und wenn ich mich so umgucke im Bekanntenkreis, überall Stagnation, als hätten die Jahre einen Cocon um sie gesponnen und sie bewegungsunfähig gemacht. Und dann kommen diese Versuche mit einem neuen Partner wieder Leben ins Leben zu bringen. Tja, siehe oben … MICH nehm ich immer mit.

        Ich sehe meinen Partner nicht als meinen Alleinunterhalter, ich kann mich selber beschäftigen.

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  3. die Schleife ist noch da … die Acht … die was auch immer …
    aber ok – ich schreibe… Seite 176 ist schon voll …
    Tagsüber ist es ok .. die Nächte sind grausam … aber ok, auch das wird wieder..
    der Kopf ist rund, damit die Gedanken kreisen können ohne anzuecken 😉 ~~~~~~~~~ *DD*

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    1. „Seite 176…“ das klingt nach – die Gedanken haben dein Schreiben im Griff.

      Zerpflücke sie in ihre Einzelteile, lasse sie nicht Herr deiner Worte sein.

      Schaue ihn dir an deinen Kopf, so viele Öffnungen hat er die Gedanken heraus zu lassen

      Fühle dich innig gehalten

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  4. es wird … die nächsten Tage sind voll … mit Familie und gaaanz anderen Dingen. Besinnung fällt weg, nachdenken nicht mehr möglich… vielleicht hilft es … *DD* – und sage einfach mal DANKE ! glg C. ~~~~~

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  5. wer kennt sie nicht…diese endlosschleifen…dieses hamsterraddrehen….ich kenns aber ich kann es zumindestens in den allermeisten fällen inzwischen stoppen…es geht nicht immer…aber immer öfter….dir einen guten tag…und schöne feiertage

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